Attentate, Amokläufe, Krieg: Wie erklärt man Kindern die Welt?

Wenn Amokläufe, Attentate, Krieg und Überfälle auf Flüchtlinge die Nachrichten und die Gespräche unter Erwachsenen bestimmen, geht das an Kinder nicht vorbei. Sie bekommen mit, dass etwas Schreckliches geschehen ist und fragen nach Details. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Kindern belastende Nachrichten erklären können.


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Kinder können die Nachrichten im Fernsehen und im Radio nicht verstehen


© Thinkstock
Die brutalen Bilder im Fernsehen und die oft emotionsarmen Berichte im Radio verstören Kinder. Kleine Kinder sind nicht in der Lage, die Nachrichten, die für Erwachsene geschrieben und gefilmt wurden, zu verstehen. Die Bilder, denen Kinder dort begegnen, helfen ihnen nicht, ihre Fragen zu beantworten. Ganz im Gegenteil: Sie vergrößern die vorhandenen Ängste und verunsichern die Kinder noch mehr.

Nachrichten über Katastrophen lösen in Kindern Angst aus


Kindern fehlt aufgrund ihres jungen Alters das notwendige Hintergrundwissen und Abstraktionsvermögen, um das Gesehene mit Abstand betrachten und einordnen zu können. Sie bauen die schreckliche Geschehnisse direkt in ihr Leben ein. Wenn Kinder Nachrichten über Katastrophen oder Anschläge sehen, fühlen sie sich bedroht. Sie sorgen sich, dass auch ihnen etwas Ähnliches passieren kann, denn ihnen ist klar, dass das, was sie da sehen "echt" ist. Diese Angst kann den Kindern genommen werden, indem man ihnen Katastrophen-Nachrichten kindgerecht serviert.
Wie Eltern Kindern Nachrichten erklären können
Eltern sollten ihre Kinder bei Themen wie dem Attentaten auf keinen Fall alleine lassen. „SCHAU HIN!“, der Medienratgeber für Familien, empfiehlt Eltern, mit Kindern unter zehn Jahren gemeinsam altersgerechte Formate zu nutzen. "Wenn sie mit ihnen über die Ereignisse sprechen, lernen Kinder besser, sie einzuschätzen und damit umzugehen", meint "SCHAU HIN!"-Mediencoach Kristin Langer.

Was Eltern tun können, um ihren Kindern die Angst zu nehmen
  • 1 / 8

    Eltern sollten die Ängste ihrer Kinder ernst nehmen und ihnen zeigen, dass sie diese Ängste haben dürfen. Sie sollten ihnen Trost und Geborgenheit spenden – statt die Ängste kleinzureden.

  • 2 / 8

    Eltern sollten mit ihren Kindern offen über das Geschehene sprechen und ihnen damit zeigen, dass man Angst teilen kann. Ein Gefühl, das gut tut, denn die Ängste werden so kleiner.

  • 3 / 8

    Fragen der Kinder sollten konkret und verhältnismäßig beantwortet werden, damit keine neuen Ängste geschürt werden.

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    Wenn Sie gemeinsam Bilder in der Zeitung oder im Fernsehen sehen, weisen Sie Ihr Kind auf die positiven Aspekte hin: Auf die Polizei, die schnell vor Ort war. Auf den Sanitäter, der die Verletzten jetzt versorgt. Auf die vielen Menschen, die nach dem Amoklauf in München eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten haben.

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    Eltern müssen ihren Kindern verdeutlichen, dass solche Vorkommnisse Ausnahmen sind und nicht zum Alltag gehören. Die Wahrscheinlichkeit, selbst von einem Amoklauf betroffen zu sein, ist zwar vorhanden - aber sie ist verschwindend gering. Und wir haben das große Glück, in einem Land zu leben, in dem Krieg und Naturkatastrophen weit weg sind.

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    Wenn Eltern eine Antwort schwer fällt und sie nicht weiter wissen, dürfen sie das offen sagen. Kinder sollten nicht mit dem Satz: „Dafür bist Du noch zu klein.“ abgespeist werden. Das zerstört den Drang, Wirklichkeit erfahren zu wollen. Außerdem werden Kinder dann mit ihren Ängsten und Sorgen allein gelassen.

  • 7 / 8

    Eltern sollten mit ihren Kindern das Gesehene aktiv verarbeiten. Viele Kinder drücken sich in Bildern aus oder die Größeren veranstalten auch schon Hilfsaktionen. Darüber sprechen und informieren ist immer gut.

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    Eltern können mit den Kindern gemeinsam weitere Informationen einholen, zum Beispiel im Internet oder in einer Zeitschrift.


Nachrichten für Erwachsene sind erst für Kinder ab zwölf, dreizehn Jahren geeignet. Für die Jüngeren empfehlen sich spezielle Kindernachrichtensendungen. Geeignete Sendungen finden Sie in der Linkbox.
Wie werden Nachrichten für Kinder aufbereitet?
➤ Die Nachrichten werden kindgerecht umgesetzt, das heißt die Redaktionen verzichten auf blutige Bilder von Opfern und verwenden eine leicht zu verstehende Sprache.

➤ Fachbegriffe werden erklärt und an Beispielen erläutert.

➤ Große Schaubilder zeigen Zusammenhänge und verdeutlichen Entwicklungen.

➤ Die Redaktionen versetzen sich in die Perspektive der Kinder. Häufig erzählen sogar Kinder die Geschichte.

➤ Teilweise werden die Moderatoren in die Originalbeiträge geschnitten und haken an entscheidenden Stellen nochmal nach.

Wie soll man mit Kindern über Katastrophen sprechen?



Nachrichten für Kinder

Besonders wenn Kinder unter den Opfern sind, berühren Katastrophen-Nachrichten die Lebenswelt unserer Kinder.


© Getty Images
Auch wenn Kinder nicht vor dem Fernseher sitzen oder gezielt die Nachrichten im Radio hören, bekommen sie mit, was gerade auf der Welt geschieht. Sie hören zufällig ein Telefonat der Eltern mit, unterhalten sich in der Schule mit ihren Freunden oder sehen die grausamen Fotos am Zeitungskasten. Eltern von Schulkindern sollten deshalb nicht darauf vertrauen, dass ihr Kind die belastenden News gar nicht mitbekommt. Besser Sie schauen gemeinsam Kindernachrichten und nehmen sich danach die Zeit, um die Ereignisse zu besprechen und die Fragen Ihrer Kinder zu beantworten. Optimale Zeit für solche Gespräche ist der Nachmittag – dann nehmen Kinder die angstmachenden Themen nicht mit ins Bett. Ihre eigenen Ängste müssen Sie nicht völlig verschweigen - aber versuchen Sie, Ihre Kinder dadurch nicht unnötig zu verunsichern. Wenn Kinder die Furcht ihrer Eltern merken, bringt das ihre Welt noch ein bisschen mehr ins Wanken. Halten Sie sich mit panischen Äußerungen und Mutmaßungen zurück.

Größere Kinder möchten wissen, wie sie reagieren sollen, wenn an ihrer eigenen Schule ein Amoklauf passiert. Tun Sie diese Frage nicht ab mit Bemerkungen wie "das wird nicht passieren!", sondern sprechen Sie durch, wie Ihr Kind sich im Notfall - der hoffentlich nie eintritt - verhalten könnte. Das gibt Sicherheit und mildert das Ohnmachtsgefühl. Sollte es in eine Extremsituation geraten, sind ein sicheres Versteck und ein Notruf per SMS oder WhatsApp die wichtigsten To do's. Grundsätzlich gilt: Ihr Kind soll sich ruhig auf sein Bauchgefühl verlassen und Menschenmengen vermeiden, wenn es sich dort nicht wohl fühlt.

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