Keine Angst vor dem Nachtschreck

Mitten in der Nacht hören Eltern ihr Kind plötzlich wimmern oder schreien. Es schlägt um sich, ist schweißnass – und nicht ansprechbar: der Nachtschreck macht sich breit. Das müssen sie über die Schlafstörung wissen.


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Nachtschreck

Der Nachtschreck macht Eltern mehr Angst als den Kindern


© iStock
Viele Eltern kennen diese Situation: Nach Gute-Nacht-Geschichte und -Lied schläft der Nachwuchs endlich. Mama und Papa sind froh und wollen es sich jetzt auch gemütlich machen. Doch plötzlich schreckt das Kind voller Panik aus dem Schlaf hoch, wimmert, keucht, schreit, schlägt um sich und hat zwar die Augen auf, scheint aber nicht wirklich wach zu sein. Die Eltern machen sich natürlich Sorgen, denken, dass ihr kleiner Schatz etwas hat, doch nach einigen Momenten beruhigt sich das Kind wieder und kann sich am nächsten Morgen meist gar nicht mehr an den Vorfall erinnern. "Nachtschreck" nennt sich dieses Phänomen, vor dem Mama und Papa keine Angst zu haben brauchen, denn meistens ist diese Schlafstörung vollkommen harmlos. Wie Sie Ihrem Kind trotzdem helfen können und warum es überhaupt zum Nachtschreck kommt.

Was ist der Nachtschreck?


Als Nachtschreck (medizinisch Pavor nocturnus) beziehungsweise Nachtterror bezeichnet man Auffälligkeiten während des Schlafes, die allerdings die Erholsamkeit des Schlafes nicht weiter beeinträchtigen. Diese Art von Verhaltensauffälligkeit nennt man Parasomnie; Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf fallen beispielsweise auch darunter.

Meist treten Nachtschrecken häufig in der ersten Nachthälfte auf, zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Erlebt das Kind einen Nachtschreckt, äußert sich das oft nur in einem leisen Wimmern oder Keuchen. Manchmal beginnt das Kind aber auch laut zu schreien und um sich zu schlagen. Sein Herz schlägt schneller, Angstschweiß macht sich breit. Manche Kinder schrecken hoch und setzen oder stellen sich sogar im Bett auf. Trotzdem ist das Kind nicht ansprechbar und hat keine Orientierung. Dabei können seine Augen weit aufgerissen sein. Das ganze dauert etwa 15 Minuten, dann ist der Schreck vorbei und das Kind schläft normal weiter als wäre nichts gewesen. Am Morgen kann es sich an nichts erinnern. Nur Mama und Papa sitzt der Schreck der letzten Nacht noch in den Knochen.

In bis zu 50 Prozent der Fälle kommt es in den Nächten nach dem Nachtterror auch zum Schlafwandeln – und auch daran kann sich das Kind danach nicht mehr erinnern.

Etwa 20 Prozent aller Kinder hat schon einmal Erfahrungen mit dem Pavor nocturnus gemacht. Meist kommt es nur zu vereinzelten Vorfällen. Bei ein bis fünf Prozent aller Kinder kann es dagegen zu mehrfachen Attacken kommen und etwa ein Prozent der Kinder macht regelmäßig ungefähr einmal die Woche Erfahrung mit dem Nachtschreck. Jungen sind häufiger vom Nachtterror betroffen als Mädchen.

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In welchem Alter tritt der Nachtschreck auf?

Meist tritt der Nachtschreck bei Kleinkindern auf – etwa zwischen zwei und sechs Jahren. Besonders häufig sind Kinder betroffen, die sich gerade auf die Einschulung vorbereiten oder diese gerade hinter sich gebracht haben und sich in der Schule eingewöhnen müssen.

Selten tritt der Nachtschreck auch schon bei Babys auf, noch seltener können auch Erwachsene einen Nachtschreck erleben.
Was sind die Ursachen für den Nachtterror?

Natürlich sind Mamas und Papas erst einmal ziemlich beunruhigt, wenn ihr Kind so etwas durchmachen muss. Viele befürchten, dass schlimme Ursachen dahinterstecken können. Doch Sie können aufatmen: Der Nachtschreck ist meist völlig harmlos. Zwar sind die genauen Ursachen dieser Schlafauffälligkeit noch nicht vollständig geklärt, doch wahrscheinlich kommt es zum Nachtterror, wenn der Wechsel vom Tiefschlaf in den Traumschlaf gestört wird und so das Nervensystem quasi übererregt ist. Kinder sind besonders davon betroffen, da das kindliche Gehirn noch nicht gelernt hat, den Übergang vom Tiefschlaf in den Traumschlaf richtig zu managen. Bestimmte Reifungsprozesse im zentralen Nervensystem sind bei den Kindern also noch nicht abgeschlossen. Die nächtliche Störung sollte sich also mit dem Heranwachsen des Kindes von selber wieder legen.

Bestimmte Faktoren können das Auftreten des Pavor nocturnus aber verstärken. Neben familiärer Veranlagung können auch körperlicher und seelischer Stress des Kindes, zu wenig Schlaf, extreme Belastungen, Fieber, bestimmte Medikamente, eine fremde Umgebung und besondere Ereignisse (zum Beispiel die Einschulung) den Nachtschreck begünstigen.

Der Nachtterror ist übrigens nicht gleichzusetzen mit Alpträumen. Denn böse Träume treten während der Traumphase auf. Das Kind weiß – im Gegensatz zum Nachtschreck – ganz genau, warum es sich erschreckt hat und kann sich am Morgen danach oft auch noch an den Traum erinnern.

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Was tun beim Nachtschreck?

Sieht man sein Kind in einer solchen Situation, wollen Eltern verständlicher Weise eingreifen und ihren Kleinen irgendwie helfen. Das müssen Sie in der Regel aber nicht. Versuchen Sie nicht, Ihr Kind aufzuwecken – solange es sich nicht selbst gefährdet. Denn plötzliches Wecken würde das Kleine nur verwirren und es ihm womöglich schwerer machen, wieder einzuschlafen. Auch am nächsten Morgen sollten Sie Ihrem Kind am besten nichts vom nächtlichen Schreck erzählen, denn dies könnte dazu führen, dass das Kind Angst vor dem Einschlafen bekommt.

Am besten ist es, schon vor dem Schlafengehen Bedingungen für einen guten Schlaf zu schaffen. Dazu gehören, eine gesunde Schlafhygiene, ein entspanntes Kind, das gerne zu Bett geht und eine sichere Schlafumgebung, so dass sich der Nachwuchs nicht verletzten kann, sollte es zum Nachtschreck kommen.

Tritt der Nachtterror ein, können Sie versuchen Ihrem Kind sanft zuzureden oder es sachte wieder ins Bett zurückzulegen, wenn es aufgestanden ist, normalerweise beruhigt sich das Kind aber von alleine wieder, eingreifen ist meist nicht nötig. Das wichtigste ist also: Ruhe bewahren.
Wan sollte man zum Arzt?

In der Regel brauchen Eltern also keine Angst haben, wenn der Nachtschreck bei ihrem Nachwuchs auftritt. Leidet Ihr Kind aber auch noch in der Vorpubertät  - also ca. ab dem siebten Lebensjahr – noch unter dem Nachtterror, oder tritt er sehr häufig auf, könnte ein Besuch beim Arzt trotzdem ratsam sein. In seltenen Fällen sind dann psychotherapeutische Maßnahmen nötig – zum Beispiel, um den Stress des Kindes zu reduzieren.

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von Nicole Metz




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