Nur Kummer mit G8?

Eine große Mehrheit der Eltern lehnt die Verkürzung der Schulzeit ab, denn das G8 kann kostbare Familienzeit rauben. Doch es gibt auch Auswege ...


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G8: Zu viel Stoff schafft Stress



Jugendliche vor Schultafel


© Thinkstock
Das achtjährige Gymnasium (G8) ist für Familien zur Stressmaschine geworden. Reinhold Beckmann, TV-Moderator und bestimmt kein Anti-Anstrengungs-Propagandist, hat es auf den Punkt gebracht: „Unsere Kinder sind völlig überfordert und total k.o.“, sagte er im Jahr 2008. Mittlerweile stimmen ihm drei Viertel aller Eltern zu. Ein Drittel der Schüler beschäftigt das ganze Jahr über Nachhilfelehrer. 

Zweifelhafte Effekte des G8
In ganz Deutschland schließen gerade die ersten Doppel-Abitur-Jahrgänge das Gymnasium ab. Und alle klopfen gleichzeitig bei den Universitäten an, die ihre Aufnahmekapazitäten nicht erweitert haben. Sachsen-Anhalt hatte seinen Doppel-Jahrgang schon 2007. Er wurde von Magdeburger Wirtschaftswissenschaftlern untersucht – mit dem Ergebnis, dass die G8-Abiturienten „signifikant schlechter“ abschnitten als ihre älteren Mitschüler. Die Forscher rieten den Universitäten, besonders in Mathematik das Versäumte zunächst wieder nachzuholen.
Proteste und Zweifel am Erfolg des G8
Viele Eltern haben gegen G8 protestiert. Kaum spricht sich ein Bundesland für Lehrplanentrümpelungen aus, protestieren andere und berufen sich auf „Bildungsstandards“. Seit PISA ist es schulpolitische Mode geworden, unentwegt zu messen und zu vergleichen. An sich ist nichts Schlechtes daran, nachzuprüfen, ob Schulen halten, was sie versprochen haben. Prof. Petra Stanat, Direktorin am Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, sagt, am Anfang der jüngsten Schulreformen habe die Erkenntnis gestanden, „dass es in der neunten Klasse Schüler gab, die im Grunde noch immer auf Grundschulniveau rechneten“. Dem habe die Politik mit Bildungsstandards abhelfen müssen. Doch leider misst sie seither kaum noch den eigenen Erfolg, dafür aber unentwegt die Leistungen der Kinder.
"Lernstandskontrollen" schon in den Grundschulen
Schon in den Grundschulen gibt es fingerdicke „Lernstandskontrollen“. Im Gymnasium ersinnen Lehrer und Schüler Strategien, um bessere Ergebnisse in den vorgegebenen Standardtests zu erzielen. Die Eltern fragen sich: Was nützt das, wenn, wie in der Magdeburger G8-Studie, das Endergebnis aller Mühen schlechter wird?
G8 fördert Zulauf für Privatschulen

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Viele Eltern suchen nach Privatschulen, wie zum Beispiel echte Ganztagsschulen, aus denen nachmittags nicht noch ein Haufen Nacharbeit in das Familienleben geschleppt wird. Viele Privatschulen haben passende Angebote ersonnen, um G8 legal und unauffällig wieder auszuhebeln. Dazu gehört die Kombination einer Berufsausbildung mit dem Abitur. Modelle aus Ausbildung und Fachabitur, das dann zum vollen Abi ausgebaut wird. Oder man deklariert sich als Gesamt- oder Gemeinschaftsschule und kann weiter G9 anbieten. Es macht kaum Probleme, denn die Privatschulen können ihre Bewerber auswählen. Seit 1992 ist die Zahl der freien Schulen von 800 auf über 3000 gestiegen – mit dem Nachteil, dass die Familien es sich leisten können und einen der begehrten Plätze bekommen müssen.




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