Pokémon Go! Der neu aufgelegte Hype um die Taschenmonster

Ein Smartphone-Spiel erobert die Welt: Der neuerliche Hype um Pokémon Go erinnert an Tamagotchi- und Moorhuhn-Zeiten. Alles was Eltern kleiner Pokétrainer wissen müssen im Überblick.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
„Aber hier muss doch eins sein!“ – „Komisch, bei mir saß das vorhin einfach auf dem Schreibtisch.“ – „Da, ich hab’s! Oh, nicht getroffen.“ – wisch, wisch, wisch –  „Verschwende nicht so viele Pokébälle, du hast nur ein paar davon!“ – „Was? Verdammt! Jaaa, ich habe mein erstes Pokémon gefangen!“

So in etwa lief die Unterhaltung gestern zwischen mir und einer Kollegin, als wir das erste Mal Pokémon Go ausprobiert haben. Man muss dazu sagen: Wir beide kennen die Zeichentrickserie aus den späten 90ern und die dazugehörigen Karten- und Videospiele, sind also vertraut mit den kleinen Monstern und dem Spielprinzip – und waren daher auch mehr als nur ein bisschen neugierig auf die App. Für alle Eltern, die mit Pokémon so gar nichts am Hut haben, deren Kinder jetzt aber auch auf Monstersuche gehen wollen, beantworten wir hier vier Fragen zum Thema Pokémon Go.


Pokémon Go: Wir haben es ausprobiert

Wilde Pokémon in unserer Redaktion! (© vision net ag)


FAQs für Eltern zu Pokémon Go


➤ Was sind Pokémon?

„Pokémon“ ist ein japanisches Fantasiewort und bedeutet sinngemäß Taschenmonster. Die kleinen Wesen können eingefangen, gesammelt und trainiert werden, um gegeneinander zu kämpfen. Ziel des Spiels ist es, Pokémeister zu werden, also andere Pokétrainer zu besiegen. Ursprünglich gab es ein Videospiel, später Animationsserien, ein Kartenspiel und Kinofilme rund um die stetig wachsende Zahl der Pokémon.

Was ist Pokémon Go?
Pokémon Go ist ein kostenloses Spiel für Smartphones, bei dem die Spieler in der „realen Welt“ auf Monstersuche gehen. Über den GPS-Sensor weiß das Spiel, wo sich der Spieler gerade befindet und lässt an bestimmten Punkten wilde Pokémon auftauchen. Schaltet der Spieler die Kamera ein, sitzen Glumanda, Pikachu und Co. dann auf dem Bordstein, auf der Parkbank, im Bürostuhl und so weiter. Durch einen Wisch auf den unten angezeigten weiß-roten Ball kann man das Pokémon dann einfangen. Schwupps, schon hat man einen Monster-Eintrag mehr im Pokédex, eine Art Lexikon der entdeckten und gefangenen Pokémon. Der Clou: Der Spieler muss sich draußen in der realen Welt bewegen, um neue Pokémon zu entdecken. Von der Couch aus geht das nicht. Spazierengehen wird also auch bei kleinen und großen Faulpelzen plötzlich wieder cool – also schnell nochmal eine Runde durch die Nachbarschaft ziehen, vielleicht stößt man dabei ja doch nochmal auf ein Monster, das man noch nicht hat!?

Und was ist jetzt so toll daran?
Der Hype um das neue Smartphone-Spiel hat sicher viele Ursachen, eine davon ist ganz bestimmt die Nostalgie. Viele Spieler sind wohl in den 20ern oder frühen 30ern und fühlen sich durch das Pokémon-Thema an die eigene Kindheit und Jugend erinnert. Schließlich waren die Animationsserie und das Kartenspiel damals schon große Hits. Außerdem reizt das Spielkonzept: Eine Schatzsuche in der realen Welt – wie eine große Schnitzeljagd mit vielen Mitspielern! Auch die Verknüpfung von animierten Inhalten und realer Welt macht neugierig, sodass viele das Ganze zumindest einmal ausprobieren wollen. Und zuletzt spielt natürlich auch der Wettbewerbsaspekt eine große Rolle: Wer sammelt die meisten und seltensten Pokémon? Wer ist der beste Trainer und entscheidet die meisten Duelle für sich?


Pokémon Go spielen

Pokémon Go - so sieht das Spiel aus


© getty images
Wo ist der Haken?
So groß der Spielspaß auch ist, es gibt leider ein paar Haken, die die Spielfreude trüben könn(t)en. Seit dem offiziellen deutschen Startschuss für Pokémon Go am 13. Juli 2016 in den App-Stores müssen Sie sich zumindest keine Sorgen mehr um Viren und Trojaner bei der Installation des Spiels machen. Ein Problem allerdings bleibt: der Datenschutz. Damit das Spiel funktioniert, muss die GPS-Funktion (Standortfreigabe) aktiviert werden. Die Spielbetreiber können also jederzeit recht gut nachvollziehen, wo sich ein Spieler gerade aufhält. Außerdem sollten die Datenschutzbestimmungen aufmerksam gelesen werden, denn unter Umständen können die gesammelten Daten an Dritte weitergegeben werden.

Ein weiteres, wenn nicht sogar das größte Problem: Spielt man aktiv, ist man gezwungen, ständig auf das Display des Handys zu schauen. Die Gefahr ist groß, sich dadurch zu sehr von der Umwelt ablenken zu lassen. Im Straßenverkehr kann Pokémon Go zu gefährlichen Situationen führen, wenn der Spieler die reale Welt aus den Augen verliert.

Erste Beschwerden und Warnungen gibt es auch zu den sogenannten Poké-Stops. Das sind vorgegebene Bereiche, in denen Spieler Extras finden wie Pokébälle oder besondere Eier, aus denen später neue Pokémon schlüpfen. Einige dieser Stops befinden sich an unangebrachten Orten, wie Friedhöfen, Krankenhäusern, besonderen Denkmälern oder – aufgrund fehlerhafter GPS-Daten – auf Baustellen oder an anderen unerreichbaren Stellen. Spieler sollten hier natürlich den gesunden Menschenverstand einschalten und nicht gedankenverloren einfach überall auf Monsterjagd gehen. Zudem gab es in den USA bereits erste Fälle, in denen Gangs Pokémon-Spielern an besonders reizvollen Poké-Stops aufgelauert und sie ausgeraubt haben.

Zuletzt wäre noch die fehlende Kostenkontrolle zu kritisieren: Zwar ist das Spiel erstmal kostenlos, jedoch sind In-App-Käufe mit echtem Geld möglich, um zum Beispiel die Ausrüstung aufzubessern. Diese Funktion lässt sich im Spiel nicht unterbinden. Sollte Ihr Nachwuchs also spielen, klären Sie ihn darüber auf und treffen Sie klare Abmachungen. Übrigens ist das offizielle Alter zum Spielen 13 Jahre. Alle Kinder, die jünger sind, brauchen die Einwilligung der Eltern im Pokémon Trainer Club. Eine Kontrolle über das wahre Alter des Spielers erfolgt jedoch nicht. Zum Spielstart wird man lediglich gefragt, wann man Geburtstag hat – hier kann also relativ einfach manipuliert werden.

Der Medienratgeber "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht." gibt deshalb 5 Tipps für dem Umgang mit Pokémon Go:

Pokémon Go: "SCHAU HIN!" Tipps für Eltern
  • 1 / 5
    App prüfen

    Eltern sollten die Installation und Anmeldung im Spiel selbst vornehmen und vorher eingehend die Datenschutzbestimmungen und Altersempfehlungen studieren. Pokémon Go ist im Play Store mit 6 Jahren, im Apple App-Store mit 9+ eingestuft. Der Spielratgeber NRW empfiehlt das Spiel aufgrund von Kaufanreizen, technisch unbegrenzter Spielzeit, der Möglichkeit jedoch erst ab 12 Jahren. Gründe: Im Spiel gibt es Kaufanreize und die Möglichkeit, mit Fremden in Kontakt zu kommen. Außerdem werden persönliche Daten freigegeben und das Spiel lenkt von der realen Welt ab.

  • 2 / 5
    Datenschutz kritisch prüfen

    Bei Spielern unter 13 Jahren fordert das Spiel die Einrichtung eines Kontos im Pokémon Trainer Club durch ein Elternteil oder gesetzlichen Vertreter des Kindes. Dafür werden E-Mail-Adresse und Benutzername sowie Geburtsdatum abgefragt. Eltern können dann den Zugriff auf alle gespeicherten Daten (Standortdaten, Bewegungsprofile usw.) anfordern. Weil andere Spieler den Standort und Benutzernamen sehen können, sollten Sie unbedingt einen Namen auswählen, der nichts über einen persönlich verrät.

  • 3 / 5
    In-App-Käufe einschränken

    Das Spiel bietet In-App-Käufe, bei denen mit richtigem Geld bezahlt werden muss. Zwar kann man sich Upgrades mit etwas Geduld auch erspielen, doch schnell kann der Druck entstehen, richtiges Geld auszugeben um im Spiel schneller weiter zu kommen. Am besten deaktivieren Eltern diese Käufe (iOS) oder schützen sie per Passwort (Android).

  • 4 / 5
    Gemeinsam Spielzeit vereinbaren

    SCHAU HIN! rät, mit dem Kind feste Zeiten zu vereinbaren, die es mit den mobilen Geräten am Stück verbringt, etwa eine Stunde. Kommt es über die Festlegung der Spieldauer zum Streit, hilft es sachlich die Position zu erklären. Andere Tätigkeiten wie Hausaufgaben und Hobbys dürfen keinesfalls zu kurz kommen. Ein Kompromiss kann sein, Kinder eine gewisse Anzahl an Gegenständen sammeln zu lassen und somit nicht zum Spielverderber zu werden.

  • 5 / 5
    Sicher unterwegs sein

    Laut Medienberichten wurden in den USA Opfer zu Pokéstops gelockt und ausgeraubt. Es ist zu empfehlen, Kinder für Gefahren bei der Smartphone-Nutzung im Stadtverkehr zu sensibilisieren und das Spiel auf geschützte Flächen wie Parks und Spielplätze in der Nähe zu beschränken. Entfernte Pokéstops sollten nur in Begleitung aufgesucht werden. Abgesperrte Bereiche oder Privatgelände dürfen nicht betreten werden. Bei jüngeren Kindern sollten Sie den Bewegungsradius eingrenzen, also vereinbaren, dass es sich nur in Bereichen bewegen darf, die es schon kennt. Erklären Sie Ihrem Kind auch, dass das Spiel sehr viel Akku verbraucht. Wichtig ist, dass Kinder darauf achten, noch genügend Akku zu haben, um erreichbar zu sein oder in Notfällen anzurufen. 



Unser Fazit zu Pokémon Go

Nach dem ersten Ausprobieren haben wir den Hype um das Spiel verstanden. Es macht einfach wirklich Spaß, auch uns Erwachsenen noch – vorausgesetzt, es funktioniert. Leider hat unser Test-Handy immer wieder Probleme bei der GPS-Ortung und auch das Fangen der Pokémon mit angeschalteter Kamera funktioniert nicht immer. Zum Glück geht’s auch ohne Kamera und wir konnten schon die ersten Einträge in unseren Pokédex sammeln.

Allerdings sind wir schon sehr besorgt, was die Abgelenktheit durch das Spiel angeht. Seit gestern sieht man hier in der Großstadt noch mehr Menschen als sonst total vertieft auf ihr Smartphone starren, während sie taumelnd durch die Fußgängerzonen schleichen. Das nervt nicht nur die anderen Fußgänger, es sorgt auch für gefährliche Situationen im Straßenverkehr.

 Das könnte Sie interessieren: Smartphone, Tablet & Co

Eine Kindheit ohne digitale Medien? Kaum vorstellbar. Muss auch nicht sein! Aber welche Dosis Smartphone, Tablet, Computer & Co. ist für welches Alter okay?






mehr zum Thema
Unterhaltung spielen digital Testberichte Quatsch kontrovers Freizeit
Artikel kommentieren
Login