Potenzial der Kinder wird meist unterschätzt


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Talent und Potenzial der Kinder wird meist unterschätzt

Dr. Constanze Draper, die jüngst an einem sportlichen Talentprojekt in Hamburger Grundschulen gearbeitet hat, sagt: „Besonders gut ist, wenn Kinder voneinanderlernen können, etwa beim Mannschaftssport. Ich beobachte, dass das viel schneller funktioniert, als wenn wir ihnen etwas zeigen. Bei den jüngeren Kindern rate ich zum breiten Angebot, zu vielseitigen Bewegungsmöglichkeiten.“ Wir Erwachsenen, das hat Drapers Untersuchung gezeigt, neigen dazu, Talent und Potenzial eher zu unterschätzen. „Wir haben bei wirklich jedem Kind Fähigkeiten entdeckt, die sich entwickeln lassen. Eines ist gut in Koordination, das andere ist schnell. Es gibt Kinder, die werden bei Ballspielen als Letzte gewählt, weil sie darin nicht gerade großartig sind - aber wir sehen: Laufen geht gut, Springen geht gut. Dann ist unser Tipp: ,Versuch's doch mal mit Leichtathletik.'“ Natürlich gibt es auch immer wieder wirklich Hochbegabte. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass bei ihnen bestimmte Fähigkeiten weit überm Durchschnitt liegen - das entdecken sie oft selbst. Nicht immer ist das freilich so einfach wie bei Tibor Pleiß. Der 17-Jährige ist 2,13 Meter groß, wie Dirk Nowitzki, und sein Talent ist: Basketball. Er hat Hockey gespielt und Fußball, aber am Ende ging es mit voller Kraft an den Korb. Die Rolle der Eltern? Durststrecken überwinden helfen, den Glauben an sich selbst stützen, Mut machen. Neue Lockerheit bei Sport und Musik Zugegeben, Turnen und Musizieren haben ein Image-Problem: Zwang und Drill hat es gegeben, Steghosen und Hallen-Muff. Aber wer heute mit Kindern loszieht, um Sport-Spaß zu finden oder das Reich der Töne zu erkunden, der findet reichlich Freude und kaum noch tierischen Ernst. Es herrscht eine neue Lockerheit. Stefan Koelsch empfiehlt, Kindern freien Zugang zur Stereoanlage zu erlauben und sie auch alles anhören zu lassen, was sie mögen, ob Händel oder Heavy Metal. Denn die Forschung hat gezeigt, dass es dem Gehirn egal ist, woher es seine Rhythmen und Akkorde bekommt: Abwechslung und interessantes Spiel mit Klängen sind es, was es sucht. Selbst der „Mozart-Effekt“ ist mittlerweile wie so viele andere Theorien widerlegt: Der Salzburger Klassiker lässt Baby-Nervenzellen tatsächlich sprießen -allerdings auch nicht besser als Regenrauschen oder Hip-Hop. Erlaubt ist also, was gefällt. Es ist nicht entscheidend, ob ein Kind Lust hat, Konzertpianist zu werden oder Dudelsackpfeifer, Tennisprofi oder Eisstock-Schütze. Wichtig ist, dass Angebote da sind, an denen sich Talente entdecken lassen - am besten von den Kindern selbst. Sport macht schlank und schlau… …und es geht dabei um viel mehr als nur ums Gewinnen
  • Sport ist eine Lebensversicherung - und das steht nicht nur in Krankenkassenprospekten, es ist die einhellige Meinung aller Mediziner. Deswegen plagt Ärzte auch die Sorge über den von ihnen beobachteten Bewegungsmangel vieler Kinder: Wenn jemand, der als Baby locker die Zehen in den Mund stecken konnte, mit fünf Jahren bei der Rumpfbeuge nur noch bis zu den Knien kommt, dauert es bis zum Haltungsschaden nicht mehr lange. Die Liste der Wohltaten von Bewegung und Aktivität ist lang:

    Wer als Hänschen die Lust daran, die uns angeboren ist, nicht verloren hat, der freut sich auch als Hans an angemessen niedrigem Blutdruck, kann besser durchhalten und wird weniger von Verspannungen gezwackt - und ist nachweislich auch besser gerüstet gegen Stress und psychische Pein: Es ist sogar bewiesen, dass sportliche Anstrengung Schwermut bis hin zur Depression heilen kann.
  • Weitere Wohltaten, alle nachgewiesen: Die soziale Kompetenz wird durch Mannschaftssport besser gefördert als durch fast alles andere (das gemeinsame Musizieren ausdrücklich ausgenommen) - Teamgeist und die notwendige Abstimmung der Spieler untereinander lassen diese Form der Intelligenz reifen. Das ist gut fürs ganze Leben, denn hier wie dort wollen Zusammenhalt und Wettbewerb in Balance gebracht werden.
  • Und im Sport kann sich ein gesunder Ehrgeiz entwickeln: Es geht nicht darum, destruktiv zu sein, es geht darum, sich zu messen und dabei selbst zu wachsen. Dr. Rolf Geese, Sportwissenschaftler an der Uni Göttingen, betont, dass „ein durch Anstrengung und Beharrlichkeit erreichter Erfolg mehr Befriedigung verschafft als ein leicht erreichbarer“. Der Weg zu dieser Erfahrung bleibt offen, wenn wir die Lust des Kleinkindes an der Bewegung aktiv am Leben erhalten.