Pubertät und Schamgefühl: „Mama, Papa, Ihr seid sooo peinlich!“

Das Schreckgespenst Pubertät kennen alle, die typischen Nebenwirkungen erwischen Eltern trotzdem meistens kalt.


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Gerade eben hat Ihre Tochter noch hingebungsvoll mit Puppen gespielt und plötzlich steht sie stundenlang vor dem Spiegel und lackiert sich die Fingernägel schrillbunt. Als wäre es gestern, da war Papa der größte Held für Ihren Sohn und jetzt sperrt er die Tür zum Badezimmer zu. Auf einmal ist alles schrecklich, unterirdisch und unmöglich. Man kann es ihnen einfach nicht mehr recht machen. Egal ob es Papas Filzlatschen sind oder Mamas Lieblingsbluse, das universelle Urteil lautet: „Peinlich!“ 


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Doch was sind die Gründe? Und wann fängt es an, dass das eigene Kind sich für Sie schämt? Kinder wollen stets „dazugehören“ und fangen deshalb schon im Alter zwischen vier und zehn damit an, andere Kinder zu beobachten und sich zu merken, was ihre Altersgruppe blöd findet oder mag. Sie haben Angst, dass das vermeintlich peinliche oder andersartige Verhalten der Eltern in der Wahrnehmung der anderen Kinder auf sie selbst abfärben und damit ihre Zugehörigkeit zur Gruppe gefährden könnte. Alles, was nicht den Normvorstellungen der eigenen Altersgruppe entspricht, wird daher abgelehnt.

Pubertät und Schamgefühl


© Thinkstock
Beispielsweise empfinden Kinder es als Problem, wenn die eigene Mutter gern auffälligen roten Lippenstift trägt, während die anderen Mütter eher dezent geschminkt sind. Mit Beginn der Pubertät, im Alter von 10 bis 13 Jahren, rückt das Motiv der Gruppenzugehörigkeit in den Hintergrund. Wichtig ist jetzt, was die eigene Identitätsfindung unterstützt. Dabei hilft die Abgrenzung von den eigenen Eltern, von ihrem Verhalten, ihren Gewohnheiten oder ihrem Lebensmodell. Und dann werden eben Papas Filzlatschen und Mamas Lieblingsbluse zu Familienproblemen stilisiert und die Eltern als Vorbilder gründlich demontiert. 

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Fettnäpfe, wohin man schaut

Eltern empfinden diese plötzliche Ablehnung oft als Schlag ins Gesicht. Aber, so hart das klingt: Nehmen Sie es nicht persönlich, gönnen Sie Ihren Kindern das Gefühl, Sie „besiegt zu haben“. Nur so können Ihre Kinder später den für das Erwachsenwerden notwendigen Ablöseprozess vom Elternhaus bewältigen. Und der kann nur gelingen, wenn man sich als Jugendlicher nicht mehr vollständig mit dem Leben und Handeln der Eltern identifiziert. Es ist also völlig in Ordnung, wenn das Kinderzimmer bei Besuch von Freunden tabu ist und der Abschiedskuss vor der Schule plötzlich zum Drama wird. Schließlich gehört für Jugendliche auch Mut dazu, sich eine Privatsphäre zu erschaffen und die eigenen Eltern zu kritisieren. Pubertierende stellen die Beziehung zu Ihnen auf eine Zerreißprobe und vertrauen darauf, dass sie es aushält. Für Mama und Papa heißt das: Zurücktreten, sich in Toleranz üben, Geduld beweisen – aber ohne sich zu verbiegen!

von Evelyn Hosse




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