Sagt der Kot von Babys deren spätere Intelligenz voraus?

Neuen Studien zufolge sollten Eltern dem Kot ihres Nachwuchses in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken. Denn daran soll sich angeblich ablesen lassen, wie intelligent der Nachwuchs später mal wird.


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Unterschiedliche Studien mit Nagetieren haben bereits gezeigt, dass die Darmflora beeinflusst, wie sich das Gehirn entwickelt. Indem die Forscher das Mikrobiom manipulieren, können sie die Kommunikation der Tiere, ihre Experimentierfreudigkeit und ihre allgemeine kognitive Leistung verändern. Und diese Erkenntnisse beschränken sich nicht nur auf Nager: Auch beim Menschen gab es schon erste Untersuchungen, die unter die Lupe nahmen, wie die Bakterien, die in uns leben, unser Gehirn beeinflussen. Im Moment sind die Aussagen der Studien noch eher Spekulationen als verlässliche Daten, doch es wird mit Hochdruck über die Zusammenhänge zwischen Mikroorganismen und dem Gehirn geforscht.

Auch Rebecca Knickmeyer und ihr Team von der University of North Carolina in Chapel forschen in genau diese Richtung. Sie wollen herausfinden, ob die Vielfalt an Mikroorganismen in ihrer Darmflora etwas über die zukünftige Intelligenz von Kleinkindern aussagen könnte.


Kinderkot: Der neue Intelligenztest?

Kinderkot: Der neue Intelligenztest?


© iStock
Untersuchungsobjekt: Stuhlproben


Für ihre appetitliche Studie sammelten die Wissenschaftler 89 Stuhlproben von einjährigen Kindern und untersuchten deren mikrobielle Artenvielfalt. Je nach Zusammensetzung der Mikroben in ihrem Kot wurden die Kinder in drei Gruppen sortiert: Jene mit einem hohen Anteil an Bakterien der Gattung „Bacteroides“, jene mit besonders vielen Bakterien der Gruppe "Faecalibacterium" und jene einer noch namenlosen Gattung, die aus der Familie der "Ruminococcacaea" stammen.

Ein Jahr später wurden die jungen Teilnehmer der Studie einem Intelligenztest unterzogen, der grob erfassen sollte, wie weit die Kinder geistig schon waren. Getestet wurden die motorischen Fähigkeiten, der frühkindliche Spracherwerb und wie Gegenstände erkannt werden.

Das Ergebnis bestätigte die These der Forscher: Die Kinder aus der Bacteroides-Gruppe schnitten deutlich besser ab als die Teilnehmer der anderen beiden Gruppen. Die Faecalibacterium-Klasse landete auf dem letzten Platz.

Auch fanden die Forscher heraus, dass Kinder mit einer geringeren Mikrobiomvielfalt bezüglich ihrer Diversität den anderen Altersgenossen überlegen waren. Ein überraschendes Ergebnis. Denn bislang nahm man genau das Gegenteil an. Eine geringe Vielfalt der Darmflora hatten Forscher früher eher mit höheren Risiken für Diabetis Typ 1, Übergewicht oder Asthma in Verbindung gebracht.

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Für eine Schlagzeile reicht es

Der Schluss daraus scheint offensichtlich und viele Medien warben mit der Schlagzeile „Am Kot des Kindes lässt sich dessen spätere Intelligenz festmachen“. So einfach ist es jedoch nicht. Zuerst einmal ist die Probandenanzahl mit 89 Teilnehmern sehr gering. Bei solch einer kleinen Stichprobe lassen sich kaum verlässliche Schlüsse ziehen. Außerdem spielen bei solchen Mikrobiomanalysen immer Ursache und Wirkung eine große Rolle. Sind die Unterschiede im Mikrobiom die Ursache oder die Folgen des untersuchten Phänomens?

Auch hängen die unterschiedlichen Kotklassen mit dem äußeren Umfeld zusammen: Ethnie der Eltern, ob das Kind gestillt wird, wie es zur Welt kam, ob sich das Baby bei Erkundungstouren irgendwelche Gegenstände in den Mund steckt und so Bakterien aufnimmt etc. Des Weiteren ist auch noch nicht geklärt, wie die Darmflora überhaupt Einfluss auf das Gehirn nehmen kann. Knickmeyer fasst zusammen: "Im Großen und Ganzen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Beeinflussung des Mikrobioms zu Verbesserungen der kognitiven Entwicklung führen könnte und das Risiko für Entwicklungsstörung wie Autismus senken könnte.“ Sie fügt hinzu: „Wie wir die Entwicklung der Darmflora beeinflussen können, ist allerdings noch eine offene Frage.“

Also: Nicht gleich mit der vollen Windel des Nachwuchses ins nächste Labor rennen. Lieber die Entwicklung des Kleinen durch Bücher, Spiele und Aufmerksamkeit fördern. Außerdem: Wer will seinem Baby denn schon im Kleinkindalter diesen Konkurrenzkampf auferlegen?

von Nicole Metz




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