Die Schnullerfee kommt hier nicht rein!

Dem Kind das schnullerfreie Leben schmackhaft machen - in der Theorie einfach, in der Praxis nicht. Vor allem, wenn die Schnullerfee nicht zieht. Mama Nadja ist den "Lulli" trotzdem los geworden.


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Die Schnullerfee bekommt einen, aber nicht alle!



schnuller wegwerfen

Wenn er ihn doch endlich wegwerfen würde, den Nuckel!


© Thinkstock
Mein Sohn liebt seine Schnuller. Es ist wichtig, hier die Mehrzahl zu verwenden. Er besitzt sieben Stück und je nach Stimmungslage muss es entweder der mit den Sternen drauf sein, der gelbe mit dem Feuerwehrauto. Nein, doch lieber der blaue mit dem Roboter - wo ist der eigentlich? Manchmal krieche ich den halben Tag unter Betten und Sofas herum, kehre ein paar einsame Wollmäuse unter Kommoden hervor, durchwühle Lego- und Bastel-Kisten, nur um den richtigen Schnuller zu finden.

Bald wird der Sohn drei und ich weiß: Die Dinger müssen weg. Sieht mein Kind natürlich anders. Ich erzähle ihm von der Schnullerfee. "Die kommt, nimmt deine Schnuller mit und lässt dir ein Geschenk da! Ist das nicht toll?" Beeindruckt ihn jetzt nicht, er sagt: "Die kann einen Schnulli mitnehmen, aber nicht alle." Pause. "Bringt die ein großes Geschenk?" - "Ja. Aber sie nimmt alle Schnullis mit." - "Nein. Dann will ich auch kein Geschenk." Konsequent ist er ja.
Von Senf, Löchern und Schnullerbäumen

Ich befrage das Internet. Da schreiben Mütter ja auch rein, was sie sich auf dem Spielplatz nicht zu erzählen trauen. Zum Beispiel, dass man Senf auf den Schnuller schmieren soll. Oder Löcher in den Schnuller stechen, dann könne das Kind nicht mehr richtig daran saugen. Ich untersuche die „Lullis“, wie sie mein Sohn nennt, das Lieblings-Modell mit dem Feuerwehrauto hat bereits ein Loch, anscheinend saugt er nicht nur an seinen Schnullern, er zerkaut sie auch. Vom Schnullern an sich hält das Loch ihn nicht ab. Ich weiß: Hätten wir ihm den Schnuller nicht angewöhnt, müssten wir ihn jetzt auch nicht abgewöhnen. Ich höre mein früheres Ich solche Sätze sagen. Damals hatte ich nur ein Kind und das hasste alles, was auch nur entfernt nach Plastik-Sauger aussah. Einen Schnuller hat es nie in den Mund genommen. So toll ich es später fand, dass unsere Tochter nie einen Schnuller gebraucht hat, in so mancher ausgeprägter Schrei- oder Dauerstill-Phase habe ich ihn herbei gesehnt. Auch deshalb fanden wir Eltern es gut, dass Kind 2 gleich ein großer Schnuller-Freund war. Aus der Freundschaft wurde eine Obsession. Und die werden wir nun nicht mehr los.

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Die Zahnärztin rät zum „Schnullerbaum“ - alle Schnuller in einem Topf voller Blumenerde vergraben, heimlich ein paar Blumensamen darunter mischen und bis die aufgehen, hat das Kind längst vergessen, dass da mal Schnuller drin waren. Ich glaube, die Zahnärztin hat noch nie Bekanntschaft mit der unheimlichen Gedächtnisleistung eines Kleinkindes gemacht. Nie würde mein Sohn vergessen, dass wir da seine Schnuller vergraben haben! Mal abgesehen davon, dass er das gar nicht will. "Dann werden die ja dreckig", ist sein einziger Kommentar.


„Nie würde mein Sohn vergessen, dass wir da seine Schnuller vergraben haben! Mal abgesehen davon, dass er das gar nicht will. "Dann werden die ja dreckig", ist sein einziger Kommentar....”

von Nadja Katzenberger

Nächste Station, der Kinderarzt. "Mit bald drei Jahren sollte er wirklich ohne auskommen", sagt er und rät zum sanften Entzug. Beim Schlafen ist der Schnuller erlaubt, tagsüber nicht. Das funktioniert meist bis zum Nachmittag, dann verlangt das Kind lautstark nach dem "Lulli", vor allem, wenn es müde ist oder sich weh getan hat. Ich bleibe konsequent. Das Kind schreit. Ich tröste es. Ich halte das aus. Die große Schwester nicht. Sie geht in die Küche, holt einen Schnuller vom Regal und gibt ihm ihren Bruder. Für die Bruder-Schwester-Bindung war das sicher eine tolle Sache. Ich habe seinerzeit den Schnuller meines Bruders ins Klo geworfen und die Spülung gedrückt. Kalter Entzug. (Mittlerweile verstehen wir uns aber wieder ganz gut.)
Kalter Entzug dank dicker Lippe
Und dann stolpert mein wildes Kind im Treppenhaus, segelt auf dem Bauch vier Stufen hinunter und bremst mit dem Mund. Es blutet, die Lippe schwillt auf das zehnfache ihrer normalen Größe an, wir warten drei Stunden in der Notaufnahme. Die gute Nachricht: Es muss nicht genäht werden. Die schlechte: Dicke Lippe und Schnuller harmonieren so gar nicht. Das tut weh. Entsetzt schmeißt er den Schnuller weg. Das bringt mich auf eine Idee. Warum nicht die Gunst der Stunde nutzen? Warum nicht: Kalter Entzug?

Die ersten Tage waren schlimm. Ein aufgedrehtes Kind ohne Mittagsschlaf und Schnuller ist kein Spaß. Aber er rührt die Schnuller nicht an. Wir verabschieden sie feierlich, die Schnullerfee darf dann doch noch ein Geschenk bringen und von einem Tag auf den anderen ist die Schnulli-Obsession Geschichte. Den einst heiß geliebten Roboter-Schnulli habe ich gestern in einem meiner Stiefel wieder gefunden. Und ihn schnell zu seinen Kollegen gebracht. In die Mülltonne.

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