Schreiben lernen

Schreiben lernen ist eine große Herausforderung, die nicht erst in der Schule beginnt. Verschiedene Lernmethoden, unterschiedliche Schriftarten, dazu die Herausforderung der Feinmotorik. Hier erfahren Eltern, wie sie ihre Kinder beim Schreiben lernen unterstützen können.


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Das Schreiben lernen beginnt nicht erst in der ersten Klasse, sondern schon viel früher. Und der Prozess von den ersten Krakeleien bis zu einer schönen Schrift, die ganz automatisch zu Papier gebracht wird, ist nicht so leicht wie wir Erwachsenen ihn uns vorstellen. Das zu wissen, sind zwei wichtige Bausteine beim Schreiben lernen.



© iStock
Spielerisch schreiben lernen


Oft interessieren sich schon Kindergartenkinder für die geheimnisvolle Welt der Buchstaben. Ihren Namen zu kritzeln, das haben sie sich schnell selbst beigebracht – viele üben dann aus eigenem Antrieb weiter. Nach einem kurzen Moment des Stolzes fragen sich Eltern schnell: Ist das gut? Sollen wir die Schreibversuche der Kleinen befördern - oder sie in ihrem Eifer lieber bremsen?
Wichtig zu wissen: Befördern ist nicht notwendig, Schreiben lernen die Kinder in der Grundschule. Und dann pädagogisch korrekt und mit genug Zeit zum Üben. Wenn Ihr Kind schon vor dem Schulstart üben möchte, gelten folgende "Regeln":

Tipps fürs Schreiben lernen
  • 1 / 5

    Schreiben Sie ihm die Worte, die es lernen will, vor.

  • 2 / 5

    Wenn Sie die Buchstaben benennen, nennen Sie unbedingt den korrekten Buchstabenlaut: Also "k" statt "ka".

  • 3 / 5

    Korrigieren Sie Ihr Kind nicht.

  • 4 / 5

    Ein nützlicher Hinweis, damit Ihr Kind sich beim richtigen Schreiben lernen nicht total umgewöhnen muss: Wir schreiben die Buchstaben in der Regel von oben nach unten – und von links nach rechts.

  • 5 / 5

    Wenn Ihr Kind das Interesse an der Schrift wieder verliert: Drängen Sie es nicht! Alles, was vor der Schule passiert, sollte aus freien Stücken passieren.


 Im Anfangsstadium sind exakte Buchstaben und die richtige Schreibweise noch unwichtig. Oft werden Sie die Buchstaben-Ansammlung auf dem Papier Ihres Kindergartenkindes gar nicht entziffern können. Macht nichts!

Poster von byGraziela


Was Ihrem Kind als Dekoration fürs Kinderzimmer sicher gefällt, ist ein Anlautposter. Ganz nebenbei werden hier die korrekten Anlaute trainiert.

Motorik-Übungen für den Alltag


Von Anfang an wichtig: Eine gute Schreib- und Mal-Motorik mit flüssigen, unverkrampften Bewegungen. Wer das schon vor dem Schulstart ein bisschen trainiert hat, tut sich mit dem Schreiben lernen deutlich leichter. Deshalb sollten statt ersten Buchstaben geübt lieber mit spaßigen Schwungübungen trainiert werden – aber auch nur, solange Ihr Junior mit Freude bei der Sache ist. Hierfür gibt es im Buchhandel zahlreiche Übungshefte für alle Altersstufen und Geschmäcker. Ebenfalls hilfreich: Viele unterschiedliche Bewegungen für die kleinen Hände. Von Teig oder Knete kneten über Karotten schälen bis hin zum Bestreichen des Frühstückbrots – all das ist gut für die Motorik.

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Linkshänder zu sein, bedeutet so viel mehr, als nur die linke Hand beim Schreiben zu bevorzugen. Wie Sie Ihren kleinen Linkshänder fördern können.


Wichtig für die Schreibmotorik


Das richtige Schreibmaterial

Für die kleinen Hände sind dicke dreieckige, Blei- und Buntstifte am besten geeignet. Sie gibt es mit Griffnoppen, Einkerbungen oder einem Abrutsch-Schutz. Welche Stifte Ihrem Kind am besten taugen, müssen Sie einfach ausprobieren. Ab der zweiten Klasse macht die dünne Stiftvariante meist mehr Sinn. Bei Bleistiften sind Minen in HB, B oder 2B üblich, oft schreiben die Lehrer auf ihre Materialliste, welche Stifte sie bevorzugen. Wer Probleme mit der Stifthaltung hat: Im Schreibwarenhandel gibt es Aufsätze, die die richtige Haltung unterstützen.
Wenn Sie merken, dass Ihr Kind größere Probleme mit der Stifthaltung hat, sprechen Sie die Lehrerin darauf an. Im Zweifel können einige Stunden Ergotherapie und gezieltes Üben zu Hause hier kleine Wunder bewirken.
Viel diskutiert: Welche Schreibmethode macht am meisten Sinn?
Fibelbasierter Unterricht
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Mit Hilfe eines Buches wird das Alphabet Buchstabe für Buchstabe erarbeitet. Diese Buchstaben setzen die Schüler dann nach und nach zusammen. Begonnen wird mit einfachen Worten, die so geschrieben werden wie sie gesprochen werden: Tisch, Hund, Weg. Rechtschreibfehler werden bei dieser Methode von Anfang an korrigiert.

Freies Schreiben, bzw. Lesen durch Schreiben:
Schreibanfänger suchen sich die Buchstaben in einer bebilderten Schreibtabelle, der sogenannten Anlauttabelle, und „basteln“ sich so schnell erste Wörter und Sätze zusammen. Das kann dann allerdings auch mal so ausschauen: Di Mutta get mit iren kindan zum beka. Das Geheimnis der erfolgreichen Arbeit mit der Anlauttabelle lautet: Die Kinder erstmal drauf los schreiben lernen, wenn sie Fehler machen: egal! Das fördert die Begeisterung fürs Schreiben – und die Kleinen sind stolz, wenn sie schon vor Weihnachten in der ersten Klasse eigene kleine Geschichten aufs Papier bringen.

Bei der Anlauttabelle handelt es sich um eine Tabelle mit Buchstaben und Bildern. Neben jedem Buchstaben, bzw. Laut ist das passende Bild zu finden. Hier zu bestellen: www.finken.de/anlauttabelle.html


© Finken-Verlag
Ab der zweiten Klasse lautet die Herausforderung für die Lehrerin allerdings: Nach und nach muss strenger korrigiert, bestimmte Lernwörter müssen geübt werden. Nur so wird den Kinder klar, dass "er kannte" von "kennen" kommt und im Gegensatz zu "die Kante" mit zwei "n" geschrieben wird.
Die gute Mischung macht’s!
Studien belegen: Die "Lesen durch Schreiben"-Methode führt zu einem besseren Ausdruck und lebendigeren Texten – aber auch zu mehr Fehlern. Was auch daran liegt, dass in der Grundschule heute weniger Zeit fürs Rechtschreibtraining bleibt als noch vor einigen Jahren. Zugunsten von Englisch und mehr Projektarbeit hat sich hier die Gewichtung der Lerninhalte verschoben. Die Systeme, nach denen unterrichtet wird, sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Genauso unterscheiden sie sich von Schule zu Schule, ja manchmal von Lehrer zu Lehrer. Denn: Den Königsweg gibt es, wie so oft im Leben, auch hier nicht.

An der Mehrzahl der Grundschulen wird inzwischen mit einer Mischform aus den unterschiedlichen Methoden unterrichtet. Die meisten Fibeln arbeiten mit einer Anlauttabelle.  Und die Lehrer setzen spezielle Übungshefte ein, um das Schreiben möglichst vielseitig zu lehren.
Von der Lateinischen Ausgangsschrift zur Grundschrift
Umfragen zeigen: Immer mehr Kinder haben Probleme mit dem Schreiben. Den einen tut die Hand schnell weh, die anderen schreiben langsam und nicht flüssig. An den weiterführenden Schulen beklagen Lehrer die unleserliche Handschrift ihrer Schüler. Auf dieses (internationale) Problem reagieren die Länder unterschiedlich: In Finnland lernen die Kinder keine Schreibschrift mehr, stattdessen üben sie neben der Druckschrift direkt das Tippen am Computer. Klingt in Zeiten, in denen man (zumindest ab dem Erwachsenenalter) den Stift nur noch für die Einkaufsliste und Geburtstagskarten zur Hand nimmt, zwar logisch. Wäre da nicht das Wissen um den Zusammenhang zwischen Schreiben und Lernen: Wer mit der Hand Informationen niederschreibt, kann sich das Geschriebene nachher deutlich leichter merken. In Deutschland heißt die neueste Idee: Grundschrift.

Über die Methode des Schreiben Lernens wird viel diskutiert – nicht minder aber über die Schreibweise. Für Sie ein kleiner Überblick:

Lateinische Ausgangsschrift (LA): Seit 1953 unterrichtet, feinmotorisch die höchste Herausforderung.
Vereinfachte Ausgangsschrift (VA): Anfang der 70er Jahre entwickelt, Annäherung der Großbuchstaben an Druckbuchstaben, weniger Wechsel der Schreibrichtung.
Schulausgangsschrift (SAS): vereinfachte Form der Lateinischen Ausgangsschrift, 1964 in der DDR eingeführt und dort verbindlich geltend.
Grundschrift (GS): Druckschrift aus Einzelbuchstaben mit Häkchen, wie die Kinder die Buchstaben verbinden, dürfen sie selbst entscheiden, wird vom Deutschen Grundschulverband propagiert.

LA = Lateinische Ausgangsschrift / SAS = Schulausgangsschrift / VA = Vereinfachte Ausgangsschrif t/ GS = Grundschrift


© www.handschrift-schreibschrift.de
Vor einigen Jahrzehnten wurde die Schreibschrift als Erstschrift, dann die Druckschrift als Zweitschrift gelehrt. Dann gab es eine Methodenumkehr: Erst die Druckschrift, dann die Schreibschrift. Momentan plädieren viele Pädagogen für die "Grundschrift" als Art verbundene Druckschrift.

Grundschrift-Befürworter argumentieren, dass es unnötig schwer sei, zwei Schriften zu lernen. Eine (die Grundschrift) genüge, auch aus ihr würde sich automatisch die persönliche Handschrift entwickeln. Grundschrift-Gegner verweisen auf eine Studie aus Kanada, die gezeigt hat, dass der Lernzuwachs bei der Schreibweise mit einer Schreibschrift größer sind als bei Druckschrift oder einer Mischform aus Druck- und Schreibschrift. Ein weiteres Argument: Viele Kinder sind von der kreativen Freiheit überfordert, sich selbst zu überlegen, wie sie welche Buchstaben miteinander verbinden. Leserliches Schreiben in einem guten Tempo wird damit zum Problem. Fakt ist: Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, welche Methode die beste ist, gibt es bislang nicht.
Insofern lautet unser Tipp für alle Eltern: Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder möglichst flüssig und mit automatisierten Bewegungen schreiben.
Schreiben lernen = Schreiben üben
Egal, welche Schrift an den Schulen gelehrt wird: Wichtig ist Übung, Übung und nochmals Übung. Schwünge, Wörter, Sätze, Texte – eine ordentliche Schrift kann nur entstehen, wenn sie automatisiert und mit dem richtigen Schwung aufs Papier gebracht wird.
 
Buchtipp:
Die neue Heftreihe von STABILO Education unterstützt mit acht innovativen Übungsheften Kinder zwischen vier und acht Jahren dabei, ihre Schreibmotorik zu trainieren. Vier Hefte sind für Vorschulkinder konzipiert, vier Hefte für Grundschulkinder in der 1. und 2. Klasse. Die Themen für beide Altersgruppen lauten: Druck dosieren, Tempo variieren, Form üben und Rhythmus finden. Die Übungen sind allesamt abwechslungsreich und lassen sich ohne großen Zeitaufwand in den Alltag integrieren.
Hier haben wir ein kleines Appetit-Häppchen für Sie: Gratis Download des Minihefts "Schreibmotorik".  

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