
Kinder und Eltern sind gespannt auf die erste Lehrerin - warum sie für den Lernerfolg und die Entwicklung Ihres Kindes so wichtig ist und was Sie für eine gute Beziehung zwischen Ihrem Kind und der Lehrerin tun können
Der Einfluss der ersten Lehrerin (90 Prozent aller Grundschullehrer sind mittlerweile Frauen) scheint grenzenlos: „Wenn die erste Lehrerin sagt, der Ball sei eckig, dann haben andere mit ihrer Behauptung, der Ball sei rund, keine Chance mehr“, beschreibt der Hamburger Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck die Bereitschaft der kleinen Abc-Schützen, ihrer Lehrerin unbedingtes Vertrauen entgegenzubringen. Die Liebe und Begeisterung für sie lässt Kinder anfänglich fast ausschließlich für „ihre“ Lehrerin lernen - eine Motivation, die sich aus dem sehr gefühlsbetonten und persönlichen Verhältnis zwischen Schulanfängern und erster Lehrerin erklärt. Nahezu rückhaltlos akzeptieren sie sie als unbestreitbare Autorität und lassen sich von ihr ins neue, unsichere Umfeld Schule einführen.
„Indem sie das Interesse für Vorgänge in der Natur oder am Himmel weckt, kann die erste Lehrerin nicht nur schullaufbahn-, sondern sogar berufsentscheidend sein“, so Peter Struck die Bedeutung der ersten Lehrerin. „Wenn die Lehrerin es schafft, Erfolge beim ersten Lernen zu organisieren und diese Erfolge mit positiver Resonanz verstärkt, dann bekommt das Kind Lernmut und Motivation. Und dann bleibt der Spaß am Lernen meist auch über die gesamte Grundschulzeit erhalten“, sagt der Familie&Co-Experte.
Die erste Lehrerin muss dem Kind auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten vermitteln, angstfreies Lernen ermöglichen und mehr das Bemühen als die Ergebnisse loben. „Zentral für den pädagogischen Erfolg der ersten Lehrerin ist ihr Umgang mit Fehlern“, betont Peter Struck und weist auf Erkenntnisse von Psychologen und Hirnforschern hin. Die plädieren nämlich schon lange für die Methode „Lob des Fehlers“. Im Kern bedeutet sie nichts anderes, als Kinder über Um- und Irrwege lernen zu lassen und sich mit ihnen über die aus Fehlern gewonnenen Einsichten zu freuen.
Ein Beispiel: Sandro schreibt Reise statt Riese. Statt ihm den Fehler dick anzukreiden und dazu ein böses Gesicht zu machen, sagt die Lehrerin: „Du hast alle Buchstaben richtig geschrieben, das ist fein; aber zwei Buchstaben hast du vertauscht.“ So bekommt Sandro den Fehler wahrscheinlich selbst oder mit Hilfe seiner Banknachbarin Katja heraus. Wichtig ist, dass er ohne Beschämung und Niederlage aus seinen Fehlern lernt und so Zutrauen in die eigene Lernfähigkeit gewinnt.

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