„Für die meisten Kinder sind Hausaufgaben nur eine lästige Pflicht“, sagt die Frankfurter Grundschullehrerin Angelika Scholz – und nennt drei Gründe, warum sie dennoch nötig sind: „Erstens dienen sie dazu, das im Unterricht Erarbeitete zu üben, einzuprägen und anzuwenden. Zweitens geben Hausaufgaben Auskunft darüber, was das Kind verstanden hat und schon kann bzw. wo noch Lücken bestehen. Drittens erfüllen Schulaufgaben den pädagogischen Zweck, die Kinder an das regelmäßige, selbstständige und strukturierte Arbeiten zu gewöhnen.“
Doch gerade mit Letzterem haben viele Schüler Probleme – weshalb, besonders bei Schulanfängern, die Hilfe und Unterstützung der Eltern gefragt ist. Zwar heißt es in den Schulgesetzen der Länder, dass Hausaufgaben grundsätzlich so beschaffen sein müssen, dass Kinder sie auch ohne Unterstützung ihrer Eltern erledigen können, doch ist längst nicht jeder Schüler dazu von Anfang an in der Lage.
Das Problem: Alle Kinder einer Klasse müssen ohne Rücksicht auf ihr individuelles Motivations- und Leistungsniveau die gleichen Schularbeiten machen. „Würden die Hausaufgaben auf den einzelnen Schüler zugeschnitten, hätte das nicht nur einen Leistungszuwachs zur Folge, sondern wir würden das Kind auch viel stärker zu selbstreguliertem Arbeiten anregen“, sagt der Bildungsforscher Ulrich Trautwein.
Obwohl Hausaufgaben in der Praxis nach Schema F vergeben werden und die Hilfe der Eltern oft unumgänglich ist, rät Trautwein zur Zurückhaltung: „Eltern sollten sich nicht zu sehr in die Hausaufgabenerledigung einmischen“, lautet sein Rat. „Das ist ein bisschen wie bei Medikamenten: Wird kurzfristig interveniert, ist das sinnvoll. Langfristige Interventionen dagegen führen zur Abhängigkeit“, argumentiert der Lernexperte. Sein Fazit: „Wiederholte unangeforderte Hilfe ist schädlich. Eltern können ihren Kindern oft am meisten helfen, indem sie nicht helfen.“
Was aber, wenn das Kind aus nachvollziehbaren Gründen doch um Unterstützung bittet – etwa, weil es die Fragestellung nicht verstanden hat? „Dann sollten Eltern genau hinschauen, wo das Problem liegt – und nach dem Prinzip der minimalen Hilfe ihre Unterstützung anbieten“, rät der Hamburger Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck. „Die Kunst des Helfens besteht darin, dem Kind in bestimmten Situationen ganz gezielt zur Seite zu stehen – und das mit sparsamsten Mitteln“, sagt der Familie&Co-Experte.

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