So bereiten Sie Ihr Kind ideal auf den Schuleintritt vor

Mit dem Schuleintritt beginnt für Kinder eine Zeit der großen Veränderungen. Eine Grundschulpädagogin erklärt, wie Sie Ihr Kind auf die Herausforderung "Schule" vorbereiten können.


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Kleines Mädchen übt Schreiben


© iStock
Die Einschulung ist für Kinder ein großer Schritt. Gleich mit dem ersten Schultag wird sich sein Alltag grundlegend verändern. Besonders in der Anfangsphase ist diese Umstellung nicht immer leicht, macht manchmal sogar traurig. „Die Einschulung ist für Kinder immer auch mit Verlust verbunden: der Verlust alter Freunde aber vor allem der Verlust der Erzieherin“, sagt die Grundschulpädagogin Sabine Martschinke von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Hinzu kommt ein neuer Tagesablauf mit neuen Regeln und Pflichten. Ganz schön viel, was auf die kleinen ABC-Schützen da einprasselt. Klar, dass wir als Eltern unsere „Kleinen“ dabei nach Kräften unterstützen wollen. Eine gute Vorbereitung ist daher alles, oder?
Vorbereitung ist wichtig, aber bitte richtig

Über Kindergartenflure, Spielplatzrasen und Kaffeetische wabert immer noch die Binsenweisheit „früh übt sich“. Und so wird allzu oft  - als vermeintliche Vorbereitung auf die Schule - schon früh mit dem Lesen- und Schreibenlernen begonnen. Das mag auch für einige wissbegierige Kinder passend sein. Aber im Grunde ist das nicht die Vorbereitung, die Kinder brauchen. Die Grundschulpädagogin rät dazu, sich von dieser primär leistungsorientierten Sichtweise zu verabschieden. Viel entscheidender für einen erfolgreichen Schulstart sei es, dass Kinder eine starke Persönlichkeit besitzen. Eine starke Persönlichkeit, das ist laut Martschinke ein ausgewogener Dreiklang aus folgenden drei Kernkompetenzen:

emotionale Kompetenzen: Kinder können Mitgefühl und Empathie zeigen, sie können ihre eigenen Gefühle ausdrücken aber auch regulieren.
personale Kompetenzen: Kinder haben ein gesundes Selbstbewusstsein, nehmen sich selbst positiv wahr und trauen sich zu, neue Aufgaben zu bewältigen.
soziale Kompetenzen: Kinder können auch Konflikte selbstständig bewältigen, sie können Hilfe annehmen aber auch selbst weiterhelfen.

Sind diese Kompetenzen bei einem Kind stark ausgeprägt, so wird es weniger Probleme haben, die neuen Herausforderungen der Schule zu meistern. Damit ein guter Schulstart gelingt, geht es also darum, Kinder in ihrer Persönlichkeistentwicklung gezielt zu unterstützen und zu fördern. Mit diesem Ziel haben Martschinke und ihre Kollegin Angela Frank ein Förder-Programm für Kindergarten- bzw. Schulkinder erarbeitet. Dabei werden spielerisch die angesprochenen Kernkompetenzen trainiert. So wird zum Beispiel durch den Einsatz von Rollenspielen die Fähigkeit zur Konfliktlösung geschult. Das Besondere an diesem Programm ist, dass es im Kindergarten beginnt und erst in der Schule endet. Erzieher und Lehrer arbeiten dafür eng zusammen, um die Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Mehr Infos zum Projekt
  • 1 / 5
    Projektleitung

    Angeregt und geplant wurde das Projekt "Starke Kinder haben einen starken Anfang" von den Pädagoginnen Sabine Martschinke und Angela Frank von der von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

  • 2 / 5
    Zielsetzung

    Ziel des Projekts ist es, Kinder beim Aufbau emotionaler, personaler und sozialer Kompetenzen zu unterstützen. Dadurch soll ihnen dabei geholfen werden, den Schuleintritt erfolgreich zu bewältigen.

  • 3 / 5
    Inhalte

    Das Projekt ist aus zwei inhaltlich und konzeptionell aufeinander abgestimmte Fördermaßnahmen aufgebaut. Teil eins der Maßnahmen findet noch im Kindergarten statt, Teil zwei im Anfangsunterricht der Grundschule.

  • 4 / 5
    Umsetzung

    Zentraler Bestandteil der Fördermaßnahmen sind das Bilderbuch "Bertram Blaubauch" für den Kindergarten und "Starke Reise" für die Grundschule. In je zehn Lerneinheiten von 60 Minuten (Kindergarten) bzw. 90 Minuten (Grundschule) sollen spielerisch die Kernkompetenzen geschult werden.  

  • 5 / 5
    Mehr Infos

    ➤ Buchtipp: Martschinke, S. & Frank, A. (2015). Eine starke Reise mit der Klasse. „Starke Kinder“ in der Grundschule – ein Programm zur Persönlichkeitsförderung. Donauwörth: Auer Verlag.

    Deutscher Bildungsserver: Übergang Kindergarten - Grundschule



So können Eltern Ihre Kinder unterstützen

Aber auch Eltern können, ja, müssen ihren Beitrag dazu leisten. Doch das fällt vielen Eltern gar nicht so einfach. Loslassen ist das Stichwort. Denn damit können Sie Ihr Kind bei seiner Persönlichkeitsentwicklung am besten unterstützen. Ihr Kind muss mit der Gewissheit in die Schule gehen, dass es auch ohne Ihre direkte Hilfe zurechtkommt. Das beginnt schon damit, den Schulweg selbstständig zu bewältigen oder den Schulranzen eigenverantwortlich zu packen. Natürlich ist nicht jedes Kind gleich und der eine oder andere ABC-Schütze braucht zunächst noch mehr Unterstützung von seinen Eltern. Wichtig ist es, zu erkennen, wann die Hilfe nicht mehr notwendig ist. Das ist Ihre Aufgabe als Eltern. Die Einschulung bringt also nicht nur für die Kinder eine große Veränderungen mit sich, auch für die Eltern beginnt einen Zeit der Umstellung. Sie müssen ihre Eltern-Rolle neu überdenken und akzeptieren, dass ihr Kind immer selbstständiger wird. Ebenfalls sollten Sie darauf achten, Ihren Kindern einen „angstfreien Start“ zu ermöglichen, rät die Pädagogin. Das bedeutet konkret: Floskeln wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ oder „Du musst immer schön fleißig sein, sonst kann aus die nichts werden“, haben absolutes Hausverbot. Achten Sie darauf, die Schule als etwas Positives und Spannendes darzustellen. Versuchen Sie zu vermitteln, dass Lernen Spaß macht aber auch manchmal anstrengend sein kann. Verklären Sie also nicht sondern sprechen Sie mit Ihren Kindern ehrlich – schließlich gehören die jetzt schon zu den Großen. Martschinke: „Es ist ganz entscheidend, dass Kinder die Schule von Beginn an als etwas Positives wahrnehmen.“ Der Knackpunkt auch für die weitere schulische Laufbahn. Denn „hat sich erst ein negatives Bild von der Schule gefestigt, kann ein Teufelskreis aus Misserfolgen, Frustration und Angst entstehen“, so die Pädagogin weiter. 
Zeit loszulassen

Natürlich dürfen Sie trotzdem ABC- oder Rechenspiele mit Ihren Kindergartenkindern spielen. Übertreiben Sie es aber bitte nicht. Schließlich soll auch noch ein bisschen Neugierde auf die Schule übrig bleiben. Konzentrieren Sie sich doch auch auf Ihre Vorbereitung und trainieren Sie das Loslassen. Dann fällt es auch leichter, wenn der große Tag gekommen ist. 

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