Vor dem Eintritt in die Kita ist sichere Bindung an Eltern wichtig

Viele Eltern fürchten eine Bindungsstörung, wenn Sie Ihr Baby in die regelmäßige Fürsorge einer andere Person geben. Damit dies nicht geschieht, ist eines wichtig: eine sichere Bindung an die Eltern.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Vor dem Eintritt in die Kita ist sichere Bindung an Eltern wichtig


„Fremdbetreuung - wie das schon klingt“, sagt Sigrid Diebold, die Leiterin der Kindertagesstätte Vauban in Freiburg und fasst damit das Widerstreben vieler Mütter und Väter zusammen, ihre Kinder für einige Stunden in die Hände erfahrener Erzieher zu geben. Hauptbefürchtung vieler Eltern: Die Mutter-Bindung des Kindes könnte durch eine zusätzliche Betreuungsperson gestört werden, das Kind emotional verarmen und es im schlimmsten Fall zu einem halt- und bindungslosen Menschen heranwachsen lassen. Nichts davon hat die Säuglingsforschung bestätigt - im Gegenteil: Die meisten Babys sind schon sehr früh in der Lage, unterschiedlich intensive Beziehungen zu anderen Menschen zu unterhalten, ohne dass es ihre emotionale Stabilität beeinträchtigt. Voraussetzung: Eine sichere Bindung des Kindes an Mutter oder Vater.


 Das könnte Sie interessieren: Bonding

Bonding heißt, eine Beziehung zueinander aufzubauen. Warum das für Eltern und Kind so wichtig ist und welche Rolle das Geburtserlebnis dabei spielt.


Riskant ist nach Ansicht von Experten die Betreuung von Säuglingen in Krippen, die für die Bedürfnisse von unter Einjährigen nicht eingerichtet sind - was leider nicht selten vorkommt. „Erfüllen die Einrichtungen aber hohe Qualitätsstandards“, sagt Kornelia Schlosser, Expertin für Vorschulerziehung am Deutschen Jugendinstitut, „haben Kinder dort bessere Entwicklungschancen, als wenn sie ausschließlich zu Hause aufwachsen

Nicht weniger wichtig: Dass ein weicher Übergang des Kindes aus der vertrauten, familiären Lebenswelt in die Gemeinschaft vieler und zunächst fremder Kinder und Erwachsener gewährleistet ist. Dabei müssen die Gefühle, das Temperament und der Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigt werden. Der Kinderpsychologe Prof. Kuno Beller hat dafür das so genannte Berliner Modell entwickelt. Verläuft sie derart einfühlsam, geht die Eingewöhnung zur Verwunderung vieler Eltern meist unkompliziert über die Bühne. „Das liegt auch daran, dass die meisten Kinder erst mit zweieinhalb Jahren ein Ich-Bewusstsein und damit eine Scheu gegenüber fremden Menschen entwickeln. Bis dahin fühlen sich die Kleinen überall wohl, wo es ihnen gut geht“, sagt Vera Schickler, Leiterin der Waldorf-Kinderkrippe Sieben Zwerge in Freiburg, in der auch Einjährige betreut werden.

Auch immer mehr alternative Einrichtungen wie etwa Waldorf-Kindergräten und Montessori-Kindergärten, die sich den Bedürfnissen und der Entwicklung des Kindes besonders verpflichtet fühlen, widmen sich der außerfamiliären Erziehung von Kindern unter drei Jahren. Das widerlegt das Vorurteil, die institutionelle Kleinkindbetreuung sei eine minderwertige und der Familie unterlegene Form erzieherischer Zuwendung.   


mehr zum Thema
Kinderbetreuung