Kleinen Linkshändern das Leben leichter machen

Weltweit sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung Linkshänder – so die offiziellen Statistiken. In Wirklichkeit sind es wohl einige Menschen mehr, denn noch lange wurden Linkshänder zu Rechtshändern umerzogen. Heute weiß man: Das bringt nur Probleme. Besser ist es, Linkshänder von klein auf richtig zu fördern.


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Rechts- oder Linkshänder, das ist keine Erziehungssache sondern Veranlagung. Bei jedem Menschen dominiert eine der beiden Hirnhälften. Bei den Rechtshändern ist es die linke und bei Linkshändern die rechte Hirnhälfte. Warum das so ist, ist den Wissenschaftlern bis heute noch nicht ganz klar. Es gibt jedoch Vermutungen, dass zumindest die Tendenz zur Linkshändigkeit vererbt wird. Was man heute jedoch mit großer Sicherheit weiß: Linkshänder umzuerziehen schadet ihnen mehr als es ihnen nutzt. Denn Linkshändigkeit bedeutet nicht bloß die linke Hand lieber zu nutzen, sondern Linkshänder „funktionieren“ ganz einfach anders als Rechtshänder.

Linkshänder denken anders


Linkshänder nehmen aufgrund der Dominanz der rechten Hirnhälfte die Umwelt anders wahr und verarbeiten Reize anders als Rechtshänder. Das äußert sich jedoch nicht unbedingt in der Intelligenz. Studien konnten bisher nicht nachweisen, dass Linkshänder in irgendeiner Art intelligenter oder weniger intelligent sind als Rechtshänder. Es gibt lediglich Hinweise darauf, dass das Hirn von Linkshändern eine andere Struktur und Vernetzung aufweist als das von Rechtshändern. Genauere Einzelheiten dazu sind allerdings noch nicht bekannt.

Linkshänder: Mädchen malt mit linker Hand


© iStock
Die Händigkeit ist aber auf jeden Fall angeboren und kann nicht einfach umerzogen werden. Experten warnen ausdrücklich davor, Linkshänder zu Rechtshändern umzuerziehen. Umgeschulte Linkshänder haben häufig ihr Leben lang Probleme wie Konzentrations- und Sprachstörungen, Lernschwierigkeiten, Gedächtnisschwäche oder feinmotorische Störungen. Und das ist auch kein Wunder, denn schließlich versuchen sie ja gegen ihre natürliche „Funktionsweise“, gegen ihr Gehirn zu arbeiten. 
Kleine Linkshänder in der Schule
Mit dem Wissen, dass Linkshänder anders wahrnehmen und denken, lässt es sich gut nachvollziehen, warum sie als Schulanfänger ab und zu Probleme beim Lesen und Schreiben haben. Eine Theorie besagt, dass ihre natürliche Blickrichtung von rechts nach links geht – also genau entgegengesetzt unserer westlichen Schreibweise. Buchstabenverdreher können da schon mal vorkommen. Das legt sich aber in der Regel schnell, sobald das Lesen und Schreiben insgesamt sicherer wird.

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Häufig zu beobachten ist auch, dass linkshändige ABC-Schützen Buchstaben von rechts nach links schreiben, sagt Dr. Johanna Barbara Sattler, Leiterin der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder e.V. Wichtig sei es, so die Psychologin, dass diese Fehler liebevoll von Anfang an berichtigt werden – bestenfalls schon beim Nachschreiben der ersten Buchstaben im Kindergartenalter: „Sonst eignen sich die Kinder das Buchstabenschreiben falsch an. Wenn sie dann in die Schule kommen und stolz sind, schon ein bisschen schreiben zu können, ist der Frust natürlich groß, wenn sie genau das plötzlich anders machen sollen.“ Deshalb zögern Sie nicht und zeigen Sie Ihrem Nachwuchs von Anfang an, wie es richtig geht – natürlich nur, wenn er überhaupt schon Interesse am Schreiben hat. Bitten Sie auch die Erzieher in der Kita darum, Ihr Kind beim spielerischen Buchstabenschreiben gegebenenfalls zu korrigieren.

Beim Schreiben selbst ist es wichtig, dass nicht von oben geschrieben wird, sodass die Hand abknickt. Ergonomischer schreibt es sich, wenn die Schreibhand unter der Zeile liegt. Dafür muss das Blatt bei Linkshändern stärker und in die entgegengesetzte Richtung – also nach rechts – geneigt werden, als es bei Rechtshändern der Fall ist. Linkshänder-Expertin Dr. Johanna Barbara Sattler gibt außerdem den Tipp, Kinder möglichst früh mit einem Füller schreiben zu lassen. So merken sie schnell selbst, wenn sie nicht die richtige Schreibhaltung haben – nämlich dann, wenn sie die Schrift beim Nachschieben der Hand verwischen.

Eventuell braucht Ihr linkshändiger Schulanfänger besondere Unterstützung dabei, die richtige Schreibhaltung zu lernen. In vielen Städten gibt es Linkshänder-Beratungen, die ein Schreibtraining für Kinder anbieten und bei denen Sie noch viel mehr Tipps für Schule und Alltag erhalten. Eine Auflistung aktueller Angebote sortiert nach Bundesländern finden Sie hier.

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Das richtige Handwerkszeug für Linkshänder

Beim Kauf von Schulmaterialien sollten Sie darauf achten, dass es sich auch für Linkshänder eignet. Viele Hersteller bieten ihre Produkte auch in Linkshänder-Varianten an, weshalb Sie in der Regel keine Probleme haben sollten, Linkshänder-Zubehör im Einzelhandel zu finden.

Füller: Bei Füllern spielt die Griffmulde eine Rolle. Sie ist für Linkshänder anders geformt als für Rechtshänder.
➤ Stifte: Für Stifte empfiehlt die Expertin aufsteckbare, dreieckige Schreibhilfen. Sie unterstützen die korrekte 3-Punkt-Schreibhaltung, sodass die Schreibhand nicht so schnell ermüdet.

DESK-PAD LEFTY®

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© Auer Verlag
Schreibunterlage für Linkshänder: Sie hilft dabei, die richtige Schreibhaltung zu lernen. Die Unterlage gibt die Blattneigung und Handhaltung vor. Eine solche Schreibunterlage gibt es zum Beispiel vom Auer-Verlag (Desk-Pad Lefty® direkt bei amazon.de bestellen)
Collegeblöcke: Schreibpapier-Nachschub gibt es in linierten und karierten Collegeblöcken, normalerweise mit Ringbindung links. Für Linkshänder ist es aber leichter, auf rechts- oder oben-gebundenen Blöcken zu schreiben.
Spitzer und Scheren: Auch hier gibt es spezielle Linkshänder-Produkte, bei denen die Klingen entsprechend angebracht sind.
Linkshänder oder nicht, das sollte vor der Einschulung klar sein
Um kleine Schulanfänger optimal zu fördern, sollte ihre Händigkeit vor Schuleintritt feststehen. Bei den meisten Kindern kristallisiert sich schon früh heraus, welche Hand sie bevorzugen. Bei anderen dauert es noch bis ins Kindergartenalter an. Sollten Sie sich kurz vor der Einschulung noch nicht sicher sein, ob Ihr Kind zu den Rechts- oder Linkshändern gehört, kann ein Händigkeitstest bei der Linkshänder-Beratung Klarheit verschaffen. Oft ist die Händigkeit aber auch Thema in der Schuleingangsuntersuchung.

Solange die Händigkeit noch unklar ist, versuchen Sie Ihr Kind möglichst in keine Richtung zu drängen oder die Händigkeit bewertend zu kommentieren (z.B. „Nimm den Löffel mal in die richtige Hand.“).

Viele Informationen für Eltern linkshändiger Kinder finden Sie auf den Seiten unserer Linktipps.




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