Stärken: Richtig fördern


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Stärken fördern, Schwächen nicht vernachlässigen

Ganz wichtig dabei ist, das Kind weder zu unter- noch zu überfordern, es in seiner ganzen Persönlichkeit voranzubringen und für eine harmonische Entwicklung zu sorgen: „Unterstützen Sie die Stärken Ihres Kindes, aber fördern Sie auch seine Schwächen“, empfiehlt der Psychologe Rost. „Es ist unsinnig, ein Mathe-Genie zu züchten, das im Sport nur ausgelacht wird.“ Die Neigungen seiner Kinder zu erkennen, aber auch die nicht vorhandenen Neigungen zu akzeptieren - das fällt manchmal schwer: Für den Hobby-Fußballer etwa, dessen Sohn lieber Bücher liest als auf dem Rasen einem Ball hinterherzurennen. Für die Kunstlehrerin, deren Tochter mit acht immer noch Strichmännchen malt, dafür aber wie ein Weltmeister rechnet. Persönliche Erfahrungen, Hoffnungen, Wünsche, unbewusste Vorurteile und Projektionen können den Blick für das Potenzial unserer Kinder trüben. Schnell werden mäßige Leistungen überbewertet oder das Kind in eine Richtung gedrängt, die es eigentlich ablehnt. Kinder reagieren sensibel auf die - auch unausgesprochenen - Wünsche ihrer Eltern. Gerade weil sie ahnen, dass sie für deren Erfüllung vielleicht noch mehr geliebt würden. So kann sich ein kleines Mädchen schon dann ein Stück in Richtung Eisprinzessin-Karriere gedrängt fühlen, „wenn es sieht, wie seine Mutter oft mit verklärten Augen Eiskunstlauf im Fernsehen anschaut“, sagt Gerald Hüther. Der Experte warnt daher auch davor, Kinder für gute Leistungen zu verwöhnen und ihnen bei schlechten die Zuneigung zu entziehen. „Dieses Belohnen und Bestrafen gehört eher in die Abteilung Zirkusdressur“, sagt er. Viel besser sei es, sich dem Kind
einfach zuzuwenden, wenn es sich mit einer Sache intensiv beschäftigt, sich mit ihm zu freuen und seine Begeisterung zu unterstützen. „Am besten ist, sein Kind liebevoll und vorurteilsfrei zu betrachten und seine eigenen Erwartungen herunterzuschrauben“, sagt Hüther. „Was immer förderungswürdig ist, sind Neugier, Offenheit und Gestaltungskraft.“