Streit-Eskalation verhindern

Um einen Streit zwischen Kindern nicht zur Eskalation zu bringen, sollten Eltern besonnen eingreifen - und die eigenen Streit-Regeln beherzigen.


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Wem gehört eigentlich der Streit?


Schwer zu sagen. Eltern werden die lautstarken Querelen oft einfach zu viel, auch weil sie darin einen Angriff auf ihre Bedürfnisse nach Ruhe und Harmonie erkennen und als Rücksichtslosigkeit werten, was die Kinder da veranstalten. Doch damit rücken sie ihr eigenes Anliegen in den Vordergrund. Dabei ist es doch nicht ihr Streit, sondern der ihrer Kinder!

Greifen Eltern zu früh in den Streit ein, bringt das die Kinder aus ihrem Streit-Konzept: Die Sache, um die es geht, bleibt ungeklärt und schwelt weiter. Durch ihre Einmischung kann eine kleine Rempelei eine Bedeutung bekommen, die sie anfangs gar nicht hatte. Wenn Erwachsene ihre Macht ins Spiel bringen, bringen sie Kinder um die Chance, aus ihrem Streit zu lernen, und der Konflikt erreicht eine neue Stufe: Man brüllt, droht oder setzt seine größeren Körperkräfte ein - wird aggressiv, um die Aggressivität der Kinder zu stoppen. Ein falsches Signal, dass man mit überlegener Macht einen Konflikt beendet. Gegen Aggressivität hilft noch mehr Aggressivität? Das stiftet nicht zum Frieden, sondern in Gegenteil zum nächsten Konflikt an.

„Eskaliert der Streit, muss man sich an eigene Streit-Regeln halten, körperlich dazwischenstellen und dem älteren Kind sagen: ,Du hast jetzt gar keine andere Möglichkeiten gesehen als zu schlagen. Der Kleine hat dich jetzt richtig genervt.' Dann wendet man sich dem Jüngeren zu: ,Das hat dir wehgetan, und du wolltest das Spielzeug auch gern behalten.' Den Älteren fragen, was hätte er gebraucht, um anders reagieren zu können als zu schlagen? Wichtig ist, keine Lösungen anzubieten, sondern nur Ideen zu sammeln“, meint die Berliner Kommunikationstrainerin Heidemarie Götting. 

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Eltern sollten sich an eigene Streit-Regeln halten

Streitende Kinder übernehmen schneller die Verantwortung für ihren Streit, wenn ihre Eltern aufhören, sich für ihren Streit verantwortlich zu fühlen. Doch Eltern sollen das Geschehen nicht einfach nur achselzuckend ignorieren, sondern genau beobachten und sich an eigene Streit-Regeln halten. Dann werden sie immer mehr verstehen und Details erkennen:

• Wer hat hier welches Anliegen?
• Welche Dynamik ist am Werk?

Vom Zuschauerrang aus sieht man besser als in der Mitte des Spielfeldes - und hat bald den Schlüssel in der Hand, um den gesamten Beziehungsclinch zu verstehen. Wir können Kindern durch unsere wohlwollende Neutralität dabei helfen, sich richtig schön zusammen zu streiten. Konflikte mit den Kindern, aber nicht für die Kinder klären - das etwa wäre der Kunstgriff.

Bevor wir in den Streit eingreifen, machen wir uns besser klar, was unser Ziel ist: Wollen wir die Ruhe im Kinderzimmer wiederherstellen oder Gehorsam und Regeln durchsetzen? Wollen wir das einzelne Kind stützen oder schützen? Oder wollen wir Kinder befähigen, Konflikte konstruktiv zu lösen und daraus etwas zu lernen?

Es hängt von der Rolle, in die wir schlüpfen, ab, wie die Geschichte ausgeht. Wenn man die Kampfhähne veranlassen kann, nacheinander ihren Standpunkt vorzutragen, ist schon viel gewonnen.

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