Tipps für ein harmonisches Geschwisterzimmer

Nicht immer ist möglich, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer hat. Wir geben Tipps, was Sie beim Geschwisterzimmer beachten sollten und ab wann eigene Zimmer sinnvoller sind. Außerdem: Viele praktische Kniffe und Ideen für ein Kinderzimmer, womit sich alle „Mitbewohner“ rundum wohlfühlen.


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Geschwisterzimmer: Pädagogisch klug oder eine Notlösung?


Teilen sich Kinder ein Schlafzimmer, hat das viele Vorteile, die sich zudem positiv auf die Entwicklung auswirken. Von Anfang an lernen Ihre Kinder, Rücksicht zu nehmen und Kompromisse einzugehen. In den ersten Lebensjahren ist die Kommunikation mit Gleichaltrigen sehr wichtig. Sind die Kinder im oder fast im gleichen Alter, beschäftigen sie sich gerne gemeinsam und teilen ihre Spielsachen miteinander. Hier ist ein gemeinsames Kinderzimmer eine tolle Sache! Vielleicht erinnern auch Sie sich an die wertvollen Momente vor dem Schlafen, wo Sie mit Ihrer Schwester oder Ihrem Bruder Geheimnisse ausgetauscht, Sorgen besprochen oder Späße gemacht haben? Diese Erlebnisse schweißen zusammen – und zwar ein Leben lang.

Geschwisterzimmer

Ein gemeinsames Kinderzimmer hat viele Vorteile


© iStock
Es gibt jedoch Situationen, wo getrennte Zimmer unausweichlich werden. Ob das gemeinsame Zimmer für die Kinder ein großer Spaß ist oder einengend wirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Das Alter der Kinder und der Altersabstand der Geschwister spielt hier eine große Rolle. Liegen zwischen den beiden Kindern mehr als vier Jahre, ist ein gemeinsames Kinderzimmer schwierig. Gerade die Kleinkindphase beinhaltet viele verschiedene Entwicklungsstufen: Was Ihr Kind heute interessiert, kann in zwei Wochen schon wieder uninteressant sein. So sind vier Jahre Altersabstand oder mehr eine sehr große Zeitspanne für ein kleines Kind und daher schwierig zu vereinbaren. Jede Kleinkindphase sollte voll ausgelebt werden dürfen, was bei Geschwistern mit einem großen Altersabstand in einem gemeinsamen Zimmer zu Konflikten führt.

Bis zum Alter von zehn Jahren ist ein Geschwisterzimmer meist problemlos möglich. Verstehen sich die Kinder gut, lässt sich es auch die nächsten drei Jahre gut zusammen leben. Spätestens, wenn das ältere Kind 14 Jahre alt wird, sollte aber ein eigenes Zimmer ermöglicht werden.
Wann ein Geschwisterzimmer problematisch ist
Mit Einsetzen der Pubertät beginnt für Ihr Kind eine verwirrende und teilweise überfordernde Entwicklungsphase. Ihr Kind findet in dieser Zeit heraus, wer es ist und sein möchte und setzt neue Prioritäten: Freundschaften werden zunehmend wichtiger, ein Hobby oder eine Lebensstil wird von großer Bedeutung und will ausgelebt werden. Das eigene Zimmer ist ein Rückzugsort für Ihr Kind und schlichtweg sein Reich, wo es Freunde empfangen kann und seine neu gewonnen Überzeugungen und Vorlieben, zum Beispiel in Form von Zimmerdekoration, ausleben kann. Dazu kommen die körperlichen Veränderungen, die Schamgefühle auslösen. Sich einfach so vor dem Bruder umzuziehen ist plötzlich schambehaftet. Diese Gefühle sollten Sie unbedingt ernst nehmen! Spätestens, wenn die Kinder ihre Sexualität entdecken, ist ein eigenes Zimmer unausweichlich.
Warnzeichen: Daran erkennen Sie, dass Ihre Kinder getrennte Zimmer brauchen
1. Andauernde Konflikte
Streit und Reibereien unter Geschwistern sind ganz normal, auch, was das gemeinsame Zimmer und die gemeinsamen Spielsachen betrifft. Konflikte und deren Lösung sind wichtige Erfahrungen für Kinder. Wenn aber die Streitereien handgreiflich werden und trotz Ermahnungen andauern und schließlich den Familienalltag belasten, sollten Sie über einen Umzug nachdenken.

2.Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern
In der Regel äußern Kinder bis zum Alter von circa zehn Jahren ihre Bedürfnisse sehr offen. Wenn Sie bemerken, dass sich Ihr Kind zurückzieht, seine Bedürfnisse nicht mehr zeigt oder sogar depressive Züge annimmt, ist das ein Alarmsignal: Das Geschwisterzimmer kann ein Faktor sein, warum sich Ihr Kind zunehmend zurücknimmt. Es hat buchstäblich keinen Raum für seine Bedürfnisse. Entwicklungspsychologen empfehlen hier klärende Gespräche, um die Ursache dieses Verhaltens zu finden.

3.Einsetzen der Pubertät

Die physischen Veränderungen und emotionale Achterbahnfahrt der Pubertät machen ein eigenes Zimmer für Ihr Kind jetzt unverzichtbar: Es braucht einen Raum, wo es sich entspannen kann, aber auch ungestört Freunde empfangen kann. Ein eigenes Reich ist wichtig in der Zeit der Selbstfindung.
Praktische Tipps für das Geschwisterzimmer
Richtig teilen
Auch, wenn sich Geschwister ein Zimmer teilen müssen, ist ein eigener Bereich für jedes Kind möglich. Das können Sie zum Beispiel durch optische Trennung erreichen, indem Sie einen Paravent oder Vorhang anbringen. Wird der Platz zum Spielen benötigt, ist die Trennwand schnell weggeräumt. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Wände unterschiedlich zu gestalten, zum Beispiel mit unterschiedlichen Wandfarben. Bedenken Sie dabei aber, dass kleine Räume durch zwei Wandfarben häufig beengend und unruhig wirken können. Eine Alternative kann eine durchgehende Wandfarbe, aber unterschiedliche Wandtattoos sein: So ziert die eine Zimmerseite eine Unterwasserwelt, während die andere Seite von Disneys Eiskönigin beherrscht wird. Weitere praktische und schöne Ideen, um Raumteiler selber zu machen, finden Sie in unserer Ideensammlung:

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Wenn sich Ihre Kinder ein Zimmer teilen müssen, ist ein Raumteiler eine Möglichkeit, für jeden sein Reich zu schaffen.


Streitereien vorbeugen
Bei vielen gemeinsamen Spielsachen kann es auch zum Streit kommen. Gibt es persönliche Gegenstände, die nur einem Kind gehörten, macht es Sinn, diese getrennt aufzubewahren. So wird klar signalisiert, wem was gehört und dass das Geschwisterkind fragen muss, wenn es sich diese Sache ausleihen möchte.

Ein weiterer heikler Punkt und Anlass für Streit kann sein, wenn eins der Kinder Besuch bekommt und gerne alleine mit seinem Besuch spielen möchte. Das Geschwisterchen nervt, aber pocht natürlich auf sein Recht, denn schließlich ist es auch sein Zimmer! Hier hilft, sich vorher abzusprechen. Ihr Kind, das Besuch empfängt, darf offen äußern, dass es das Zimmer ein paar Stunden für sich beanspruchen möchte und Sie können mit dem zweiten Kind ausmachen, dass es Ihnen zum Beispiel in der Zwischenzeit beim Kuchenbacken hilft.

Gegenstände auslagern
Ist das Zimmer, dass sich Ihre Kinder teilen, ohnehin sehr klein, sollten Sie überlegen, welche Möbel oder Dinge woanders gelagert werden können. Vielleicht findet der große Kleiderschrank auf dem breiten Flur Platz oder die Bettwäsche wird im Kellerschrank aufbewahrt, statt wichtigen Stauraum für Spielsachen zu blockieren. So bleibt mehr Platz zum Spielen und Ordnung halten fällt leichter.

Wichtig: Ungestörter Arbeitsplatz für das Schulkind
Kommt das erste Kind in die Schule, wird ein Schreibtisch zum wichtigen Ort im Kinderzimmer. Wenn sich Kinder ein Zimmer teilen, ist das ungestörte Hausaufgaben machen nicht immer möglich. Richten Sie Ihrem Schulkind einen Arbeitsplatz ein, an dem es ungestört lernen kann. Vor allem ab der fünften Klasse, wenn die Anforderungen höher werden und Ihr Kind Leistung erbringen muss, ist ein ruhiger Platz für Ihr Kind, der nur ihm gehört, wichtig. Dieser Platz muss nicht im Kinderzimmer, sondern kann auch eine Ecke im Wohnzimmer sein. Meist suchen sich Kinder ihre Oasen selbst und möglichweise lernt Ihr Kind am liebsten am kleinen Küchentisch. Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind diese Oasen bekommt und hier nicht beim Lernen gestört wird.
Sophia Gesierich

von Sophia Gesierich




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