Trauer bei Kindern - so können Eltern helfen

Grundsätzlich gilt: Kinder, gerade wenn sie trauern, sollen aktiv das Thema Tod erforschen und sich damit auseinandersetzen.


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„Trauer und Verluste sind Teil unseres Lebens, hier können wir unsere Kinder nicht beschützen", sagt die Pädagogin Trudi Kühn. Zusammen mit Roxana Petcov ist sie Herausgeberin des STEP Programms, das Elternkurse und Weiterbildungen für Pädagogen anbietet.

Informieren und über Trauer reden


Eins ist sicher: Früher oder später kommt jedes Kind auch mit dem Thema Tod in Berührung. Schreckliche Gedanken, Angst, Unwohlsein – das alles sollen Kinder durchaus auch spüren, weil es Teil unseres Lebens ist. Ablenkung ist da das falsche Rezept. Wichtig ist zu lernen, damit umzugehen. Kinder brauchen Informationen. Sie haben das Recht zu erfahren, was passiert ist. Es geht darum, sie mit einzubeziehen und ihnen die Situation ehrlich und auf kindgerechte, altersmäßig angemessene Weise zu erklären – auch, wenn sie nicht fragen, weil ihnen die Worte fehlen. 

Gerade Dinge, die Kinder nicht verstehen, lösen in ihnen Angstgefühle aus. Deshalb sind sachliche Erklärungen, zum Beispiel in Bezug auf Krankheit oder Todesart, wichtig. Bei zu wenig Information besteht die Gefahr, dass sich Kinder selbst etwas zusammenreimen und Dinge fehlinterpretieren, vielleicht sogar die Schuld bei sich suchen.

Trauer bei Kindern


© istock
Konkret heißt das: Eltern helfen ihrem Kind, wenn sie es in Arm nehmen, durchaus auch gemeinsam weinen und ihm zuhören. Gibt es Fragen? Dann erklären Sie in Ruhe, was passiert ist und was die nächsten Schritte sind. Antworten Sie in einfacher Sprache, lassen Sie belastende Details lieber weg, bleiben Sie aber immer ehrlich. Außerdem ist es sinnvoll, die Gefühle des Kindes in Worte zu fassen. "Ich sehe, dass du traurig bist. Das fühlt sich schrecklich an und deshalb musst du weinen." So lernen Kinder, ihre eigenen Emotionen zu verstehen und verbal auszudrücken. Das ist auch gut für spätere Erfahrungen im Leben, weiß die Pädagogin Kühn.

Jugendliche machen es den Eltern in der Regel nicht leicht. Sie befinden sich sowieso in einer schwierigen Phase der Selbstfindung. Aber auch da ist die Verarbeitung von Tod und Trauer durchaus wichtig. In der Pubertät ziehen sich die Kinder jedoch meist zurück und wollen - gerade mit ihren Eltern - nicht sprechen. Auch hier gilt aber: Reden, informieren und für Fragen offen sein sind ganz wichtig. Vielleicht kann diese Aufgabe ein Pate oder Freund der Familie übernehmen, falls der Jugendliche sich diesem gegenüber mehr öffnet.

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Wie ist es, für Kinder über ein schwieriges Thema wie den Tod zu schreiben? Wir haben die Autorin Britta Teckentrup gefragt.


Rituale schaffen

Kühn betont außerdem, wie wichtig Rituale sind – generell im Leben, aber gerade in schwierigen Situationen sind sie ein wichtiger Anker. Sie geben Kindern Stabilität, Geborgenheit und Sicherheit. Lesen Sie zum Beispiel jeden Abend eine Geschichte, die der Oma besonders gut gefallen hat, zünden Sie allabendlich eine Kerze an oder besuchen Sie das Grab regelmäßig. Auch beim Tod des geliebten Hundes gilt es Emotionen ernst zu nehmen. Es geht darum, Erinnerungen zu bewahren und darüber zu sprechen, wie die Verstorbenen in Erinnerung bleiben sollen. Dazu kann es auch gehören, dass sich die Familie gemeinsam Fotos anschaut und über den Verlust spricht. „Dann tut es gut zu wissen, dass die Verstorbenen in der Erinnerung immer ein Teil von uns bleiben werden“, sagt Kühn.

Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, über seine Gefühle zu sprechen – wenn es möchte. Vielleicht erinnern Sie sich auch gemeinsam an schöne Momente mit dem Verstorbenen. Als Oma beim letzten Weihnachtsfest den Baum geschmückt hat oder der verstorbene Hund beim Gassigehen immer ausgebüchst ist.
Bücher zum Thema Trauer anschauen und malen
Hilfreich können auch Kinderbücher sein, die sich mit dem Thema beschäftigen. Manche Kinder schaffen es, so leichter über ihre eigenen Gefühle zu sprechen, weil sie sich mit den Personen oder Tieren im Buch vergleichen. Andere Kinder malen lieber. Sie können vielleicht gerade mit Stift und Papier verarbeiten, was sie nicht im Stande sind in Worte zu fassen.
Vorbild in Sachen Trauer sein
Wichtig ist, das Trauern zuzulassen. Und das gilt auch für die Eltern. Verbergen Sie also nicht ihre eigenen Tränen. „Eltern sind Vorbild. Kinder orientieren sich mehr an ihren Eltern als wir denken“, sagt die Pädagogin Kühn. Lassen Sie sie deshalb an Ihrer Trauer teilhaben. Auch so lernen Kinder. Sie bekommen vorgelebt, dass Trauer, Angst, Unsicherheit und Unglücklichsein in Ordnung sind und zum Leben dazugehören.


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