Vorschule: Sanfte Vorbereitung auf die Schule

Das letzte Jahr im Kindergarten ist ein ganz besonderes! Neben viel, viel Spielen steht jetzt die Vorbereitung auf den Schulstart an. Was Kinder in der Vorschule lernen sollten, erfahren Sie hier.


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Vorschule = Das Jahr vor dem Schulstart


Die Frage, die Eltern beim ersten Elternabend im letzten Kindergartenjahr ihres Kindes am meisten beschäftigt, lautet: Wie läuft das Vorschulprogramm in der Kita ab? Wird mein Kind gezielt auf das Leben als Schulkind vorbereitet? Ein bisschen Rechnen, die ersten Buchstaben kennenlernen, still sitzen, konzentrieren und den Stift richtig halten – die Liste der Wünsche, die Eltern an die Erzieherinnen für das letzte Kindergartenjahr haben, ist lang. Ungefähr so lang wie die Angst vor dem Schulstart und den damit verbundenen Anforderungen groß ist. Eine einheitliche Regelung, wie sich das Vorschulprogramm in den Kitas und Kindergärten im Einzelnen gestaltet, gibt es allerdings nicht. Generell meint Vorschule die Zeit vor dem Start in die Grundschule. In dieser Phase werden die Kinder in kleinen Schritten auf den Schulalltag vorbereitet, die Benachteiligung von Kindern aufgrund ihrer sozialen Herkunft soll durch das Vorschulprogramm abgebaut werden. Sowohl die einzelnen Bundesländer wie auch die Betreuungseinrichtungen sind in der Umsetzung des Vorschulprogramms ganz flexibel. Gab es früher noch gesonderte Vorschulklassen oder Schulkindergärten, werden diese inzwischen allermeist in den normalen Kindergartenalltag integriert. In den meisten Kitas bedeutet „Vorschule“, dass sich die „Großen“ ein bis zwei Mal wöchentlich treffen und mit einer Erzieherin Fähigkeiten trainieren, die in der Schule wichtig sind. 
Was ist Inhalt der Vorschule?
Im Unterschied zur Schule arbeiten Kindertagesstätten nicht mit einem verbindlichen Lehrplan. Fast alle Bundesländer haben aber einen Bildungsplan, an dem sich die Träger orientieren. Ziel des Vorschulprogramms ist es, die Kinder auf spielerische Weise an die Schule heranzuführen. Sprachspiele, Zahlenspiele, dazu Übungen, die die Konzentration und Feinmotorik fördern – all das soll die Lust auf Schule wecken und die Kinder mit wichtigen Fähigkeiten auf den großen Schritt vorbereiten. Zudem gibt es spezielle, auf den Kindergarten zugeschnittene, Konzepte, die erstes Wissen über Zahlen und Laute vermitteln und damit bei den Kindern Lust auf Rechnen und Lesen wecken. Bekannt sind beispielsweise das Würzburger Trainingsprogramm und das Bewegungsprogramm „Mach mit bei Felix Fit – Bewegte Kinder“. Egal ob mit Programm oder ohne – das Lernen erfolgt, typisch für den Kindergarten, eher nebenbei und spielerisch.

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Viele Kitas bieten im letzten Kindergartenjahr vermehrt Ausflüge und Projekte an: Spielenachmittage im Altenheim, der Besuch einer Kinderverkehrsschule und Kinderführungen durchs Museum liefern den Kindern viel Input. Die Großen bekommen zunehmend mehr Aufgaben und mehr Verantwortung übertragen. Vielleicht dürfen sie die Patenschaft für ein kleines Kita-Kind übernehmen oder den Kleinen beim Anziehen helfen. Je näher dann der Schulstart rückt, umso spannender wird natürlich die Frage: Was macht man in der Schule eigentlich? Viele Kitas arbeiten eng mit der nächsten Grundschule zusammen und organisieren gegenseitige Besuche, ein Kennenlernen der Lehrer oder sogar ein gemeinsames Sommerfest. 
Sanfte Vorbereitung auf die Grundschule
Auch wenn die Nervosität vor dem Schulstart nachvollziehbar ist: Als Eltern sollten Sie das Vorschulprogramm der Einrichtung Ihres Kindes nicht überbewerten! Dieses eine, letzte Kindergartenjahr ist nicht allein entscheidend für einen guten Start in der Schule. Die Grundlagen für die ersten Schuljahre werden in der gesamten Kindergartenzeit gelegt – und zwar ganz spielerisch beim Singen, Spielen und Erzählen. Viel wichtiger als die ersten Worte entziffern zu können, sind folgende Fähigkeiten:

● Regeln lernen und einhalten
● Andere ausreden lassen und zuhören
● Lernen, mit kleinen Enttäuschungen und Niederlagen umzugehen
● Sich in neue Gruppen integrieren
Freundschaften schließen
● Verantwortung für sich und andere (z.B. kleinere Kinder) übernehmen
● An Entscheidungsprozessen teilhaben
● Konflikte aushalten
● Rücksicht auf andere nehmen
● Sich trauen, in der Gruppe zu erzählen und Fragen zu stellen
● Sich eine eigene Meinung bilden und diese hinterfragen
● Geduld haben

Der Münchner Pädagogin Monika Zoppelt liegt ein Learning besonders am Herzen: "Kinder müssen in diesem Alter lernen, auch einmal etwas zu MÜSSEN. Dazu gehört, auch Dinge zu tun, auf die man keine Lust hat." Wie im wahren Leben also. Beispielsweise, wenn als Schulkind erst die Hausaufgaben erledigt werden müssen, bevor man zum Spielen rausflitzen darf. Die meisten Fähigkeiten, die den Schulalltag erleichtern, lernen Kinder im Kindergarten-Alltag fast nebenbei.

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Frühförderung kann mehr schaden als nutzen

Kinder im Kindergartenalter sind hoch motiviert und wissbegierig. Der anstehende Schulstart verstärkt diesen Wissensdurst häufig nochmals – Kinder wollen wissen, verstehen, machen! Und Eltern möchten, dass ihre Kinder so viel wie möglich lernen. Das haben auch externe Anbieter erkannt und ihr Angebot in den letzten Jahren ausgeweitet: Englisch, Chinesisch, Musikalische Früherziehung – die Angebote versprechen viel Abwechslung am Nachmittag und zudem eine Extraportion Wissen, das in späteren Jahren für Vorteile sorgen soll.

„Schuhe binden ist wichtiger als Englischvokabeln!...”

von Monika Birn

Aber macht das wirklich Sinn? „Nein!“, meint die langjährige Erzieherin Monika Birn. „Kinder sollten im letzten Kindergartenjahr viel Kontakt zu Gleichaltrigen haben und spielen! Es ist für Fünf- bis Sechsjährige wichtiger, im Hier und Jetzt zu leben, als nachmittags einen Termin nach dem anderen abzuarbeiten.“ Und sie fügt hinzu: „Kinder sollen erst einmal lernen, ihre Schuhe zu binden oder Mama beim Kochen helfen bevor sie englische Vokabeln lernen!“

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Wie kann ich mein Kind optimal auf die Schule vorbereiten?

Spielen ist die beste Grundlage für das Lernen in der Schule. Wenn Ihr Kind wissbegierig ist, anfängt Buchstaben zu malen oder im Alltag erste Rechenaufgaben lösen möchte: Bremsen Sie es nicht aus, sondern unterstützen Sie sein Interesse. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind genug "Futter" bekommt und sein Wissensdurst und seine natürlich Neugier gestillt werden. Umgekehrt gilt aber auch: Entwickelt Ihr Kind noch kein Interesse an Zahlen und Buchstaben, dann hat es in der Schule dafür noch mehr als genug Zeit! Genießen Sie lieber das letzte Jahr vor dem Schulstart – ohne es mit zu vielen Fördermaßnahmen zu überfüllen.
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