Warum Kinder Abenteuer brauchen


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Abenteuer für Kinder


Warum Kinder Abenteuer brauchen

Selbst Lernstörungen können die Folge von zu wenig Bewegung in der frühen Kindheit sein, berichtet der Sportwissenschaftler, denn „über das Erlernen gezielter Bewegungen werden erste wichtige Strukturen im Hirn angelegt, die einzelne Nervenzellen miteinander verbinden. Das ist eine bedeutsame Voraussetzung für unser Denken.“ Praxie nennen Experten die Fähigkeit, eine Folge von Bewegungen gezielt zu planen und auszuführen. Sie setzt unter anderem das richtige Abschätzen von Entfernungen und Größenverhältnissen voraus. Vor allem das Toben im freien Raum, die Überwindung natürlicher Hindernisse und das Hantieren mit verschiedenen Materialien in der Natur fördert solch eine gute Planungsfähigkeit und Raumorientierung - Kompetenzen, die Kindern nicht nur in der Schule weiterhelfen. Körperbewusstsein entscheidet auch über Selbstwertgefühl Das Körperbewusstsein entscheidet nicht zuletzt darüber, ob Kinder ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, so Haug-Schnabel: „Kinder, die ihre körperlichen Grenzen und Fähigkeiten ungestört erfahren können, haben eine gute Vorstellung von ihrem persönlichen Aktionsrahmen: Das bin ich, und das kann ich.“ Umso wichtiger, dass Eltern ihre Kinder bei der mutigen Erprobung ihres Körpers unterstützen, betont die Expertin. „Fall nicht hin!“ - „Das schaffst du nicht!“: Solche Kommentare wirken da eher kontraproduktiv. „Statt sie durch die eigene Angst zu bremsen, sollten Eltern ihren Nachwuchs lieber ermutigen, auch mal was Neues auszuprobieren. Kinder, die früh ernst genommen werden und selbst entscheiden dürfen, leben weniger gefährlich und vor allem reicher an körperlicher Erfahrung.“ Risikokompetenz Klettern an einem Felsen, Balancieren auf einem Brett, Rennen bis zur Erschöpfung - all das macht nicht nur Spaß, sondern führt auch zu mehr Risikokompetenz, davon ist auch Breithecker überzeugt. Die helfende Hand der Erwachsenen ist da nicht immer eine sinnvolle Stütze: „Wir dürfen nicht ständig alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Die meisten Unfälle geschehen, weil Kinder die Gefahrenquellen nicht selbst erkannt haben. Jede bewältigte Risikosituation, jedes neue Wagnis führt zu einer Erfahrungserweiterung und zur Schärfung der Sinne.“ Bewegung muss man selbst in die Hand nehmen Dabei macht er auf einen weitverbreiteten Irrtum aufmerksam: „Bewegung ist nicht gleich Sport! Wichtig ist, dass Kinder bis zu ihrem achten Lebensjahr erst einmal vielfältige Erfahrungen mit ihrem Körper machen.“ Nur leider: Bewegungsintensive und spannungsreiche Erlebnisse ergeben sich eben immer seltener von selbst. Abenteuer, die nicht auf dem Bildschirm stattfinden, werden heute oft von Erwachsenen arrangiert, die sich fragen: Wie außergewöhnlich muss ein Ereignis sein, um von Kindern als Abenteuer empfunden zu werden?