Meine Suppe ess' ich nicht! Hilfe bei kleinen Suppenkaspern

Jede Mahlzeit mutiert zum Kampf, der Knirps hat an allem etwas auszusetzen. Kommt Ihnen bekannt vor? Vor allem kleine Kinder mutieren beim Essen oft zu großen Mäklern. Warum das so ist und Tipps, wie Sie als Eltern damit umgehen sollten.


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Warum Kinder manchmal nicht essen

Zum Essen zwingen sollten Sie Ihr Kind nicht.


© Thinkstock
Unruhig rutscht der zweijährige Simon auf seinem Stühlchen hin und her. Mamas liebevoll gekochtes Ratatouille auf seinem Teller ist unberührt. „Probier doch wenigstens mal, vielleicht schmeckt es dir ja doch“, drängt seine Mutter. Aber Simon verzieht bloß die Schnute. „Bäh, mag nicht“, verkündet das Kind – für ihn ist das Mittagessen beendet. Solche Szenen kennen viele Eltern nur zu gut: Die Kinder wollen einfach nicht richtig essen. Nicht das Gemüse, nicht das Fleisch, nicht dieses und nicht jenes. Oft werden lediglich Spatzenportionen akzeptiert. Viele Eltern machen sich dann große Sorgen: Wie sollen sie ihre Kinder gesund ernähren, wenn sie wichtige Lebensmittel ablehnen oder aber nur lustlos im Essen herumstochern?

Kinder müssen dem Essen vertrauen


Doch solche Phasen der Mäkelei oder gar Essensverweigerung sind bei Kindern völlig normal, wie die Ernährungswissenschaftlerin und Kochbuchautorin Edith Gätjen erklärt: „Kinder haben nicht jeden Tag den gleichen Appetit. Mal essen sie mehr, mal weniger – und oft sehr einseitig.“ Kinder stellen ihren Speiseplan nach anderen Kriterien zusammen als wir. „Essen ist eine Vertrauensfrage. Da Kinder viele Nahrungsmittel noch nicht kennen, entscheiden sie instinktiv: Was ist sicher, und was sichert mein Überleben“, so die Expertin aus Bergisch Gladbach. Das trifft zum Beispiel auf Süßes zu, aber auch auf andere kalorienreiche Kost. Bevorzugt wird, was satt macht und die nötige Energie fürs Wachstum liefert.
Manchmal brauchen sie länger, um Essen zu akzeptieren
Somit ist schnell klar: Gemüse passt nicht in dieses Schema. Es den Kindern immer wieder anzubieten, lohnt sich trotzdem. Oft brauchen Kinder bis zu zehn Kontakte mit einem Lebensmittel, bis sie es akzeptieren. „Sie riechen erst einmal, betrachten die Farbe, fühlen die Konsistenz und schauen sich an, wie andere das essen. Erst zum Schluss probieren sie, wie etwas schmeckt“, erklärt Edith Gätjen. Um Kinder an die kulinarische Vielfalt einer gesunden Ernährung heranzuführen, ist also Geduld gefragt. Geben Sie nicht gleich auf, wenn Ihr Nachwuchs den Spinat beim ersten Mal stehen lässt. Bieten Sie ihn immer wieder an. „Lassen Sie einfach ein Gewöhnungsprogramm laufen. Irgendwann kommt dann vielleicht der Zeitpunkt, zu dem das Kind zugreift“, sagt die Ernährungsberaterin. 

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Machtkämpfe ums Essen sind tabu!

Zum Essen zwingen sollten Sie Kinder auf keinen Fall. Auch Tricks und Überredungskünste gehören nicht an den Tisch – zumal solche Versuche meist ohnehin nicht von Erfolg gekrönt sind. „Damit riskiert man nur nervenaufreibende Machtkämpfe“, weiß die vierfache Mutter. Das gilt vor allem, wenn hinter der Verweigerung purer Trotz steckt. „Kleinkinder nutzen gerne die Mahlzeiten, um auch einmal den Bestimmer zu spielen. Denn sie merken schnell, dass Essen ein Punkt ist, der die Eltern sorgt“, so Edith Gätjen. 
Sie bestimmen welches Essen, Ihre Kinder ob und wie viel
Da helfen nur Gelassenheit und eine konsequente Strategie: Sie bestimmen, wann Sie etwas zu essen anbieten und was es gibt, die Kinder, ob und wie viel sie davon essen möchten. „Zusätzlich gehört ein Brotkorb auf den Tisch, an dem sich die Kinder bedienen können, wenn sie etwas nicht mögen“, rät die Expertin. Gut ist auch, stets eine vertraute Komponente auf den Teller zu bringen, zum Beispiel Nudeln. Dann braucht es keine Extrawürste am Familientisch. Denn die sind eher kontraproduktiv. 
Niemand verhungert freiwillig
Was aber tun, wenn das Kind zu wenig isst? Diesen Hilferuf hört Edith Gätjen oft. Zumeist sei er jedoch unbegründet: „Abgesehen von den normalen Appetitschwankungen haben viele Eltern einfach eine falsche Vorstellung davon, welche Nahrungsmenge ein Kind braucht.“ Hinzu komme, dass sich der Nachwuchs häufig schon zwischendurch satt isst. Apfelschnitze, Dinkelstangen: Auch das füllt den kleinen Magen. Bei Tisch sind die Knirpse dann nicht richtig hungrig – und werden wählerisch.

Besorgten Eltern rät die Expertin, einige Tage ein Ernährungsprotokoll zu führen – inklusive aller Naschereien. Wahrscheinlich sind Sie am Ende erstaunt, wie viel Ihr Junior tatsächlich isst. „Ein gesundes Kind verhungert nicht freiwillig. Solange es fröhlich und aktiv wirkt, ist in der Regel alles in Ordnung“, so Edith Gätjen. Verschmäht Ihr Kind aber über Wochen ganze Lebensmittelgruppen, wirkt es kränklich, antriebslos oder nimmt es längere Zeit nicht zu, sollten Sie zum Arzt gehen.

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Kinder legen beim Essen Wert aufs Äußere

Ein heikler Punkt bei kleinen Essern ist häufig das Gemüse, vor allem gekochtes. „Die meisten Kinder mögen seine glitschige Konsistenz nicht. Ebenso spielen Ansehnlichkeit und Farbe eine Rolle“, weiß Edith Gätjen. Ihr Tipp: Garen Sie Gemüse nur bissfest oder bieten Sie es als Rohkost an. Kohlrabi-, Paprika- oder Möhrenstifte etwa knabbern viele Minis gerne. Manche Gemüsesorten lassen sich in pürierten Soßen oder Suppen verstecken. Hilft auch das nicht weiter, können Sie fehlendes Gemüse durch mehr Obst und Kartoffeln ausgleichen. 
Kinder lieben Obst, noch lieber in anderer Form
Dass Kinder kein Obst mögen, ist eher selten. Süße Früchte wie Apfel, Mandarine oder Banane sind bei den meisten beliebt. Lehnen Ihre Kinder die gängigen Sorten ab, ist Detektivarbeit gefragt: Vielleicht mag er ja Ananas, Mango oder Kiwi? „Häufig hilft es schon, wenn man das Obst in eine andere Form bringt oder spielerisch anrichtet, zum Beispiel Apfelscheiben an einer Kordel aufreiht“, so Edith Gätjen. Auch Obstspieße und mundgerechte Stücke mit Quarkdipp verleiten zum Zugreifen. Oder probieren Sie es in pürierter Form, als Smoothie oder Eisstick. Bleiben Sie am Ball! Zum Glück sind die „Esskapaden“ der Kleinen meist vorübergehender Natur. Also nur Geduld: Auch ein Spatz wird bald zum entspannten Esser.





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