Was kann ich tun, wenn mein Kind andere Kinder mobbt?

Das eigene Kind ist für Eltern eigentlich immer das beste, liebste, bravste Kind auf der ganzen Welt. Was aber, wenn genau dieser Schatz anderen Kindern das Leben schwer macht – sie gar mobbt und ausgrenzt?


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Mobber

Wenn das eigene Kind zum Mobber wird, dann helfen vor allem viele offene Gespräche.


© iStock
Erfahren Eltern, dass ihr Kind in der Schule gemobbt wird, zerreißt es ihnen verständlicherweise fast das Herz. Denn niemand möchte, dass sein Kind Opfer von fiesen Mobbingattacken wird. Doch auch die umgekehrte Situation kann Eltern einen großen Schock und einen Stich im Herzen versetzen: Wenn es das eigene Kind ist, das andere mobbt und systematisch ausgrenzt. Plötzlich schwirren viele Gedanken im Kopf der Eltern herum: „Wie kann das sein?“, „Was habe ich falsch gemacht?“, „Kenn‘ ich mein Kind denn gar nicht richtig?“. Wichtig ist jetzt, weder die Situation zu ignorieren und sich zu denken, dass es die Kinder schon unter sich regeln werden, noch selbst in Schuldzuweisungen zu versinken. Gehen Sie stattdessen auf Ursachenforschung und suchen Sie die direkte Kommunikation mit Ihrem Kind. Unsere Tipps für den Umgang mit der Situation:

Wahrnehmen, Überblick verschaffen und Situation analysieren


Viele Eltern stellen sich wahrscheinlich zwei zentrale Fragen: „Wie erkenne ich überhaupt, dass mein Kind andere mobbt?“ und „Warum ist mein Kind ein Mobber?“. Berechtigte Fragen, denn erzählen wird ein Kind von solchen Vorfällen nur selten. Wenn es also zu keinen direkten Vorwürfen von anderen Kindern oder Beschwerden von Lehrern und anderen Eltern kommt, müssen Sie die Lage durch beobachten und reden klären.

Zeigt Ihr Kind Auffälligkeiten in seinem Verhalten? Hat es sich irgendwie verändert? Ist es plötzlich sehr ruhig oder sehr laut? Hat es Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten oder verhält es sich plötzlich aggressiv? Das sind alles Punkte, die natürlich keine definitive Aussage darüber treffen, ob Ihr Kind ein Mobber ist, Ihnen aber zu denken geben sollten.

Erster Schritt sollte sein, die Situation zu analysieren: Gibt es vielleicht daheim Gründe für das veränderte Verhalten? Macht Ihrem Kind ein Todesfall oder eine Trennung zu schaffen? Vielleicht ist es auch der neue Babysitter oder das Hobby, das Ihrem Kind zusetzt. Manchmal sind es auch Veränderungen an ihnen selbst – vor allem mit dem Einsetzen der Pubertät – die Kindern zusetzen können. Es ist sogar relativ häufig, dass Mobber mit ihrem Verhalten darauf reagieren, was sie zuhause erleben und versuchen, diese Missstände durch das Mobbing zu kompensieren.

Wichtig ist, Ihren Nachwuchs direkt auf die Veränderungen im Verhalten anzusprechen. Suchen Sie das Gespräch, seien Sie aber nie anklagend. Fragen Sie, wie sich Ihr Kind fühlt und warum es sich so fühlt. Und: Sprechen Sie das Mobbing direkt an. Es ist wichtig, dass Sie hier nicht um den heißen Brei herum reden, vielmehr sollten Sie mit Ihrem Kind die konkrete Mobbingsituation besprechen und alle wichtigen Informationen einholen: Wie kam es zu dem Mobbing? Was ist vorgefallen? War Ihr Kind der Initiator oder eher ein passiver Mitgänger?

In diesem ersten Gespräch mit Ihrem Kind sind einige Dinge wichtig:

Verharmlosen oder entschuldigen Sie die Situation nicht, sondern erklären Sie Ihrem Kind, warum sein Verhalten falsch war.

➤ Beziehen Sie klar Stellung und lassen Sie keinen Zweifel daran, dass Sie solch ein Verhalten weder gutheißen noch tolerieren.

➤ Stellen Sie sich aber auch nicht gegen Ihr Kind. Reagieren Sie nicht mit Vorwürfen, sondern machen Sie ihm klar, dass sein Verhalten zwar nicht richtig ist, Mama und Papa es dafür aber nicht weniger lieb haben. Auch wenn Sie wütend und entsetzt über das Verhalten Ihres Kindes sind, machen Sie sich klar, dass Mobbing auch immer etwas über den Mobber aussagt. Häufig ist es Ausdruck der eigenen gefühlten Unzulänglichkeiten. Viele Mobber mobben, um sich selbst nicht mehr so klein und unzureichend zu fühlen. Dieses Gefühl müssen Sie aufgreifen anstatt es noch zu verstärken, indem Sie Ihr Kind auf „Liebesentzug“ setzen. Sagen Sie also: „Ich hab dich ganz doll lieb, das weißt du, aber dein Verhalten hier auf dem Spielplatz fand ich gar nicht gut. Das ist nicht ok.“. Wichtig: Vergleichen Sie Ihr Kind dabei nicht mit anderen Kindern (zum Beispiel Geschwistern).

➤ Gehen Sie gemeinsam auf Ursachensuche und überlegen Sie sich zusammen Lösungen. Ist es zum Beispiel so, dass Ihr Kind sich den Respekt von anderen wünscht, dann sollten Sie gemeinsam herausfinden, wie es diesen bekommen kann, ohne dafür andere klein zu machen.

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Kampf gegen Mobbing – Tipps für den Alltag

Stellt sich tatsächlich heraus, dass Ihr Kind andere Kinder mobbt, müssen Sie dieses Verhalten gezielt angehen und gemeinsam aus der Welt schaffen. Unsere Tipps dafür:

Empathie fördern: Bereits im Kindergartenalter sollten Sie beginnen, Ihr Kind für wichtige Themen wie Mobbing zu sensibilisieren. Besonders gut funktioniert das mit Hilfe der passenden Lektüre. Bücher, in denen Kinder Mobbingszenarien mitmachen müssen und sie am Ende gemeinsam lösen, helfen Ihrem Nachwuchs, sich in die Lage der betroffenen Kinder zu versetzen und zeigen Möglichkeiten auf, wie sich das Problem lösen lässt. Auch gut: Rollenspiele, in denen Ihr Kind sowohl die Rolle des Opfers als auch des Täters übernimmt und dann über seine Gefühle in jeder Rolle spricht.


Buchtipps zum Thema Mobbing
  • 1 / 4
    "Sonst bist du dran"

    Von Renate Welsh. Für Kinder ab 9 Jahren. Erschienen im Arena Verlag.

  • 2 / 4
    "Mit dem spielen wir nicht!"

    Von Sylvia Schopf. Für Kinder ab 4 Jahren. Erschienen bei Annette Betz ein Imprint von Ueberreuter Verlag.

  • 3 / 4
    "Irgendwie Anders"

    Von Kathryn Cave. Für Kinder 4 Jahren. Erschienen im Oetinger Verlag.

  • 4 / 4
    "Als die Raben noch bunt waren"

    Von Edith Schreiber-Wicke. Für Kinder ab 4 Jahren. Erschienen im Thienemann Verlag.


Vorbild sein: Ihr Kind lernt von Ihrem Verhalten, gehen Sie also mit gutem Beispiel voran. Das heißt einerseits, dass Sie sich Lästereien und dergleichen besser verkneifen, andererseits heißt das aber auch, dass Sie Ihrem Kind gegenüber immer einen vertrauensvollen und liebevollen Umgang wahren sollten. Seien Sie immer verlässlich, immer konsequent. Das hilft Ihrem Kind nicht nur, sich an Ihrem Verhalten zu orientieren, sondern auch, sein Selbstbewusstsein und seinen Selbstwert zu steigern. Veränderungen oder Verärgerungen mach Ihrem Nachwuchs so weniger zu schaffen.

Konsequenzen aufzeigen: Mobbing ist ein Fehlverhalten, auf das eine Konsequenz folgen muss – auch damit Ihr Kind die Schwere seiner Tat begreift. Achtung: Konsequenz heißt nicht gleich Bestrafung. Eine Konsequenz kann und sollte beispielsweise ein Gespräch inklusive Entschuldigung mit dem betroffenen Kind sein – das mag zwar unangenehm für Ihr Kind sein, hilft ihm aber die Situation zu konfrontieren und sie vielleicht mit anderen Augen zu sehen.

Verständnis zeigen: Ja, es ist schwer, aber auch hier gilt: Erinnern Sie sich daran, dass Mobbing meist ein Ventil für andere Emotionen ist. Versuchen Sie deswegen, gemeinsam Wege zu finden, unterbewusste Ängste oder Wünsche anzugehen. Finden Sie Möglichkeiten, wie Ihr Kind Frustrationen anders abbauen kann. Sport kann dabei helfen oder eine besondere Pflicht oder Aufgabe. Wenn Ihr Sohn zum Beispiel zum Hasen-Beauftragten wird und sich nun um alles rund um das Langohr kümmern muss, kann ihm diese Kleinigkeit schon etwas mehr Erfüllung und Selbstbewusstsein geben.

Suchen Sie das Gespräch: Nicht nur mit Ihrem Nachwuchs, sondern auch mit der Lehrkraft, den Eltern des betroffenen Kindes und ggf. einem Psychologen.

Gegen den Gruppenzwang stärken: „Dazugehören zu wollen“ ist wohl einer der häufigsten Gründe, warum Kinder zu Mobbern oder Mitläufern werden. Das kennen schließlich auch wir Erwachsene: Es ist schwierig, sich gegen eine Gruppe zu stellen, vor allem, wenn man selbst Angst hat, zum Außenseiter zu werden. Hier ist es einerseits wichtig, das Mitgefühl Ihres Kindes zu stärken. Denn, da es ja selbst kein Außenseiter werden möchte, ist ihm natürlich klar, dass diese Rolle nicht gut ist. Trotzdem verbindet Ihr Nachwuchs sein Verhalten vielleicht nicht mit seinen Ängsten und realisiert nicht, dass das gemobbte Kind genau das erlebt, vor dem Ihr Kind solche Angst hat – und Ihr Nachwuchs daran schuld ist. Versetzen Sie Ihr Kind also bewusst in die Lage des anderen.
 
Andererseits müssen Sie auch das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken und ihm klar machen, dass Freundschaft unmöglich darin begründet sein kann, andere auszugrenzen. Im Gegenteil: Wahre Freunden sollten nie von einem verlangen, andere fertig zu machen oder etwas zu tun, das man nicht möchte. Machen Sie Ihr Kind also stark. Bringen Sie ihm bei, Nein zu sagen, sich durchzusetzen und für seine Prinzipien einzustehen.

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von Nicole Metz




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