Aufschieberitis: Wenn Kinder immer alles aufschieben

Viele Kinder erledigen unangenehme Aufgaben lieber später. Ab wann der Hang zum Aufschieben bedenklich wird und was dagegen hilft.


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„Das mach ich morgen…“



Aufschieberitis


© Thinkstock
Kommt Ihnen die Aussage nicht auch bekannt vor? Psychologe und Buchautor Hans-Werner Rückert hat das Aufschiebeverhalten von Kindern und Erwachsenen untersucht und weiß: Schnelles Einschreiten bei „Aufschieberitis“ ist in jedem Fall empfehlenswert, denn ungeliebte Aufgaben liegen zu lassen, ist ein Muster, das man sich regelrecht antrainieren - und leider nur schwer wieder abgewöhnen kann.

Doch natürlich ist deshalb nicht immer gleich Sorge angebracht. So ziemlich jeder könnte Tätigkeiten aufzählen, die er stets erst erledigt, wenn Druck von außen ihn dazu zwingt, sei es nun das Abgeben der Steuererklärung oder die Erledigung lästiger Haushaltsarbeiten. Nicht weiter schlimm - solange wir rechtzeitig und ohne allzu großen Leidensdruck die Kurve kriegen.

Aufmerken sollte man, wenn die Aufschieberei den Alltag ins Schlingern bringt. Wenn Wichtiges nicht mehr in letzter Minute, sondern gar nicht mehr erledigt wird, oder wenn die Qualität der Arbeit unter dem knappen Zeitmanagement leidet. Und wenn wir uns selbst schlecht und schuldig fühlen - so wie der neunjährige Leon, der über die „vergessenen“ Hausaufgaben mindestens ebenso unglücklich ist wie seine Mutter. Doch warum hat er sie dann nicht einfach rechtzeitig gemacht?
Kinder müssen erst lernen, sich zu organisieren
Eine Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Denn für massives Aufschiebeverhalten ist in der Regel ein ganzes  Bündel von Gründen verantwortlich. „Ein Grundproblem ist oft, dass Kinder noch nicht wissen, wie man sich organisiert. Sich Dinge vorzunehmen und dann auch in einer bestimmten Frist umzusetzen, muss erst gelernt werden“, sagt Hans-Werner Rückert.

Beim richtigen Zeitmanagement ist selbstverständlich die Hilfe der Eltern gefragt. Aber auch die Schulen können etwas für die Selbstorganisation der Kinder tun, meint der Psychologe und verweist auf vorbildliche Modelle in Schweden. Hier bekommen Grundschüler jeweils die Hausaufgaben für eine ganze Woche gestellt. Wann sie was erledigen, dürfen sie selbst entscheiden und organisieren. So lernen sie schon früh, wie man sich  Arbeit sinnvoll einteilt - und was dabei alles schiefgehen kann.

Denn tatsächlich haben Kinder in den ersten Schuljahren naturgemäß ihre Probleme mit dem Zeitmanagement. Sie haben nämlich noch keine Vorstellung davon, wie lange sie für bestimmte Tätigkeiten brauchen werden. Auch das Strukturieren komplexer Aufgaben fällt ihnen schwer. Das zu bewältigende Pensum erscheint ihnen als formloser, unorganisierter Berg von Arbeit. Wie einfach es sein kann, ihn in vielen kleinen Einzelschritten zu überwinden, können und sollten Erwachsene Kindern zeigen. Es ist deshalb keine übertriebene Einmischung, wenn Eltern Kindern eine Zeit lang beim Organisieren des Tagesablaufes zur Seite stehen, häufiger mal nachfragen, wie die Erledigung von Aufgaben vorangeht, und die eine oder andere Erinnerung aussprechen. Aber damit allein ist die leidige Aufschieberitis noch nicht passé.

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