5 Tipps, mit einem schüchternen Kind umzugehen

Viele Kinder sind phasenweise sehr schüchtern, reagieren besonders ängstlich auf Fremde oder lassen Mamas Hand gar nicht mehr los. Solche Phasen sind normal in der Entwicklung. Manche Kinder sind jedoch grundsätzlich ruhiger, zurückhaltender oder schüchterner als andere. Fünf Tipps, wie Sie Ihr Kind für soziale Situationen stärken können.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Selbstbewusster im Umgang mit anderen Menschen

Schüchternheit definiert die Eigenschaft, sich im Umgang mit anderen Menschen, vor allem fremden Personen, unwohl fühlt. Zudem sind schüchterne Menschen häufig unsicher, ängstlich und treffen zögerlicher Entscheidungen. Natürlich ist nicht jedes Kind super selbstsicher, denn das ist niemand immer und überall. Doch sehr schüchterne Kinder neigen dazu, sich aus für sie schwierigen Situationen zurückzuziehen, Konfrontationen auszuweichen und so ein Verhalten zu erlernen, das zwar für den Moment leichter scheint, aber letztendlich Blockaden errichtet. Viele Kinder haben Angst, sich vor anderen Kindern lächerlich zu machen oder im Gespräch nicht die richtigen Worte zu finden. Steht zum Beispiel ein Kindergeburtstag an, wo das Kind ausschließlich den Gastgeber kennt, braucht es schon mal eine große Portion Mut, die Feier trotzdem zu besuchen. So eine Situation kann ein schüchternes Kind sehr herausfordern. Wenn die erste Hürde aber einmal überwunden ist, ist die gemeinsame Party dafür umso schöner. 

Schüchternes Kind


© iStock
Solche Erlebnisse sind es, die Ihrem Kind Selbstvertrauen geben. Es hat bewusst oder unbewusst gelernt, dass erstens nichts passiert, wenn es sich in eine herausfordernde Situation begibt und zweitens auch noch etwas Tolles entsteht, wenn es seine Schüchternheit überwindet.
Schüchtern sein ist eine Frage des Temperaments
Dabei kann Schüchternheit verschiedene Ursachen haben: Die einen „erlernen“ scheues Verhalten aufgrund schlechter Erfahrungen. Sie sind eher eingeschüchtert als schüchtern.
Bei vielen Kindern aber ist die Schüchternheit schlichtweg eine Frage des Temperaments. Das Merkmal wird von ihnen nicht sozial erworben, sondern ist wahrscheinlich bereits vor der Geburt festgelegt. Sie halten sich immer dann im Hintergrund, wenn sie unbekanntes Terrain betreten. Schüchterne Kinder verhalten sich grundsätzlich vorsichtiger, geraten nicht so schnell in Gefahr und verletzen sich seltener. Schüchternheit ist also eine Art natürliche Kindersicherung.
Man spricht hier von einem „Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt“: Das heißt, die Kinder wollen zwar gern Kontakt zu anderen aufnehmen, trauen sich aber nicht. Doch sobald die fremden Menschen zu Bekannten werden, tauen die Kleinen auf und beginnen, sich wohlzufühlen. Dann kann man die anfänglichen Leisetreter kaum noch von den Mutigeren unterscheiden.

Ob sehr schüchtern oder nicht, natürlich will jedes Kind in seiner Gänze angenommen und akzeptiert werden. Schüchternheit gehört genauso in die wunderbare Vielfalt der Eigenschaften wie alles andere und hat auch seinen Platz.

Fünf Tipps, wie Sie Ihr schüchternes Kind unterstützen können:
1. Sie kennen Ihr Kind am besten – vertrauen Sie darauf!
Als Elternteil wissen Sie genau, welche Situationen Ihrem Kind schwer fallen oder wo es gerne ausweicht oder sich zurückzieht. Dieses Wissen ist Gold wert, denn genau da können Sie Ihrem Kind zur Seite stehen und es zum Beispiel einmal mehr ermutigen und bekräftigen. Achten Sie daher darauf, in welchen Situationen Ihr Kind besonders schüchtern reagiert. Ein gutes Indiz, dass sich Ihr Kind unwohl fühlt, ist die Körpersprache:  Angezogene Schultern, der Blick auf den Boden oder wenn Ihr Kind nervös mit seinem Ärmel o.ä. spielt, sind Anzeichen, dass im Inneren Ihres Kindes gerade ein emotionaler Sturm tobt. Auch, wenn Ihr Kind nicht deutlich sagt „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin unsicher und habe Angst, dass die anderen mich auslachen“, können Sie hier proaktiv reagieren und Ihr Kind zum Beispiel an die Hand nehmen und es zu der Gruppe fremder Kinder begleiten. So gehen Sie voll auf die Gefühle Ihres Kindes ein und helfen ihm, seine Unsicherheit zu überwinden.
2. Geben Sie Ihrem Kind Raum für seine Gefühle
Es ist von großer Bedeutung, dass sich Kinder im Elternhaus sicher genug fühlen, ihre Gefühle ungefiltert zeigen und ihre Erfahrungen mitteilen zu dürfen. Wie bereits oben angedeutet, ist die Unterstützung im Moment der Unsicherheit am Wichtigsten. Daher ist es wichtig, dass sich Ihr Kind bei Ihnen anvertrauen darf, ohne für seine Gefühle verurteilt zu werden. Kindliche Ängste sind nicht immer realistisch und rational begründbar. Dennoch sind sie da und wollen beachtet werden. Seine Angst zuzugeben ist von sich aus schon schwer - für jeden. Gerade für kleine Kinder ist es auch oft schwierig, ihre Emotionen in Worte zu fassen. Umso wichtiger ist eine Atmosphäre, die all das zulässt, egal wie realistisch und begründert diese Ängste und Unsicherheiten Ihres Kindes sind.

 Das könnte Sie interessieren: Kleine Vielfühler

Manche Kinder scheinen mehr zu sehen, mehr zu fühlen, mehr nachzudenken als andere. Sie sind "hochsensibel". Ihres auch?


3. Bemühen Sie sich, die Probleme Ihres Kindes zu verstehen und anzuerkennen

Möglicherweise tun Sie sich manchmal sehr schwer damit, das Verhalten Ihres Kindes nachzuvollziehen. Wenn man selbst überhaupt keine Probleme hat, auf Menschen zuzugehen und Ihrem Kind genau das schwer fällt, ist es für uns Eltern manchmal schwierig, dem Kind den richtigen Rat zu geben. Gerade deshalb ist das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Kind so wichtig. Versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Kind so fühlt, in welcher Situation die Nervosität kommt und welche Ängste dahinter stecken. Hat Ihr Kind Angst sich zu blamieren? Nicht für voll genommen zu werden? Nicht zu genügen? Auch, wenn es Ihnen in der gleichen Situation anders gehen würde, hören Sie genau zu, bereits das hilft schon enorm. Interesse und sichtbare Empathie zeigen Ihrem Kind, dass es nicht allein ist und es in Ordnung ist, sich ab und zu unsicher zu fühlen oder Angst zu haben.
4. Helfen Sie Ihrem Kind in konkreten Situationen
Unsicherheit und Angst lassen sich am besten mit einem guten (Schlacht)plan begegnen. Steht zu Beispiel die Geburtstagsparty an, wo Ihr Kind kaum jemanden kennt und deshalb nervös ist hinzugehen, überlegen Sie sich gemeinsam konkrete Handlungsmöglichkeiten. Es könnte entweder erstmal beim Spielen zusehen, die anderen Kinder einschätzen und nach zwei Spielen einsteigen oder alternativ festlegen, dass Sie in Reichweite bleiben. Falls etwas ist, kann Ihr Kind sicher sein, dass Sie da sind. Wie die Möglichkeiten auch aussehen, es geht immer darum, die Gefühle Ihres Kindes ernst zu nehmen und sich gemeinsam der Lösung anzunähern.
5. Sammeln Sie Erfolge
Wir Menschen neigen dazu, Misserfolgen viel Aufmerksamkeit zu geben und tagelang an einer Niederlage zu knabbern, während wir Erfolge häufig gar nicht groß bemerken oder sie als selbstverständlich hinnehmen. Doch genau wie uns Niederlagen weiterbringen, haben erfolgreich gemeisterte Situationen eine große Triebkraft für die Zukunft. Deshalb ist es enorm wichtig, dass Sie und Ihr Kind sich bewusst machen, wenn es seine Schüchternheit überwunden hat. Das ist ein Erfolg! Je bewusster Ihrem Kind das wird, desto nachhaltiger wirkt dies für die Zukunft, denn Ihr Kind weiß: Das hab ich schon einmal geschafft! Loben Sie Ihr Kind bewusst, wenn es etwas getan hat, wovor es Angst hatte. Schlagen Sie ein, wenn es beim Kindergeburtstag, wo es nicht hinwollte, am Ende sogar viel Spaß hatte. Jeder Erfolg, sei er noch so klein, bringt Ihr Kind weiter!

 Das könnte Sie interessieren: Selbstvertrauen fördern

Vor allem in der Pubertät sind Kinder sehr unsicher. Hier sind 5 Tipps, wie Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken.



Sophia Gesierich

von Sophia Gesierich




mehr zum Thema
Erziehung Entwicklung Psychologie
Artikel kommentieren
Login