Wenn Kinder Streit haben

Streit ist unter Kindern keine Seltenheit. Wie Kinder lernen, Konflikte zu lösen und was Sie als Eltern bei einem Streit tun können.


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Eltern reagieren bei Streit zwischen Kindern oft zu schnell



Kinder haben Streit


© Thinkstock
Wenn Kinder streiten, liegen bei den Eltern die Nerven blank. Deshalb sprechen sie dann ein Machtwort, trennen die Streithähne, drohen, brüllen, flehen, meckern, tricksen, lenken ab und verlieren den Überblick. Eltern lassen sich im Handumdrehen in den Streit verwickeln, machen voreilig einen Schuldigen aus, entscheiden blind, wer Recht hat und präsentieren ungefragt eine Lösung für den Konflikt.

Kann man machen, aber es hilft nicht viel. Denn im nächsten Augenblick geht der Streit von vorne los. Und Gründe für Streit gibt es genug:

• Wer darf den Bagger haben?
• Wer soll der Bestimmer sein?
• Wer ist die beste Freundin?
• Wer darf mitspielen?
Schön streiten? Das geht!
So richtig schön streiten, das geht! Aber dafür brauchen Kinder eine kleine Anleitung und Eltern, die sich neutral verhalten, vermitteln und auf Regeln bestehen. Allerdings tun Erwachsene sich sehr schwer mit der gelassenen Sicht auf das Geschehen, besonders dann, wenn sich Geschwister streiten: das bringt das Wunschbild von der harmonischen Familie ins Wanken und belastet auf Dauer die Nerven.

Die Kinder selbst sehen das anders: "Streiten ist auch Spaß", versichern schon Vierjährige. Viel von dem schlechten Beigeschmack, der den Streit unter Geschwistern, aber auch den Streit unter Freunden begleitet, zeugt mehr von der Konfliktscheu der Erwachsenen als von echter Bosheit, Niedertracht und Gemeinheit. Kinder treten im Streit offen gegeneinander an - vorausgesetzt natürlich, ihre Eltern halten das aus und erlauben ihnen, Gefühle auszuleben. Auch die Ermunterung, Aggressionen in unschädliche symbolische oder kreative Bahnen zu lenken, kann viel Gutes bewirken.

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Streit unter Freunden kommt vor. Aber Kinder können ihre Konflikte gut selbst lösen, indem sie diese 5 Strategien anwenden.


Mit ihrem Hickhack führen Kinder den Eltern auch vor Augen, dass Erwachsene viel weniger friedfertig und freundlich zueinander sind, als sie wahrhaben wollen. Verlangen Eltern friedfertiges Verhalten von den Kindern, weil sie selbst so viel Mühe damit haben, Konflikte und Streit konstruktiv und einfallsreich zu lösen? Erstarren, tagelanges Angiften und böses Schweigen - das kennen Erwachsene eher von sich selbst. Im Kinderzimmer hingegen gibt es Krach, aber keinen Kalten Krieg. Kinder sind erfindungsreich und verfügen über ein breites Repertoire, sich zusammen zu streiten. 

7 Streitregeln für Kinder
  • 1 / 7
    Keine Gewalt

    Nicht mit Gegenständen aufeinander eindreschen oder mit ihnen werfen.

  • 2 / 7
    Fair bleiben

    Nicht auf Kleinere und Schwächere losgehen und nicht zu mehreren gegen einen vorgehen.

  • 3 / 7
    Emotional sein

    Gefühle sind erlaubt, Gemeinheiten aber tabu.

  • 4 / 7
    Nachgeben

    Es bricht einem keine Zacke aus der Krone, wenn man mal nachgibt.

  • 5 / 7
    Ein Ende finden

    Aufhören, wenn einer nicht mehr mitmachen will.

  • 6 / 7
    Frieden schließen

    Ein ehrenhafter Kompromiss ist immer möglich.

  • 7 / 7
    Konstruktiv sein

    Ein guter Geschwisterstreit endet mit einer Einigung, nicht mit Sieg und Niederlage.



Die Art des Streitens ist wichtig
Wenn Kinder sich mal ausdauernd streiten, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht in der Lage sind, ihren Streit selbst beizulegen. "Gerade die sozial sehr aktiven Kinder sind es, die häufiger als andere in Streitereien verwickelt sind", sagt die Diplompädagogin Mechthild Dörfler. "Bedenklicher ist eher, wenn Kinder nie in einen Streit verwickelt sind."

Auf das Wie des Streitens komme es an, nicht darauf, wie oft oder wie laut Kinder streiten. Dabei gelingen schon kleinen Kindern beachtliche Lösungen, die genauer verraten, worum es im Streit eigentlich geht. Denn häufig geht es bei genauerem Hinsehen um etwas anderes als um das, was auf den ersten Blick sichtbar wird. Hinter fliegenden Bausteinen, Gerangel um den Stuhl, gemeinen Ausdrücken und Ähnlichem stecken oft Motive, die für ein bestimmtes Alter typisch sind:

• Wer ist hier der Bestimmer?
• Wo stehe ich in der Gruppe?
• Wer darf hier was?

Das sind Streitfragen, die Spielfreunde umtreiben, ganz ähnlich wie die, über die Geschwister aneinandergeraten.

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