Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?

Warum glauben Kinder an den Weihnachtsmann? Ist das überhaupt gut? Wir klären die große Glaubens-Frage!


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"Der Weihnachtsmann ist 81 Jahre alt und wohnt in der Arktis in einem Iglu. Wenn an Weihnachten alle in der Kirche sind, kommt er mit seinem großen Schlitten. Da sind zehn große Säcke mit Geschenken drauf. Der Schlitten wird von mindestens zwölf Rentieren gezogen und Engel helfen dem Weihnachtsmann beim Geschenke verteilen.“

Weihnachtsmann mit Rentierschlitten


© Thinkstock
So malt sich Carl (8) das Prozedere an Weihnachten aus. Und wie sieht er aus? Natürlich mit rotem Mantel, roter Hose - und einem weißen Bart. Außer ihm glaubt nur noch ein anderer Junge aus seiner Klasse an den Weihnachtsmann, „die anderen glauben an Jesus oder so.“

Der Weihnachtsmann ist wichtig


Sobald Kinder ihre eigene Sprache entwickelt haben, sind sie in der Lage, Realität von Fiktion zu trennen. "Dann entwickelt sich ihre Fähigkeit zur Rationalität, die Welt zu begreifen. Und dann entwickelt sich auch die Fähigkeit das Fantastische vom Realen zu trennen", erklärt Wolfgang Bergmann, Erziehungswissenschaftler und Leiter des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover. Diese Fähigkeit spielt beim Glauben an den Weihnachtsmann allerdings keine Rolle. Beim Glauben an den Weihnachtsmann geht es nicht um Tatsachen, es geht um Fantasie, um Werte und um Familienkultur.

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Denn Fantasie ist alles. Kinder lieben es, sich neue Sachen auszudenken und in imaginäre Spielwelten einzutauchen. Und der Weihnachtsmann ist wie dafür gemacht. In vielen Versionen werden Spiele um den Weihnachtsmann inszeniert, er wird er gemalt und besungen. Carl arrangiert immer wieder mit seiner Schwester den Heiligen Abend. „Ich bin dann der Weihnachtsmann und habe einen großen roten Umhang  und die Matilda ist ein liebes Kind. Das bekommt von mir Geschenke.“ Diese Fantasien ausleben zu können, macht Kinder nicht nur glücklich, es werden auch Kreativität und Sprachentwicklung gefördert.
Der Weihnachtsmann bietet innere Sicherheit

Mädchen mit Rentiergeweih


© Thinkstock
Obwohl der Weihnachtsmann den Kindern schon seit dem 19. Jahrhundert die Geschenke bringt, ist er nicht nur Symbol des Schenkens, er bietet den Kindern eine seelische Heimat. Außerdem dient das Ausleben der Fantasien der Selbstfindung. „Wenn ich geheime Schätze über den Weihnachtsmann in mir lebendig halte, dann entfalte ich eine sprachliche und seelische Realität. Das ist ein ganz eigener Zugang zur Wirklichkeit. Das ist auch eine ganz eigene Wirklichkeit. Die bereichert und stabilisiert somit ein Kind, auch in dem Persönlichkeitsbild, das es von sich selber hat. Das bietet innere Sicherheit“, so Bergmann. Nicht nur in seiner sichernden Funktion auch als immer wiederkehrende Figur ist der Weihnachtsmann Teil der Familienkultur. Je stärker das Kind in der Familie verankert ist und Vertrauen und Bindung erfährt, umso größer ist seine Möglichkeit, die Welt wahrzunehmen und sie in Sprache auszudrücken.
Der Weihnachtsmann konkret
Soweit die Theorie, aber wie gehe ich als Mutter beziehungsweise Vater mit den Fantasien meines Kindes um? Wie gehe ich auf mein Kind ein? Muss ich es irgendwann aufklären? Und was kann ich falsch machen? Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann beantwortet die wichtigsten Fragen:

6 Fragen zum Weihnachtsmann
  • 1 / 6
    Wie lange glauben Kinder an den Weihnachtsmann?

    So mit dem siebten, achten Lebensjahr entsteht eine innere Gewissheit, so etwas wie den Weihnachtsmann kann es gar nicht geben. Dann sind Kinder in der Realität beheimatet. Aber es fehlt immer ein bisschen dieses Fantastische, das Magische, das Schöne, das Schwebende, das auch zum Leben gehört. Das fehlt. Wir ersetzen das später durch Kunst und Literatur.

  • 2 / 6
    Warum halten Kinder an dem Glauben fest?

    Das ist die Sehnsucht nach einer Heimat, in der alles seine Ordnung hat. Der Weihnachtsmann ist die große Figur, mehr als Mama und Papa oder ganz anders, die dem Heimatlichen verlässliche Züge gibt. Der Weihnachtsmann ist der Wächter dieser fantastischen Heimat. Auf solch eine Autorität möchten Kinder nicht verzichten. Kinder lieben Autorität, solange sie liebevoll ist.

  • 3 / 6
    Sollen Eltern ihre Kinder irgendwann aufklären?

    Nein, die klären sich dann schon selber auf. Erst lacht man ein wenig darüber und dann kullern eventuell doch noch ein paar Tränen. Dann tröstet man sein Kind. Anschließend verabschiedet man sich in einem Ritual, vielleicht einem Abschiedsbrief an den Weihnachtsmann, den es leider gar nicht gibt … oder etwas Ähnliches, und dann ist es gut.

  • 4 / 6
    Wie gehe ich am besten mit den Weihnachtsmann-Fantasien meiner Kinder um?

    Wenn Eltern Spaß daran haben, spielen sie mit. Das ist auch die Begabung jedes einzelnen. Nicht jeder kann das. Aber wenn Vater oder Mutter sich mit in das Spiel hinein versetzen, dann werden diese Fantasien immer mehr seelische Wirklichkeit. Diese seelische Wirklichkeit erweitert das Kind, in seinem Vorstellungsvermögen, in seinen Fantasien und in seinen sprachlichen Fähigkeiten.

  • 5 / 6
    Wie sollte ich auf keinen Fall reagieren?

    Eltern, die sich lustig machen, stiften tiefe Verwirrung und machen etwas kaputt. Solch ein Schaden sitzt tiefer als andere Kränkungen, weil der Glaube an den Weihnachtsmann mit Heimat zu tun hat. Der Weihnachtsmann behütet diese Heimat. Behütet werden und Heimat sind die tiefsten Werte, die Kinder haben. Viel mehr als Anerkennung und Wertschätzung.

  • 6 / 6
    Und wenn Schulfreunde sagen: Den gibt es gar nicht?

    Wie sollen Eltern darauf reagieren? Das hängt von vielem ab. Dafür gibt es keine allgemeine Antwort. Wenn das Kind diese Glaubensbereitschaft hat, dann würde ich die stützen. Dann können Kinder sagen, der Papa hat gesagt, den Weihnachtsmann gibt es. Kinder geben sich gerne in den Trost einer väterlichen Autorität. Sie muss aber liebevoll sein.



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