Wie Kinder in der Schule zu Außenseitern werden


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Wie Kinder in der Schule zu Außenseitern werden

Wenn ein Kind an den Rand einer Gemeinschaft gedrängt wird, ist dafür natürlich niemals ein Einzelner verantwortlich. Außenseiter werden von Gruppen gemacht, die sich dadurch selbst mehr Stabilität verschaffen wollen. „In jeder Gruppe Gleichgesinnter stecken unweigerlich auch Konkurrenzdenken oder Konfliktpotenzial. Gegen dieses Phänomen hilft nichts so effektiv wie ein gemeinsamer Gegner“, so Angelika Faas. Oft sei sogar zu beobachten, dass Gruppen sich nur über die Ausgrenzung und das Mobbing anderer definieren: „Meist fängt es damit an, dass ein Kind eine Auffälligkeit bei einem anderen benennt. Die Mitschüler haben unbewusst die gleiche Beobachtung gemacht. Wenn sie hören, wie ihre eigenen Gedanken ausgesprochen werden, fühlen sie sich erleichtert und haben den starken Drang, zuzustimmen. Auf diese Art entsteht spontan eine neue Gruppe“, erklärt die Psychologin. Aus diesem neuen Verbund wieder auszusteigen, ist für kein Kind einfach: Denn nur solange es Mitglied der Gruppe bleibt, kann es sicher sein, nicht selbst zum nächsten Opfer von Mobbing zu werden. Und die Furcht davor ist verständlicherweise groß. Zu groß, um dem Unbehagen nachzugeben, dass so manches Kind insgeheim durchaus beschleichen mag, wenn es andere hänselt oder ausgrenzt. Außenseiter müssen also selbst aktiv werden, um ihre leidige Rolle hinter sich zu lassen. Aber das ist natürlich alles andere als einfach: Wer bei Mobbing in der Schule täglich ausgelacht, angegriffen und von allen alleingelassen wird, ist nicht selbstbewusst genug, um seiner Umwelt unbekümmert und schlagfertig entgegenzutreten. Aus dieser Hilflosigkeit entsteht der Wunsch, jeglichen sozialen Kontakt zu vermeiden. Auch für Eltern und Lehrer ist es gar nicht so leicht, sinnvoll gegen Mobbing unter Kindern vorzugehen. Sie haben zwar die Autorität, ein bestimmtes Verhalten innerhalb einer Gruppe zu unterbinden, zur Integration des Außenseiters tragen sie dadurch aber nicht bei. Im Gegenteil: Wer in der Schule Mama oder die Lehrerin „vorschickt“, sinkt in der Achtung der anderen Kinder meist noch weiter. Ganz abgesehen davon, dass auch das Selbstbewusstsein des Außenseiters dabei noch weiter leidet. Bei ihm verfestigt sich lediglich das Gefühl, in einer wichtigen Lebenssituation nicht alleine klargekommen zu sein.