Wie Kinder Konflikte lösen und Streit schlichten

Kinder können Streit und Konflikte gut selbst lösen. Lesen Sie hier, welche Strategien Kinder anwenden, um Streit und Konflikte zu schlichten.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Kinder können Konflikte selbst lösen


Kinder streiten, klar. Aber sie sind auch erstaunlich gut in der Lage, ihre Konflikte selbst zu lösen. Und Kinder entwickeln dabei, ihrem Alter entsprechend, die unterschiedlichsten Strategien um einen Streit zu schlichten. Das beeindruckt auch Erwachsene: eine dritte Möglichkeit finden, wenn sich die ersten beiden nicht miteinander vereinen lassen - das macht Sinn.

Wie Kinder Konflikte lösen


© iStock
Jüngere Kinder sind zu Kompromissen noch nicht in der Lage, haben aber auch schon ganz beeindruckende Strategien, um Streit zu schlichten. Die mögen Eltern mitunter irritieren, aber „wir werden vor allem jüngeren Kindern nicht gerecht, wenn wir ihr Streit- und Konfliktlösungsverhalten aus dem Blickwinkel der Erwachsenen deuten und bewerten“, hat Professor Renate Valtin beobachtet. Die Pädagogin an der Humboldt-Universität Berlin hat 80 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren zum Thema Streiten und Vertragen befragt. Und sie hat Bemerkenswertes herausgefunden.

 Das könnte Sie interessieren: Wenn Kinder streiten

Streit unter Kindern ist keine Seltenheit. Wir geben Tipps, wie Sie sich als Eltern bei Streit unter Freunden und Geschwistern verhalten sollten.


Strategie 1: Einfach aufhören

Vor allem jüngere Kinder im Alter bis etwa acht Jahren beenden einen Konflikt oft, indem sie schlicht aufhören, sich zu streiten.
- „Einfach aufhören. Man verträgt sich und ist wieder Freund“, so lautet, ganz pragmatisch, der Lösungsvorschlag des achtjährigen Sven. Und auch für Stephan, fünf Jahre alt, ist die Sache klar: „Ganz einfach: Ich sag': ,Wollen wir uns wieder vertragen?', dann vertragen wir uns und spielen wieder.“
Strategie 2: Sich entschuldigen

Wenn eines der Kinder sich entschuldigt, ist der Steit vorbei. -
Dabei geht es bei den kleinen Kämpfern nicht unbedingt um ein Anerkennen der Schuld oder darum, Abbitte zu leisten. Auch das Entschuldigen ist eher wie eine Formel, mit der Streit beigelegt werden kann. Das geht ganz leicht, wie man in diesem Beispiel erkennen kann: Anna hat dem Nachbarskind den Flummi weggetreten, und das, wo es gerade kurz davor war, den Flummi-Dribbel-Rekord aufzustellen! „Du blöde Kuh, ich spiel' nie mehr mit dir!“ Die beiden funkeln sich an. „Entschuldigung“, murmelt Anna. Kurzels Grummeln bei der Kontrahentin. Dann: „Okay. Willst du morgen mitspielen?" Kinder sind zum Glück selten nachtragend.

7 Streitregeln für Kinder
  • 1 / 7
    Keine Gewalt

    Nicht mit Gegenständen aufeinander eindreschen oder mit ihnen werfen.

  • 2 / 7
    Fair bleiben

    Nicht auf Kleinere und Schwächere losgehen und nicht zu mehreren gegen einen vorgehen.

  • 3 / 7
    Emotional sein

    Gefühle sind erlaubt, Gemeinheiten aber tabu.

  • 4 / 7
    Nachgeben

    Es bricht einem keine Zacke aus der Krone, wenn man mal nachgibt.

  • 5 / 7
    Ein Ende finden

    Aufhören, wenn einer nicht mehr mitmachen will.

  • 6 / 7
    Frieden schließen

    Ein ehrenhafter Kompromiss ist immer möglich.

  • 7 / 7
    Konstruktiv sein

    Ein guter Geschwisterstreit endet mit einer Einigung, nicht mit Sieg und Niederlage.



Strategie 3: Sich aus dem Weg gehen
Wenn die Wut zu groß ist, geht man sich erst mal aus dem Weg. - Mit den Worten des kleinen Dirk: „Manchmal hört der Streit nicht auf, dann hau' ich lieber mal ab.“ Weggehen, bis der Zorn verraucht ist - das raten Mediatoren auch ihren erwachsenen Klienten. Denn in der ersten Aufregung fallen oft Worte, die wir später bedauern. Und bei den Kleinen fliegen dann auch schon mal die Fäuste. Wenn also zwei zankende Kinder erst mal auseinandergehen, sollten Eltern sie auch lassen. Meist finden sie ganz schnell von ganz allein wieder zusammen, in einer weniger aufgeladenen Atmosphäre.

Und genauso etwas, was viele Eltern glauben, in langwierigen Prozessen erst anerziehen zu müssen, das gelingt vielen kleinen Diplomaten ganz von allein, nämlich:
Strategie 4: Einfach mal nachgeben
Denn es gibt sie nun einmal: das letzte Bonbon, das einzige rote Rennauto, den Drachen, den nur einer an der Leine halten kann. Da kann es passieren, dass ein Kind verzichtet und sich etwas anderes sucht. „Na gut, dann nimm du den Rennwagen. Ich nehm' dafür die Polizei.“ Konflikt entschärft, und schon ist Ruhe auf dem Autoteppich. Und solange nicht immer der Gleiche nachgibt, können Erwachsene ganz entspannt zuschauen.

Und wenn die Idee nicht von allein zündet, ist das eine gute Gelegenheit, ein bisschen Konfliktlösung zu üben. Machen Sie den Kindern Angebote: Wer kann was spielen, so dass  beide zufrieden sind? Fragen Sie die Kinder, bieten Sie Alternativen an, und lassen Sie die Kleinen dann selbst entscheiden. Das schult - und kann enorm stolz machen! Und es ist ein erster Schritt in Richtung „Vertragen für Fortgeschrittene“.

 Das könnte Sie interessieren: Streiten trainiert Freundschaften

Streiten kann die Bindungsfähigkeit von Kindern und ihre Freundschaften stärken. Tipps für Streit unter Kindern und in der Familie.


Strategie 5: Den goldenen Mittelweg suchen

Der zwölfjährige Michael beschreibt das Ganze so: „Wenn einer sagt: ,Nein, wir tun es nicht!', und der andere sagt: ,Wir tun es doch!', können die beiden doch einfach bestimmen: ,Okay, wir tun es morgen.“

„Die meisten älteren Kinder erkennen, dass beide Parteien einen Beitrag zur Streitbeendigung zu erbringen haben und dass der andere in irgendeiner Form zu besänftigen ist“, erklärt Professor Renate Valtin. „Mit zunehmendem Alter wird Freundschaft als zweiseitige Beziehung gesehen und Konfliktlösung als ein Prozess des Aushandelns, der von beiden und zu beiderseitiger Zufriedenheit zu leisten ist.“
Strategie 6: Auch mal Fehler eingestehen

Die Frage, wer recht hat, spielt insbesondere bei älteren Kindern durchaus eine Rolle. Den Fehler einzugestehen, ist dann oft der einzige Weg zum Frieden. „Ich würde ihm erstmal die Meinung sagen“, beschreibt Sven, zwölf Jahre, eine solche Situation. „Und wenn er dann selber sagt ,Na gut, das war nicht richtig von mir', dann würde ich mich wieder mit ihm vertragen.“

Für Eltern ist es daher wichtig, schon früh mit ihren Kindern zu üben, dass und wie man sich entschuldigt. Denn wer nicht gelernt hat, Fehler zuzugeben, der tut sich später schwer mit dem Aussprechen von Entschuldigungen - und also damit, sich wieder zu vertragen. Auch hier gilt: Früh übt sich. Also: Fangen Sie zeitig, aber natürlich behutsam an, mit kleinen Streithammeln zu üben, wie man Konflikte löst. Und schauen Sie genau hin, wie die Kleinen das machen - wir können wirklich nur lernen dabei.

Umfrage

Dürfen sich Eltern in die Streits ihrer Kinder einmischen?






mehr zum Thema
Geschwister Erziehung Streit
Artikel kommentieren
Login