Tipps gegen das ständige Aufschieben

Durch das Aufschieben von Dingen leidet nicht nur die Qualität ihrer Erledigung, es stellen sich auch Schuldgefühle ein. Warum Kinder (und Erwachsene) dennoch unangenehme Tätigkeiten gern vor sich herschieben und Tipps, was Sie als Eltern dagegen tun können.


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Angst vor Druck fördert das Aufschieben von Aufgaben


Es lohnt sich, einen Blick auf die Tätigkeiten zu werfen, die wir mit besonderer Vorliebe vor uns her schieben. Sind es die unangenehmen, etwas langweiligen Arbeiten, wie Geschirrabwaschen oder Staubsaugen? In der Regel nicht! Die Erfahrung zeigt: Besonders häufig weichen Eltern und Kinder jenen Aufgaben aus, von denen sie sich unter Druck gesetzt fühlen - weil sie schwierig zu erledigen sind oder weil ihre erfolgreiche Umsetzung besonders wichtig genommen wird. Das Vertagen der wichtigen Tätigkeiten befreit uns zunächst aus der Drucksituation: Die Gefahr zu versagen ist gebannt - zwar nur vorerst, aber immerhin.

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Mittel- und langfristig hat das Aufschieben jedoch fast immer negative Effekte auf die Psyche. Denn wer etwas wissentlich zu spät erledigt, läuft meist mit Schuldgefühlen herum und ist deshalb angespannt und unkonzentriert. Oft leidet auch das Selbstwertgefühl: Man wirft sich vor, ein willensschwacher Mensch zu sein. Dazu kommt die unweigerliche Kritik von außen, falls wir einen Termin dann tatsächlich versäumt haben. Keine gute Voraussetzung, um die nächste wichtige Arbeit optimistischer anzugehen.
So reagieren Eltern richtig
Kindern Mut machen statt kritisieren

Warum wird die Angst vor dem Versagen überhaupt so übermächtig? „Niederlagen belasten uns, weil sie als schambehaftet erlebt werden - eine Sichtweise, die anerzogen ist“, sagt Rückert. Deshalb sei es wichtig, Kinder nicht zu hart zu kritisieren, wenn sie etwas versäumt oder nicht hinbekommen haben. Übertriebene Gelassenheit ist allerdings auch nicht angesagt: Sie wirkt auf den Nachwuchs nicht entlastend, sondern gleichgültig. Kinder wollen spüren, dass die Eltern ihre Belange wichtig nehmen - auch wenn das Kontrolle oder Kritik bedeutet. Es ist sogar möglich, dass sie absichtlich Termine versäumen, nur um zu testen, wie Mama oder Papa darauf reagieren.

➤ Keine Vorwürfe machen

 Vorwürfe und langwierige Vorhaltungen sind nicht angebracht: Das schlechte Gewissen ist meist bereits groß genug. Falsch wäre aber auch, die Sache einfach durchgehen zu lassen. „Die Eltern sollten ruhig und bestimmt klarmachen, dass es in Zukunft eine Verbesserung geben muss, und Mut machen, dass diese auch gelingen wird“, rät Rückert. „Wichtig: Vermitteln Sie, wie viel Ihnen an der Erledigung bestimmter Arbeiten liegt. So fällt es Kindern leichter, sie ebenfalls ernst zu nehmen“, rät der Psychologe. Oft wirkt auch der Anreiz einer Belohnung Wunder. Zumindest sollte sich der Nachwuchs auf ein dickes Lob freuen dürfen.

Bei dauerhaften Problemen sollten Sie gemeinsam mit ihrem Kind den Gründen nachspüren. Gibt es etwas, dass bei ihm Zukunftsängste oder Verunsicherung auslöst? Fühlt es sich zu wenig umsorgt und sucht Aufmerksamkeit? Ist eine ungute Konkurrenzsituation unter Geschwistern Schuld? Zum Glück gibt es gegen die Alltags-Verschieberitis viele gute Tricks.

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Tipps für den Kampf gegen das Aufschieben

•    Rituale unterstützen beim Einhalten regelmäßiger Alltagspflichten. Zum Beispiel: Freitag ist Zimmer-Aufräum-Tag. Danach geht's mit Papa ins Schwimmbad. Oder: Nach dem Mittagessen gibt es immer ein Viertelstündchen Pause, danach heißt's: Hausaufgaben ahoi!

•    Größere Aufgaben unterteilen - und zwar in viele kleine Einzelschritte. Gehen Sie zum Beispiel gemeinsam mit Ihrem Kind seine Hausaufgaben durch und machen Sie ihm Mut: Englisch ist gar nicht so viel, das hast du in 20 Minuten geschafft. Und deine Matheaufgaben hast du doch gestern auch ganz gut hingekriegt!

•    Besseres Zeitmanagement: Ein Zeitplan hilft Ihrem Kind, wenn besonders viele Dinge zu erledigen sind. Besprechen Sie gemeinsam, wo die Prioritäten liegen und was zuerst angepackt werden sollte. Sehr lehrreich ist es für Kinder, mal zu beobachten, wie lange sie für welche Tätigkeit brauchen. Ermuntern Sie sie also ruhig zum Blick auf die Uhr. Hektik sollte dabei natürlich nicht aufkommen!

•    Vorwürfe vermeiden: Wer etwas nicht rechtzeitig hinbekommen hat, fühlt sich meist ohnehin schlecht. Übermäßige Kritik facht nur die Angst an, beim nächsten Mal erneut zu versagen. Hilfreich ist Ursachenforschung und die Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.

•    Keine Vergleiche! Aussagen wie: „Dein Bruder schafft seine Aufgaben doch auch alleine!“ oder „Nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester, die hilft immer beim Abwaschen!“, wirken entmutigend und demotivierend - vor allem auf jüngere Geschwister, die ohnehin oft das Gefühl haben, nicht mithalten zu können.

•    Belohnungen in Aussicht stellen - das wirkt bei Groß und Klein immer noch am besten. Vermeiden sollten Sie Belohnungen während kurzer Arbeitsunterbrechungen, denn so trainiert man sich das ständige Pausemachen förmlich an.

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