
Vielbeschäftigte Kinder können unter permanentem Stress leiden. Wie Sie als Eltern Stress-Symptome bei Ihrem Kind erkennen und was Sie dagegen tun können.
Harald hat heute ein volles Programm: Flötenunterricht, Geburtstagsfeier, Fußballtraining, Mathe-Hausaufgaben. Harald ist im Stress.
Aber seine Geschichte ist zum Glück nur erfunden. Sie gehört zum Anti-Stress-Trainingsprogramm für Kinder. „Bleib locker“, das Prof. Arnold Lohaus von der Uni Marburg entworfen hat. An Figuren wie Harald sollen Kinder erkennen, was Stress ist und warum er krank machen kann.
Denn so wie Harald geht es vielen Kindern. „Freizeitstress und zu viel Angebot ohne Ruhepausen überfordern die Kinder und lösen Stress-Symptome aus“, sagt Diplom-Psychologin Heike Oberlack-Nieß aus Bergisch-Gladbach. Auch Überforderung in der Schule, Streit mit Klassenkameraden und Konflikte innerhalb der Familie machen Kindern zu schaffen.
„Die häufigsten Stress-Symptome sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gereiztheit und eine verringerte Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen“, erklärt Prof. Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.
Generell gilt: Je kleiner das Kind, desto körperlicher reagiert es auf Stress, also etwa mit Bauch- und Kopfschmerzen. Später kommen ein erhöhter Angstpegel und Anspannung bis zur Depression hinzu, wobei Mädchen sich eher verschließen und Jungen zur Agressivität neigen.
Herzklopfen, feuchte Hände, Verspannungen und ein trockener Mund können Symptome von Stress sein. Der Körper zeigt es, wenn er sich auf „Alarmstufe Stress“ einstellt. Kann er sich danach entspannen, ist das kein Problem. „Stress ist eine biologische Fluchtreaktion des Körpers“, sagt Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Der Körper produziert bei Stress verstärkt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, die sich über das Blut im ganzen Körper verteilen. „Das bewirkt einen schnelleren Herzschlag und eine erhöhte Aufmerksamkeit.“ Die Muskeln spannen sich an, der Atem geht schneller. Auch verteilt der Körper seine Flüssigkeit anders: Man merkt es an feuchten Händen und einem trockenen Mund.
Folgt nach der Anspannung eine Erholungsphase, wird die Energie wieder abgebaut und der Körper ist im Gleichgewicht. „Unser Körper ist auf Anspannung und Entspannung programmiert“, sagt die Diplom-Psychologin Heike Oberlack-Nieß. „Bei ständiger Anspannung ohne Entspannung entstehen Stress-Symptome.“ Etwa Herzklopfen, Einschlafprobleme und Angstgefühle. Entspannung nach einer Stressphase ist positiv, z.B. nach einer gut gelaufenen Klassenarbeit.

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