Ein Kind adoptieren

Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, ist eine Adoption oft die einzige und letzte Chance, eine Familie zu gründen. Die Bewerbung ist jedoch kompliziert und die Wartezeit quälend lang. Hier erfahren Sie, was Sie wissen und bedenken sollten, bevor Sie sich auf das "Abenteuer Adoption" einlassen.


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Wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappt, entsteht bei vielen Paaren Plan B: "Dann adoptieren wir einfach ein Kind!" Ganz so einfach ist es aber nicht, diesen Plan in die Tat umzusetzen: Immer weniger Kinder werden zur Adoption freigegeben, die Chancen auf ein Adoptivkind sind gering, die Hürden dagegen hoch. Die Bewerbung ist kompliziert, der ganze Bewerbungs- und Auswahl-Prozess ist äußerst langwierig, dazu kommen – zumindest bei einer Auslandsadoption - hohe Kosten. Dabei ist eine Adoption eigentlich eine tolle Sache, im Idealfall macht sie zwei Seiten glücklich: Auf der einen Seite bekommt ein Kind, das nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen kann, eine neue Familie. Und auf der anderen Seite ist eine Adoption für kinderlose Paare eine Möglichkeit, eine eigene Familie zu gründen.


© iStock

Voraussetzungen für eine Adoption

Hinweis: Wir gehen hier nur auf die gemeinsame Adoption eines Kindes ein, zu dem die Partner in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen. Bei der Adoption von Stiefkindern oder Kindern, die von einem Ehepartner bereits adoptiert wurden, gelten andere (einfachere) Voraussetzungen.

➤ Wer ein Kind adoptieren möchte (ob im In- oder Ausland spielt keine Rolle), muss geschäftsfähig und mindestens 25 Jahre alt sein. Bei Ehepartnern darf einer von beiden auch jünger sein, er muss aber mindestens 21 Jahre alt sein. Nach oben hin gibt es keine offizielle Altersgrenze, ab 35 Jahren sinken die Chancen aber deutlich.
Kinder können von verheirateten Paaren, unverheirateten Paaren und von Alleinstehenden adoptiert werden.
➤ Die Bewerber werden auf "Herz und Nieren" überprüft und auf Persönlichkeit, Gesundheit, Wohnverhältnisse, Erziehungsideale und finanzielle Aspekte hin durchleuchtet.
Was Sie vor einer Adoption bedenken sollten
● Eine Adoption gilt "für immer": Sie ist unwiderruflich und die daraus entstehende Beziehung dauert ein Leben lang. Wer ein Kind adoptiert, wird zu seinen seelisch-sozialen, rechtlichen und auch zu seinen zahlenden Eltern.

Die Adoption eines fremden Kindes darf niemals der Ersatz für ein eigenes Kind sein. Daher steht bei der Vermittlung durch die Jugendämter bzw. kirchliche Organisationen auch das Ziel im Vordergrund, für ein bereits existierendes Kind geeignete Eltern zu finden. Die Vermittlung einer Adoption dient nicht dazu, den Kinderwunsch eines Paares zu erfüllen. Bei jeder Adoption steht das Wohl des Kindes an erster Stelle.

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Wenn es nicht klappen will, leidet die Seele. Psychosoziale Begleitung kann in dieser Lebensphase helfen.


● Lassen Sie sich bei den Überlegungen, ob Sie wirklich ein Adoptivkind möchten, nicht allzu sehr von romantischen Bildern leiten. Zwar ist ein exotisch aussehendes, großäugiges Kleinkind süß – und der Wunsch verständlicherweise groß, ihm ein besseres Leben zu bieten als im Heim. Aber: Jedem, der ein Kind adoptieren möchte, muss klar sein: Jedes Kind bringt seine eigene Geschichte mit, nicht selten handelt es sich hier um eine jahrelange Leidensgeschichte mit traumatischen Erfahrungen. Je älter ein Kind bei seiner Adoption ist, um mehr haben Gesundheit und Seele bereits Schaden genommen. Die Eingewöhnung, Erziehung und der Alltag mit einem Adoptivkind kann deshalb viel Kraft kosten. Viele Adoptivkinder tun sich schwer, ihren Platz im Leben zu finden – auch wenn die neuen Eltern Unmengen an Liebe und Geduld investieren. Vor allem in der Pubertät beginnt eine schwierige Phase für Adoptivkinder.

Überlegen Sie sich, ob Sie auch wirklich bereit sind, bis zum Erwachsenenalter für Ihr potentielles Adoptivkind da zu sein – auch wenn es zu Schwierigkeiten kommt und die Entwicklung Ihres Kindes vielleicht nicht nach Ihren Vorstellungen läuft. Sind Sie bereit, sich immer hinter Ihr Kind zu stellen – zum Beispiel, wenn es auf Grund seiner Hautfarbe oder seines Verhaltens von anderen Kindern geärgert oder ausgeschlossen wird?

Eine Adoption ist ein großer Lebenseinschnitt, der eine funktionierende Partnerschaft voraussetzt und durchaus auch auf die Probe stellt. Beide sollten sich einig sein, ein Kind adoptieren und viele Jahre begleiten zu wollen. Ein Adoptivkind wird keine zerrüttete Ehe wieder ins Gleichgewicht bringen.

Planen Sie viel Zeit für das Adoptionsverfahren ein. Bei Auslandadoptionen stehen Reisen und Aufenthalte im Herkunftsland an. Nach einer erfolgreichen Adoption sollten Sie viel Zeit für die Eingewöhnung Ihres neuen Familienmitglieds einplanen. Ein Elternteil sollte erstmal nicht arbeiten und ganz für das Kind da sein.
● Informieren Sie sich gründlich über die Kultur, aus der Ihr Adoptivkind stammt.

● Bereiten Sie sich auf die Fragen Ihres Adoptivkindes vor. Irgendwann wird es wissen wollen, wo es herkommt, wer seine Eltern sind, warum es nicht bei seiner biologischen Familien leben kann etc. Das Jugendamt steht Ihnen hier als Ansprechpartner bei Fragen zur Verfügung.

● Beschäftigen Sie sich so viel wie möglich mit dem Thema Adoption! Lesen Sie Bücher und Erfahrungsberichte (siehe Buchtipps!), sprechen Sie mit Adoptionseltern und Experten.

Und: Fragen Sie sich immer wieder: Wie belastbar bin ich? Und bin ich den möglichen (und leider nicht ganz unwahrscheinlichen Problemen), die auf mich zukommen, wirklich gewachsen?
Inlands- oder Auslandsadoption?
Sie sind am Überlegen, ob Sie lieber ein Kind innerhalb Deutschlands oder lieber ein Kind aus dem Ausland adoptieren wollen? Hier haben wir alle Infos zum den Vermittlungsstellen, zum Bewerbungsverfahren und zu den Kosten aufgelistet:  Inlands- oder Auslandadoption

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