Drei-Eltern-Baby: Großbritannien sagt "ja"

Umstrittenes Signal aus Großbritannien: massiver Eingriff in das menschliche Ergbut erlaubt. Medizinischer Durchbruch oder Weg zum Designer-Baby?


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Ein Kind – drei leibliche Eltern. Was absurd klingt, ist in England jetzt offiziell erlaubt. Das britische Parlament machte am Dienstag (03.Februar 2015) als erstes Land weltweit den Weg frei, für eine spezielle Art der künstlichen Befruchtung. Zwei Frauen und ein Mann geben ihr Erbgut für ein gesundes Baby. Dadurch sollen Erbkrankheiten verhindert werden. Die Entscheidung des Parlaments ist durchaus kontrovers: Medizinischer Durchbruch oder Legitimation des Designer-Babys?

Ersatzteile für defekte Gene


In Großbritannien kommen jedes Jahr rund 125 Babys mit einer sogenannten Mitochondriopathie auf die Welt. Das ist eine schwere Krankheit, die von der Mutter vererbt wird. Der Gendefekt schädigt den wichtigsten Bestandteil der menschlichen Zelle, die Mitochondrien. Diese liefern der Zelle eigentlich die nötige Energie um zu arbeiten. Bei der Erbkrankheit Mitochondriopathie ist diese wichtige Funktion gestört. Es kommt zu lebenslangen Muskelschäden, der Gendefekt kann Epilepsie und auch Diabetes auslösen. Das war der Ansatzpunkt der britischen Forscher. Ihnen ist es gelungen, das defekte Gen in der Eizelle der Mutter zu isolieren und es durch ein gesundes Gen einer Spenderin zu ersetzen. Jeder Frau, die die Krankheit in sich trägt, kann so ein vollkommen gesundes Baby zur Welt bringen. Eine Erleichterung für betroffene Eltern? Medizinischer Größenwahn?

Das Gesetz, das dem britischen Parlament zur Abstimmung vorlag, wurde vorab heftig diskutiert – vor allem aus ethischer Sicht. "Wenn einmal diese ethische Grenze überschritten wird, wenn einmal festgelegt wird, dass es erlaubt ist, das menschliche Erbgut zu verändern, wird es schwierig, nicht die nächsten Schritte zu gehen. Und das führt und zu einer Welt, in der Babys nach Maß produziert werden“, warnt David King vom Verein Human Genetics Alert. Doch trotz vieler Einwände war das Ergebnis am Dienstag eindeutig: 382 Abgeordnete stimmten für die Erlaubnis von "Drei-Eltern-Babys", nur 128 dagegen. Bei einem so eindeutigen Ergebnis gilt die für den 23. Februar geplante Abstimmung im Oberhaus als reine Formsache. Schon ab kommenden Herbst 2015 könnten in Großbritannien also die ersten Drei-Eltern-Babys zur Welt kommen. 

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Wohin führt dieser Weg?

Ist nun wirklich der Weg von Designer-Babys aus dem Reagenzglas mit dieser Abstimmung geebnet? Der aktuelle Fall hat zumindest wieder gezeigt, dass es machbar ist. Medizinisch möglich, aber rechtlich (noch) nicht jedem erlaubt. Die Möglichkeit eines Drei-Eltern-Babys steht derzeit nur einem kleinen Kreis offen. Nur jenen Eltern, welche die Mitochondriopathie vererben könnten. Diese Krankheit zu bekämpfen, das war das Ziel der Forschung, das ist gelungen. Wohin dieser Weg führt, das bleibt noch offen. In Deutschland zumindest endet er derzeit noch in einer Sackgasse. Hierzulande ist schon die Eizellen-Spende verboten. Zumindest noch.

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