So funktioniert der „Juno Fruchtbarkeitstest“ für Zuhause

Seit November 2015 haben Frauen die Möglichkeit, ihre Fruchtbarkeitsreserve mit dem "Juno Fruchtbarkeitstest" ganz ohne Arztbesuch von Zuhause aus bestimmen zu lassen. Klingt praktisch? Mag sein, doch im Internview äußert Gynäkologe Dr. Christian Gnoth Kritik an diesem Verfahren.


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Wer die eigene Fruchtbarkeitsreserve nicht beim Arzt oder in der Klinik bestimmen lassen will, der hat seit November 2015 die Möglichkeit, das Ganze von Zuhause aus zu machen. Dr. Alexander Just, Facharzt für Gynäkologie aus Österreich hat dafür den „Juno Fruchtbarkeitstest“ entwickelt. Sein Ziel: Frauen schnell und unkompliziert eine Orientierung geben, wie lange sie noch schwanger werden können und sie davor zu bewahren, die Familiengründung zu lange aufzuschieben.


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So funktioniert der „Juno Fruchtbarkeitstest“


Der Heimtest basiert auf der Untersuchung des AMH-Werts in Kombination mit einem Fragebogen zur Lebenssituation. Für die Blutuntersuchung bestellen sich die interessierten Frauen ein Testkit mit dem nötigen Zubehör und einer Anleitung zur selbstständigen Blutentnahme und schicken es dann per Post an das Juno Institut zurück. Außerdem füllen sie einen Online-Fragebogen zu Themen wie dem Alter, der Gesundheit und den Gewohnheiten aus.

Nachdem die Daten der Blutuntersuchung und des Fragebogens gemeinsam ausgewertet wurden, erhält die Kundin ihren personalisierten Befund. „Der Algorithmus berechnet alle wissenschaftlich bekannten Faktoren viel genauer als ein Arzt das könnte.“ wird Dr. Just auf der Webseite der österreichischen Tageszeitung Kurier zitiert.

Gratis ist das Ganze natürlich nicht. Anfangs wurde der "Juno Fruchtbarkeitstest" noch für 189 Euro auf der Webseite des Juno Instituts angeboten, was Gynäkologe Priv.-Doz. Dr. Christian Gnoth damals als „unverschämt teuer“ bezeichnete. Zur Erinnerung, der Bluttest in der Frauenarztpraxis oder Kinderwunschklinik kostet zwischen 30 und 50 Euro. Liegt eine medizinische Begründung für den Test vor, wird er sogar von den Krankenkassen übernommen. Aktuell ist der Juno Heimtest für 149 Euro zu erwerben. Darin enthalten sind alle Utensilien für Blutentnahme und -versand an das Institut sowie die Auswertung und eine telefonische Beratung zum Ergebnis. Wer möchte, kann zusätzlich eine ausführliche Befundbesprechung dazu buchen, muss dafür jedoch tiefer in die Tasche greifen.
Gynäkologe äußert Kritik am Heimtest

Dies kritisiert Kinderwunsch-Experte Dr. Gnoth und betont, wie wichtig eine umfassende Beratung vor und nach einem Fruchtbarkeitstest für die Patientin ist. Dass diese Leistung beim Juno Heimtest mittels eines Fragenbogens und Telefonats erbracht werden, hält er für unzureichend. Insbesondere, dass die ausführliche Befundbesprechung nicht inklusive ist, stößt ihm sauer auf. Silvia Hecher, Geschäftsführerin des Juno Instituts, betont jedoch, dass eine umfassende Beratung zum Ergebnis sehr wohl im Angebot enthalten sei. Insbesondere auf Frauen mit einem auffälligen Befund würde man proaktiv zugehen. Natürlich sei es möglich, eine ausführlichere Besprechung des Befundes dazu zu buchen, jedoch sei es vollkommen normal, dass der beratende Arzt dafür bezahlt werden muss, das sei in der alltäglichen Praxis schließlich auch nicht anders.


Ärztliche Beratung in der Kinderwunschklinik

Eine umfassende fachliche Beratung ist unerlässlich.


© Thinkstock
An der Zuverlässigkeit des „Juno Fruchtbarkeitstests“ zweifelt Dr. Gnoth übrigens nicht. „Es gibt standardisierte Verfahren und nur wenige Anbieter für die Auswertung solcher Bluttests. Das heißt, wenn es keine Anwendungsfehler bei Blutentnahme und -transport gibt, gehe ich davon aus, dass die Ergebnisse der österreichischen Kollegen korrekt sind.“ Dennoch rät er allen Frauen, die sich bezüglich ihrer Fruchtbarkeit unsicher sind, sich in erster Linie an ihren Frauenarzt zu wenden oder eine Kinderwunschklinik aufzusuchen. „Wichtig ist ja schon der Grund, warum eine Frau den Test machen will.“, so Dr. Gnoth. „Macht sie ihn, weil sie Probleme damit hat, schwanger zu werden, ist eine fachliche Beratung beim Kinderwunsch-Experten sowieso unerlässlich, der im Zweifel selbst einen Fruchtbarkeitstest (mittels AMH-Messung und Ultraschall, Anm. Redaktion) machen würde.“ Dem widerspricht Silvia Hechler nicht und betont in dem Zusammenhang, dass das Juno Institut interessierte Frauen auch auf die Möglichkeit eines Fruchtbarkeitstests beim Gynäkologen hinweist.
Fruchtbarkeitstest beim Arzt vs. Heimtest
Was ist nun also "besser": der Fruchtbarkeitstest beim Arzt oder der "Juno Fruchtbarkeitstest" für Zuhause? Fest steht: Beide Varianten liefern bei der korrekten Durchführung seriöse Ergebnisse. Unterschiede gibt es lediglich im Preis und in der Art und Weise der Beratung. Interessierte Frauen sollten sich folgende Fragen stellen um abzuwägen, welcher Weg für sie der bessere ist:

➤ Nehme ich das Warten auf einen Termin und gegebenenfalls die Anfahrt zum Kinderwunschexperten in Kauf oder bestelle ich mir das Testkit lieber bequem nach Hause?
➤ Bin ich bereit, mindestens 149 Euro für einen Heimtest auszugeben, auch wenn der Fruchtbarkeitstest in einer Kinderwunsch-Praxis vermutlich günstiger wäre?
➤ Traue ich mir zu, mir mithilfe mit des Testkits selbst Blut abzunehmen oder könnte ich gegebenenfalls einen Arzt (kann auch der Hausarzt sein) darum bitten?
➤ Reicht mir eine telefonische Beratung nach dem Test aus oder lege ich Wert auf ein persönliches Beratungsgespräch in der Klinik bzw. Praxis?

(Stand: Oktober 2016)

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