Pflegekind aufnehmen: Neue Eltern gesucht!

Die gute Nachricht lautet: Pflegeeltern werden eigentlich immer gesucht. Denn immer mehr Kinder können nicht in ihren Familien bleiben, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Sie alle benötigen eine Familie, die sich ihrer annimmt. Mit Geduld und einem neuen, liebevollen Zuhause – sei es nur für eine bestimmte Zeit oder bis sie erwachsen sind. Allerdings müssen die Pflegeeltern neben viel Begeisterung für Kinder eines mitbringen: Belastbarkeit.


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Pflegekind: Elternschaft auf Zeit


Ein Grund für den Wunsch ein Pflegekind aufzunehmen, ist häufig ein unerfüllter Kinderwunsch, zum Teil gepaart mit den schlechten Chancen auf ein Adoptivkind. Ein Pflegekind mit in die Familie aufzunehmen kann eine sehr gute Entscheidung sein – aber nur, wenn die zukünftigen Pflegeeltern gut vorbereitet sind und mit einer großen Portion Idealismus ans Werk gehen. 

Pflegekind

Eine Entscheidung fürs Leben: Ein Pflegekind aufnehmen


© iStock
Pflegeeltern sind Eltern auf Zeit

Wenn Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern bleiben können, hat das ganz unterschiedliche Gründe: Vernachlässigung, Gewalt in der Familie, Drogenprobleme oder Krankheiten sind die häufigsten. Für diese Kinder wird eine Pflegefamilie gesucht – ein liebevolles Zuhause, in dem sie für längere Zeit betreut und erzogen werden. Die meisten Pflegekinder haben in ihrem jungen Leben schon viel Unschönes erlebt, teilweise kamen sie während der Schwangerschaft mit Alkohol oder Drogen in Berührung oder haben in den ersten Lebensjahren traumatisierende Erfahrungen machen müssen. Jetzt brauchen sie einen Familienalltag, der ihnen Halt gibt, sie brauchen verlässliche Bezugspersonen und viel Geduld, Verständnis und Liebe.
Unterschied Pflegekind - Adoptivkind
"Wir möchten ein Adoptivkind oder ein Pflegekind", so lautet häufig der Wunsch bei den Beratern beim Jugendamt. Wichtig zu wissen: Allein rechtlich gibt es hier große Unterschiede:

Adoptierte Kinder sind formal und gesetzlich alleinige Kinder der Adoptiveltern. Das Sorgerecht liegt bei ihnen, sie müssen alleine für den Unterhalt des Kindes sorgen. Anders bei einem Pflegekind: Hier liegt das Sorgerecht weiterhin bei den leiblichen Eltern oder beim Jugendamt. In Angelegenheiten des täglichen Lebens dürfen sie allerdings eigenständig entscheiden. Wenn Sie ein Pflegekind bei sich aufnehmen, bekommen Sie vom Jugendamt Pflegegeld bezahlt. Die Beträge sind abhängig vom Alter des Kindes, dem Wohnort der Pflegefamilie und dem Bedarf des Kindes (ca. 700 bis 900 Euro). Genaue Informationen hierzu erhalten Sie über das zuständige Jugendamt.

➤➤ Gut zu wissen: Da Vollzeitpflegestellen von den Jugendämtern häufiger gesucht werden als Adoptiveltern, sind die Chancen, ein Leben mit Kindern zu realisieren, auf diesem Weg größer.
Welche Schwierigkeiten können auftauchen?
Familien, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren, haben vorab oft keine Vorstellung, wie schwer es diese Kinder in ihrem bisherigen Leben hatten – und was das für die ganze Familie bedeutet. Wenn Sie überlegen, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen, sollten Sie darüber lange und ausführlich nachdenken und sich ausführlich beraten lassen. Welche Motive stehen für Sie im Vordergrund? Trägt die ganze Familie Ihre Entscheidung mit? Eine wichtige Entscheidungshilfe sind Kontakte zu anderen Pflegeeltern. Suchen Sie hier den Austausch und versuchen Sie, sich vorab ein möglichst genaues Bild zu machen, was als Pflegefamilie auf Sie zukommen könnte. Kontakte vermittelt Ihnen das Jugendamt.
Das gilt es unbedingt zu bedenken
➤ Auch wenn in der Herkunftsfamilie vieles nicht so lief wie es sollte: Eltern sind Eltern – und das Pflegekind, das nicht mehr bei seiner richtigen Mama und Papa lebt, vermisst diese. Selbst wenn es dort gravierende Probleme mit Gewalt, Drogen oder Vernachlässigung gab. Das müssen die neuen Eltern, d.h. die Pflegeeltern immer im Hinterkopf haben.

➤ Pflegekinder benötigen besonders viel Liebe, Verständnis, Sicherheit und Unterstützung. Geduld und Toleranz sind die Voraussetzung, dass das Zusammenleben mit dem Pflegekind funktioniert. In vielen Fällen reicht da nicht die kleine Portion, sondern die große wird benötigt.

➤ Jedes Kind hat eine Geschichte. Die des eigenen kennen die Eltern vom ersten Tag an. Die des Pflegekindes ist eine große Unbekannte. Zudem bringen die Kinder aufgrund der bisherigen Lebensumstände Verhaltensmuster mit, die viel Fingerspitzengefühl in der Erziehung nötig machen. Viele Pflegekinder gieren nach Zuwendung, weil sie bislang zu wenig davon bekommen haben. Andere wiederum sind unnahbar und verschlossen. Viele Kinder haben Entwicklungsrückstände.

➤ Für die Pflegekinder ist die Trennung von den leiblichen Eltern meist nicht verständlich. Sie fühlen sich schuldig, ungeliebt und hilflos. Die Tatsache, dass sie zwei Elternpaare haben - die leiblichen und die Pflegeeltern – kann zu Konflikten führen. Das Pflegekind fühlt sich hin und hergerissen, fühlt sich nirgendwo so richtig zu Hause.

➤ Die meisten Pflegekinder benötigen weiterhin den Kontakt zu den leiblichen Eltern. Das sollten Sie vorab wissen – und bereit sein zu unterstützen.

Ein Pflegeverhältnis kann ganz unterschiedlich lange dauern. Unter Umständen bleibt das Kind bis zu seiner Volljährigkeit in der Pflegefamilie. Es kann aber durchaus auch sein, dass sich die Situation in der Herkunftsfamilie wieder so stabilisiert, dass das Kind wieder zu seinen leiblichen Eltern ziehen kann. Diese Unsicherheit ist schwer auszuhalten und sollte von vornerein bei der Entscheidung mitberücksichtigt werden.

➤ Sind schon Kinder in der Familie, reagieren diese oft mit Eifersucht auf das neue Familienmitglied.
Was sind die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Pflegekindes?
Anders als bei einer Adoption ist die Lebensform der Eltern nicht entscheidend: Die Pflegeeltern müssen nicht verheiratet sein, auch Singles und gleichgeschlechtliche Paare können ein Pflegekind aufnehmen – egal welche Nationalität und Religionszugehörigkeit sie haben. Ob die Familie schon Kinder hat, spielt ebenfalls keine Rolle. Allerdings sollte der Altersunterschied nicht größer sein als bei einem natürlichen Eltern-Kind-Verhältnis.

Weitere Voraussetzungen:
● Gesicherte finanzielle Verhältnisse
● Mindestalter: 25 Jahre
● Genug Wohnraum
● Die Pflegeeltern müssen genug Zeit haben. Ein Elternteil sollte sich überwiegend um die Versorgung und Erziehung des Kindes kümmern. Während der Eingewöhnungszeit sollte auch ein Teilzeitjob ruhen und die Pflegemutter oder der Pflegevater Elternzeit nehmen.
● Ein polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden.

Wie läuft die Bewerbung für die Aufnahme eines Pflegekindes?
Wer sich überlegt, ein Pflegekind aufzunehmen, wendet sich am besten ans Jugendamt. Dort bekommen Sie eine ausführliche Beratung über die verschiedenen Formen der Pflege (von der Bereitschaftspflege  bis zur unbefristeten Vollzeitpflege). Der nächste Schritt ist dann ein Seminar zur Motivationsabklärung. Wenn das Amt Sie als potentielle Pflegeeltern akzeptiert (keine Angst, das ist allermeist der Fall!!), gilt es genau abzuklären, was Ihre Vorstellungen sind, welche Stärken und welche Schwächen Ihre Familiensituation mit sich bringt – und welches Kind am besten zu Ihnen passen könnte. Bis ein passendes Pflegekind gefunden wird, kann es einige Monate dauern. Nicht anders als bei einer Schwangerschaft, die ja auch ihre Zeit dauert…

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