Social Freezing – Kinderwunsch auf Eis gelegt

Ein neuer Trend aus den USA: Eizellen einfrieren und bei Kinderwunsch wieder auftauen. Wie Social Freezing funktioniert und welche Chancen und Risiken es mit sich bringt.


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Kind oder Karriere? Haben Sie sich schon entschieden? Die Frage, die sich viele Frauen stellen, könnte durch einen neuen Trend aus den USA endgültig der Vergangenheit angehören. Denn das sogenannte Social Freezing könnte eine Revolution darstellen – und das Kind-Karriere-Dilemma lösen, zumindest vorübergehend.

Kinderkriegen: Kein Muss, aber eine Entscheidung


Social Freezing


© Thinkstock
Seit der Einführung der Antibaby-Pille 1960 müssen sich Frauen zwar nicht mehr zwischen Enthaltsamkeit und Kinderkriegen entscheiden. Aber dafür müssen sie bis heute wissen, wann für sie der richtige Zeitpunkt für die Karriere und wann fürs Kinderkriegen ist - auch im Zeitalter von Elterngeld, Erziehungsurlaub für Väter und Rechtsanspruch auf den Kitaplatz. Und immer häufiger siegt zunächst die Entscheidung für den Job, mit weitreichenden Folgen. Vor allem bei gut ausgebildeten Frauen: Rund 30 Prozent der Akademikerinnen zwischen 45 und 49 Jahren in Deutschland sind kinderlos.


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Das Kind wird in der Lebensplanung einfach immer weiter aufgeschoben. Oft so lange, bis es irgendwann nicht mehr so einfach oder unmöglich ist, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Der Erfolg auf der beruflichen Ebene hat manchmal auch einen bitteren Preis, denn die biologische Uhr tickt unerbittlich. Denn wenn Frau dann innerlich bereit ist für ein Kind, kooperiert der Körper möglicherweise nicht mehr. Der Grund liegt in der begrenzten Anzahl an Eizellen, über die eine Frau verfügt. Von rund 400.000 Eizellen, die zu Beginn der Pubertät vorhanden sind, verliert jede Frau jährlich etwa 12.000. Und irgendwann ist der Vorrat eben verbraucht.
Dafür gibt es jetzt Abhilfe mit einem neuen Trend aus den USA: der Kryokonservierung, auch Social Freezing genannt. Bei dieser Methode werden unbefruchtete Eizellen vorsorglich und ohne medizinische Indikation eingefroren – eben aus sozialen Gründen. Klingt auf den ersten Blick nach einer perfekten Alternative für alle Frauen, in deren Lebensplanung Kinder noch keinen Platz haben oder die sich, aus welchen Gründen auch immer, für einen späteren Kinderwunsch absichern möchten. Doch ist diese Methode tatsächlich die perfekte Lösung des Kind-Karriere-Dilemmas? Wie funktioniert das Social Freezing genau? Für wen ist es geeignet, und was kostet es?
Wie funktioniert Social Freezing?

Früher war die Kryokonservierung von Eizellen ausschließlich krebskranken Frauen vorbehalten. Bei einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung wird die Eizellreserve einer Frau oft vollständig vernichtet – und damit auch die Chance auf ein leibliches Kind. Dass diese Art der Reproduktionsmedizin bis vor kurzem nur für einen bestimmten Kreis von Frauen gedacht war, lag daran, dass sie nicht nur teuer, sondern auch unsicher und wenig erfolgversprechend war.

Erst im Oktober 2012 wurde von der Amercian Society for Reproductive Medicine verkündet, dass sich die Kryokonservierung weiblicher Eizellen nicht mehr im experimentellen Stadium befindet. Den Durchbruch brachte eine neue Gefriermethode, die Vitrifikation. Das Zellmaterial wird dabei in flüssigen Stickstoff getaucht, der eine Temperatur von minus 196 Grad Celsius hat. Die stark wasserhaltigen und sehr empfindlichen Eizellen werden mit extrem hoher Geschwindigkeit eingefroren. Dadurch wird verhindert, dass sich scharfkantige Eiskristalle innerhalb der Eizelle bilden, die die Zellmembran beschädigen können. Die Zelle wird in einen glasartigen Zustand versetzt, alle physikalischen Prozesse werden damit angehalten. Sie kann so über Jahrzehnte sicher konserviert werden.


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Um an gesunde, konservierungsfähige Eizellen einer Frau zu gelangen, werden im Vorfeld der Behandlung die Eierstöcke durch Hormongaben stimuliert – vergleichbar mit der Behandlung bei einer Kinderwunschbehandlung oder einer künstlichen Befruchtung. Dadurch wachsen gleichzeitig bis zu 30 Eizellen heran, nicht nur eine Einzige wie während eines normalen Zyklus. Das Wachstum wird mittels Ultraschall überwacht. Sind die Follikel reif, werden sie mit einer Spritze unter einer kurzen Vollnarkose aus den Eierstöcken abgesaugt. Um gute Chancen auf eine spätere Befruchtung zu haben, sollten mindestens  15 bis 20 gesunde Eizellen vitrifiziert werden.



von Evelyn Hosse




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Kommentare
  • Linalei

    Ich habe auch in den Nachrichten davon gehört und gelesen. Ich persöhnlich finde die Idee, später Kinder zu bekommen um erstmal Karriere zu machen, nicht schlecht, jedoch würde ich nie so einen Eingriff meinerseits vornehmen lassen, da es für mein Empfinden unnatürlich ist.

    • Aria

      Ja, aber das Problem liegt nicht nur darin, dass die Frauen die Schwangerschaft wegen Karriere verschieben. Eizellen gehören leider zu den empfindlichsten Zellen des menschlichen Körpers. Sie sind vergleichsweise riesig und voll mit ebenso empfindlichen Stoffen. Es gab daher bis vor wenigen Jahren noch gar keine funktionierende Technik, sie einzufrieren und auch wieder unbeschadet aufzutauen. Nach dem Auftauen sind die Eizellen stark geschädigt. Die Befruchtung mit frischen Eizellen ist mehr erfolgreich.