TESE und MESA: Kosten und Risiken

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch haben Anspruch auf Unterstützung durch ihre Krankenkassen. Details zu den Kosten der TESE und MESA und mit welcher Kostenübernahme Sie rechnen können, lesen Sie hier.


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Kosten der operativen Samengewinnung


Die Kosten von TESE und MESA variieren von Klinik zu Klink. Sie liegen in etwa zwischen 800 Euro und 1.500 Euro. Dazu kommen eventuell noch die Kosten zur Lagerung der entnommenen Samen. Ebenso müssen natürlich die Kosten für die künstliche Befruchtung hinzugerechnet werden. Inklusive der vorausgegangenen Hormonbehandlung der Eierstöcke liegen diese im Schnitt bei etwa 5.000 Euro. Leider ist nicht davon auszugehen, dass die Kinderwunschbehandlung gleich bei dem ersten Versuch ein Erfolg ist. Die sogenannte Baby-Take-Home-Rate, wie Reproduktionsmediziner es nennen, ist weit geringer, als die meisten denken: Sie liegt in Deutschland pro IVF- bzw. ICSI-Versuch bei ungefähr 15 bis 20 Prozent. Es können also durchaus mehrere Versuche notwendig werden. Was natürlich auch bedeutet, dass sich die Kosten addieren.

Grundsätzlich ist es aber so, dass ungewollt kinderlose Paare einen Anspruch darauf haben, dass sich die Krankenkassen an den Kinderwunschbehandlungen beteiligen. So gehört auch die ICSI zum Leistungskatalog der Krankenversicherungen – natürlich unter gewissen Voraussetzungen. Bei den Methoden TESE und MESA ist die Faktenlage etwas undurchsichtiger und von Kasse zu Kasse verschieden. Häufig wird die Entnahme der Samen nur als Teil der künstlichen Befruchtung angesehen und daher nicht separat von den Kassen berücksichtigt. Fragen Sie aber am besten direkt bei Ihrer Krankenkasse nach. An welchen Kinderwunschbehandlungen sich gesetzlich und private Kassen auf jeden Fall beteiligen und in welchem Umfang, das können Sie hier nachlesen ➤ Kinderwunschbehandlung: Die Kosten

Nach wie vor ist die wichtigste Voraussetzung einer Unterstützung durch die Kassen ein Trauschein. Die Sonderleistungen der Krankenkassen bleiben also verheirateten Paaren vorbehalten. Um diese Bevorzugung auszugleichen, brachte die Bundesregierung Anfang des Jahres 2016 ein neues Gesetz auf den Weg, wonach auch unverheiratete Paare Anspruch auf finanzielle Unterstützung haben. Solange die Krankenkassen nicht auch unverheirateten Paaren die teuren Behandlungen mitfinanzieren, müsse der Bund dies tun, so Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig damals.

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Ab sofort erhalten auch unverheiratete Paare finanzielle Hilfe für künstliche Befruchtungen. Alle Infos zur neuen Regelung.


Die Risiken der Behandlung

Es ist also durchaus nicht unbegründet, wenn auch immer wieder die hohen Kosten einer Kinderwunschbehandlung als Risikofaktor aufgeführt werden. Ein Wunschbaby auf medizinischem Wege zu bekommen, ist eine große finanzielle Belastung. Und eine Garantie, dass es klappen wird, gibt es dennoch nicht. Das belastet nicht nur den Geldbeutel sondern auch die Psyche. Zudem soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei Kinderwunschbehandlungen im Allgemeinen eine größere Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft besteht. Diese geht einher mit einem erhöhten Risiko von vorzeitigen Wehen und Frühgeburten.

Es gibt allerdings weitere kritische Aspekte, die speziell bei einer Befruchtung mit operativer Samengewinnung durch eine TESE/MESA und der ICSI-Methode auftauchen können. Das Fehlbildungsrisiko von ICSI-Kindern ist leicht erhöht, auch wenn sich die allermeisten Kinder ganz normal entwickeln. Da die ICSI als Methode der Reproduktionsmedizin erst seit den frühen Neunzigerjahren angewendet wird, gibt es bisher kaum Langzeitstudien, die eine Aussage über auftretende Missbildungen oder mentale Krankheitsbilder bei ICSI-Kindern treffen können. Was es gibt, sind viele Erfolgsgeschichten von Paaren, die Mut machen. Und an diesen sollten Sie sich auf jeden Fall zunächst orientieren. Behalten Sie aber bitte auch Ihre eigenen Grenzen – körperlich wie finanziell – vor Augen. Es gibt immer einen Weg zum Familienglück, auch wenn dieser vielleicht in eine Richtung führt, an die Sie zunächst noch nicht gedacht haben.

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