TESE und MESA: Mit operativer Samengewinnung zum Wunschkind

Wenn keine Spermien im Ejakulat zu finden sind, gilt der Mann eigentlich als unfruchtbar. Zwei Methoden können trotzdem zu Nachwuchs verhelfen: TESE und MESA.


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Ist ein Mann unfruchtbar – das heißt, wenn in seinem Ejakulat zu wenig oder keine Spermien vorzufinden sind – dann ist eine natürliche Befruchtung undenkbar. Dennoch muss der Traum von einem leiblichen Kind nicht unerfüllt bleiben: TESE und MESA machen das möglich. TESE ist die Abkürzung für Testikuläre Spermienextraktion, MESA steht für Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration. Beides beschreibt eine medizinische Methode, um den für die Zeugung notwendigen Samen direkt aus dem Hoden bzw. dem Nebenhoden des Mannes zu entnehmen. Mit diesem wird die Eizelle der Frau dann künstlich befruchtet. Das heißt, TESE und MESA funktionieren immer nur in Kombination mit einer ICSI-Therapie. Kein leichter Weg zum Wunschkind, schließlich ist er für den Mann und die Frau mit operativen Eingriffen und Hormonbehandlungen verbunden.

Was sind die Voraussetzungen?



Operativer Eingriff Samengewinnung


© Thinkstock
Daher bildet eine sorgfältige Diagnostik auch die Grundlage für diese Behandlung. Geprüft wird beim Mann, ob die Spermien aufgrund eines Verschlusses der Samenwege nicht ins Ejakulat gelangen, was zum Beispiel bei einer irreversiblen Vasektomie, einem durchtrennten Samenleiter zum Zweck der Sterilisation der Fall ist. Oder ob bereits die Produktion der Spermien in den Hoden gestört ist und daher eine Unfruchtbarkeit vorliegt. In seltenen Fällen kann auch wegen einer Querschnittslähmung eine Ejakulationsstörung vorliegen. Aufgrund von genetischen Defekten, Krebsbehandlungen oder einer Mukoviszidose können die Samenleiter fehlen oder in ihrer Funktion stark beeinträchtigt sein.

Besteht der Verdacht auf erbliche Ursachen, wird meist vor einer Kinderwunsch-Behandlung noch ein Gentest empfohlen, um zu vermeiden, dass eventuelle genetische Defekte auf das Kind übertragen werden. Je nach Diagnose wird dann entschieden, ob die Samengewinnung mittels TESE oder MESA stattfindet. Der Unterschied der Methoden liegt darin, woraus genau der Samen  entnommen wird. Bei TESE wird die Samenzelle aus dem Hoden entnommen, bei MESA direkt aus dem Nebenhoden.
MESA: Samengewinnung aus dem Nebenhoden
In den Nebenhoden des Mannes werden in feinen Kanälen die gereiften Spermien gespeichert. Sind die Samenwege jedoch verschlossen und können sie nicht wieder operativ durchgängig gemacht werden, können keine Spermien ins Ejakulat vordringen. Mit einer Mikrochirurgischen Epididymalen Spermienaspiration können Spermien direkt aus den Nebenhodenkanälchen gewonnen werden. Unter Vollnarkose werden dabei mithilfe einer feinen Kanüle bewegliche Spermien abgesaugt. Meist werden sie anschließend „gewaschen“, das heißt nach Qualität aussortiert und in einer konzentrierten Samenlösung eingefroren (kryokonserviert).
TESE: Samengewinnung aus dem Hodengewebe
Bei einer Testikulären Spermienextraktion werden die Spermien aus dem Hodengewebe entnommen. Ist die Spermienproduktion so gestört, dass keine oder zu wenig Spermien gebildet werden, lassen sich unter Umständen trotzdem im Gewebe des Hodens Spermien aufspüren und extrahieren. Der Eingriff erfolgt ambulant und mit örtlicher Betäubung. Es werden dabei aus beiden Hoden drei oder mehr Gewebeproben entnommen. Finden sich darin befruchtungsfähige Spermien, wird das Gewebe eingefroren. Leider kommt es aber auch vor, dass bei einer TESE aus dem Gewebe keine Spermien extrahiert werden können. Der Mann ist dann definitiv unfruchtbar.

Mit welcher Methode die Samen gewonnen wurden, ist für die weitere Kinderwunsch-Behandlung egal. In beiden Fällen wird nach der Entnahme eine künstliche Befruchtung mit einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion durchgeführt. Mehr Infos über den genauen Ablauf einer ICSI und wie Sie sich das Paar darauf vorbereiten müssen, lesen Sie hier: ICSI - Hilfe bei Unfruchtbarkeit beim Mann.

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Mögliche Nebenwirkungen der OP

Da es sich sowohl bei TESE als auch MESA um operative Eingriffe handelt, bestehen natürlich die üblichen Operations- und Narkoserisiken. Die Eingriffe selbst werden unter Narkose oder lokalen Betäubung durchgeführt und sind daher nicht schmerzhaft. Allerdings können Hoden und Hodensack ein paar Tage nach der OP etwas schmerzen und es kann sich ein Hämatom bilden. Nach einer TESE kann es außerdem unter Umständen zu einer Verkleinerung einer oder beider Hoden kommen. In Extremfällen ist auch das Absterben eines Hodens möglich – was aber sehr selten ist. Eher häufig, in etwa zehn Prozent der Behandlungen, kommt es zu einer vorübergehenden Verringerung der Testosteronproduktion. Für gewöhnlich steigt die Testosteronproduktion der Hoden aber innerhalb eines Jahres wieder auf ein normales Niveau. Grundsätzlich ist es ratsam nach den Eingriffen für ein bis zwei Wochen auf sexuelle Aktivitäten zu verzichten.



von Evelyn Hosse




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