Wenn es nicht klappt: Adoption?

Adoption, Glück der anderen Art. Familienleben mit Kind, das ist auch möglich, wenn man nicht selbst ein Baby zur Welt bringt.


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Kinderglück ohne Schwangerschaft



Adoption oder Pflegekind?

Abschied von der 'Normalfamilie'.


© Thinkstock
Das geht auch. Entweder indem man ein Kind adoptiert oder es zur Pflege aufnimmt – in beiden Fällen ist der Großteil der Kinder älter als ein Jahr. Eine Adoption ist unwiderruflich und die daraus entstehende Beziehung dauert ein Leben lang. Wer ein Kind adoptiert, wird zu seinen seelisch-sozialen, rechtlichen und zahlenden Eltern.

Pflegeeltern übernehmen 'nur' die seelisch-soziale Aufgabe. Ein Pflegekind bleibt mit seinen leiblichen Eltern gesetzlich verwandt, selbst wenn denen die Elternrechte teilweise oder ganz entzogen wurden. Während Adoptiveltern und ihre Kinder eine private Familie sind, erfüllen Pflegeeltern einen öffentlichen Auftrag für das Jugendamt. Sie erhalten Unterhalt für das Kind und etwas Erziehungsgeld für ihre pädagogische Leistung. Manche Pflegekinder leben über mehrere Jahre, manchmal bis zur Volljährigkeit und darüber hinaus bei den Pflegeeltern. Einige bleiben für eine kürzere Zeit, bis die krisenhafte Situation im leiblichen Elternhaus beendet ist.

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Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, ist eine Adoption oft die letzte Chance auf das Familienglück.


Eine Adoption ersetzt das leibliche Kind nicht

"Es ist wichtig, dass Eltern um ihr nie geborenes Kind trauern und nicht hoffen, dass das angenommene Kind diese Lücke füllen könnte.", sagt die Expertin Irmela Wiemann. Denn es ist etwas anderes, selbst ein Kind zu bekommen, über das man sein eigenes Leben weitergibt, oder sich für eine Adoption zu entscheiden. Außerdem hat dieses Kind leibliche Eltern. Diese sollten immer einen Platz im Leben des Kindes behalten.

Unterschätzt werden bei einer Adoption manchmal die komplizierten Verhaltensweisen der Kinder und die Herausforderungen im Alltag. "Es ist beachtlich, was Adoptiv- und Pflegeeltern leisten: Eine Eltern-Kind-Bindung zu entwickeln, zu einem Kind, das anderswo Eltern hat, ist nicht immer einfach", sagt Wiemann. 

Adoptierte Kinder können eigenes Kind nicht ersetzen.

3888 Kinder wurden 2009 adoptiert (1025 aus dem Ausland, 2011 Stiefeltern-Adoptionen). Bei den Vermittlungsstellen lagen 7139 Bewerbungen vor.


Interview: "Ausnahmefamilien"

Die Diplom-Psychologin Irmela Wiemann berät seit vielen Jahren Pflege-, Adoptiv- und Herkunftsfamilien. Wir sprachen mit ihr über Adoption und Pflege fremder Kinder.

Was sollten Paare vor der Adoption unbedingt bedenken?

Wer mit Adoptiv- oder Pflegekindern leben will, sollte sich darauf einstellen, eine 'Ausnahmefamilie' zu sein. Denn sehr wahrscheinlich hat man es mit einem seelisch früh verletzten, möglicherweise traumatisierten Kind zu tun. Solche Kinder sehen die Welt mit anderen Augen als wir, sie haben Bindungsängste und ein größeres Autonomiebedürfnis. Das ist im Alltag nicht immer leicht. In der Schule integrieren sich die Kinder oft nicht so gut, ihre frühe Gewissensbildung ist meist nicht so ausgeprägt wie bei Kindern, die in ihrer ersten Lebenszeit sicher gebunden und behütet waren. Das kann bei annehmenden Eltern zu Enttäuschungen führen.

Brauchen Adoptiv- und Pflegekinder eine andere Erziehung?

Auf jeden Fall! Durch ihre frühen Stresserfahrungen können sie nicht durch Konsequenzen oder Strafen lernen. Sie brauchen um ihre frühen Verletzungen einen schützenden Verband aus vielen kleinen und großen glücklichen Erfahrungen. Es gibt heute gute Unterstützungsangebote für Eltern, die helfen, mit den besonderen Bedürfnissen dieser Kinder feinfühlig umzugehen.

Welche Eigenschaften sollten aufnehmende Eltern mitbringen?

Sie sollten optimistisch, belastbar, psychisch stabil, kreativ und nicht leicht kränkbar sein und ihr Bindungsangebot auch dann aufrechterhalten können, wenn sich das Kind abweisend oder kränkend verhält. Sie brauchen Geduld und einen langen Atem und die Fähigkeit, manchmal auch Distanz zum Geschehen einzunehmen. Kurzum: Sie sollten ein Fels in der Brandung sein.

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Ein Pflegekind aufzunehmen ist eine sehr schöne, aber weitreichende Entscheidung, die gut überlegt sein sollte.



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