
Jährlich erleben rund 15000 Kinder einer Scheidung der Eltern. Wie Kinder nach einer Scheidung glücklich aufwachsen können.
Während einer Scheidung verlieren die Eltern nicht nur ihrer Beziehung, sondern sind in den allermeisten Fällen zusätzlich mit der Sorge um ihre Kinder belastet: Wie verarbeiten sie die Schiedung ? Es gibt Studien, die belegen, dass Trennungskinder langfristig beispielsweise Schwierigkeiten in Beziehungen haben, aber ebenso solche, die nachweisen, dass Kinder gut in der Lage sind, eine Scheidung und andere Krisen zu bewältigen und sogar daran wachsen. „Diese Ergebnisse müssen kein Widerspruch sein“, sagt Matthias Ochs. „Denn beides trifft zu: Scheidungen können unter bestimmten Umständen manche Kinder nachhaltig und langfristig in ihrer Entwicklung schädigen. Aber weit häufiger sind Kinder in der Lage, gut damit umzugehen.“
Wie Kinder die Scheidung der Eltern verarbeiten, hängt vor allem davon ab, wie die Scheidung verläuft und wie die Eltern anschließend miteinander umgehen. Wesentliche Schutzfaktoren für Kinder sind ein regelmäßiger Kontakt zu beiden Eltern, und dass die Ex-Partner es schaffen, das Konfliktniveau niedrig zu halten.
„Kinder müssen unter der Trennung der Eltern nicht leiden – es gibt Wege, sie glücklich aufwachsen zu lassen. Getrennt leben, aber gemeinsam erziehen, das ist möglich“, meint der Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo. Damit genau das gelingt, hat die Scheidungsforscherin Sabine Walper von der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit ihren Kollegen das Kursprogramm „Kinder im Blick“ entwickelt. Es richtet sich an Eltern, die sich trennen und wissen wollen, wie sie ihrem Kind nach der Scheidung helfen können, sich fröhlich und gesund zu entwickeln, oder wie sie in der schmerzhaften Zeit der Scheidung eine gute Beziehung zu ihm pflegen.
In einer Langzeitstudie stellte die Familienforscherin fest, dass Kinder nicht am meisten unter einer Scheidung, sondern unter einem nicht endenden Kriegszustand der Eltern leiden. Die amerikanische Scheidungsforscherin E. Mavis Hetherington von der Uni Virginia sagt dazu: „Viele der Anpassungsprobleme von Eltern und Kindern, die wir der Scheidung zuschreiben, sind in Wirklichkeit schon vorher entstanden.“ Nicht die Scheidung selbst also, sondern das, was ihr vorausgeht – viel Streit und ein eisiges Familienklima –, verursacht bei Kindern Schäden.

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