Interview mit Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck


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Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck Thema: Partnerarbeit und das Lernen in Gruppen

Familie&Co: Worin besteht der Vorteil der Partner- und Gruppenarbeit gegenüber dem einsamen Pauken und Hausaufgabenmachen?
Prof. Struck:
Kinder lernen am besten durch Reden, Handeln und zu zweit. Da in Lernpartnerschaften und -gruppen oft schwache, durchschnittliche und gute Schüler zusammenarbeiten, lernen sie viel durch Reden und Fragen, durch Um- und Irrwege sowie durch Handeln und gegenseitiges Helfen. Erklärt ein Schüler etwas dem anderen, kommt es zu so genannten „mitreißenden Effekten“ - und zwar auf beiden Seiten: Der gute Schüler erreicht durch das Erklären einen besseren Abstraktions- und Vertiefungsgrad und erwirbt soziale Kompetenzen, während der schwächere Schüler es toll findet, dass sich ein Gleichaltriger um ihn bemüht und ihm etwas beibringt. Allgemein gilt, dass Kinder von Gleichaltrigen mehr und besser lernen als von noch so klugen und pädagogisch versierten Erwachsenen. Wie können Eltern, Erzieher und Lehrer die Kooperationsfähigkeit der Kinder möglichst früh fördern?
Indem sie die Kleinen schon vor der Einschulung so oft wie möglich gemeinsam spielen, bauen und malen lassen. Auch die Partnerarbeit im offenen Unterricht und in der zur Lernwerkstatt weiterentwickelten Grundschule fördern die Fähigkeit zur Kooperation und Teamarbeit. In welchem Umfang sollten sich Eltern in die Partner- und Gruppenarbeit einmischen?
Die Erfahrung zeigt, dass sich Kinder sehr schnell an die neue Lernsituation gewöhnen. Wird beim ersten und zweiten Mal noch viel herumgekaspert, so gelingt das Lernen bei den Folgetreffen immer besser. So mag es ganz am Anfang nötig sein, dass sich Mutter oder Vater ermahnend einschalten. Etwa vom 20. Mal an gelingt die Partnerarbeit dann sogar, ohne dass ein Erwachsener in der Wohnung ist. Wie sollten Eltern mit fertigen Hausaufgaben und gemeinsam erarbeiteten Ergebnissen umgehen?
Da zum Lernen auch das Präsentieren gehört, ist es wichtig, dass sich Eltern nach Abschluss der Partnerarbeit die Hausaufgaben oder das gemeinsam verfasste Referat zeigen lassen, das Ergebnis loben, korrigieren und ein Feedback geben, so dass die Kinder auf ihre Leistung stolz sein können. Respekt und Wertschätzung wiederum erhöhen den Lernerfolg, indem sie die Kinder ermutigen, ihre Ergebnisse zu präsentieren. Wie wichtig das Darstellen der eigenen Leistung nach außen ist, zeigen Untersuchungen von Lernpsychologen: Kinder lernen durch Präsentieren neunmal so viel wie durch Zuhören. Warum glauben so viele Eltern, ihre Kinder sollten die Hausaufgaben besser alleine machen?
Das hängt meistens mit eigenen Erfahrungen im traditionellen Schulsystem zusammen. Da war bzw. ist es die Regel, dass die Kinder vormittags im Klassenverband belehrt werden und am Nachmittag allein oder mit Unterstützung eines Elternteils ihre Hausaufgaben machen. Nur: Heute funktioniert diese Form der Halbtagsschule nicht mehr. So konkurrieren die Hausaufgaben am Nachmittag mit dem multimedial vernetzten Kinderzimmer, der Clique oder dem Treffen in der Fußgängerzone. Gerade gegen diese vielfältigen Formen der Ablenkung und Zerstreuung können Lernpartnerschaften und Hausaufgabengruppen ein wirksames Mittel sein.