Die 17. Woche schwanger: Stress pur

Zuviel Stress, zuviel Gedanken - einfach alles zuviel. In dieser Tagebuchfolge geht es nicht so lustig zu.


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17. SSW: Zuviel Stress auf einmal


Während die letzten Wochen eher entspannt verliefen, fing ich doch so langsam an die Schwangerschaft mehr und mehr zu realisieren. Die erste Kindsbewegung in der 16. SSW war für mich ein kleiner Meilenstein, welcher dazu beigetragen hat, dass die ganze Schwangerschaft realer wurde. Auch wenn viele jetzt vielleicht denken mögen, dass man es in der 17. SSW doch so langsam mal begriffen haben sollte mit dem Schwangersein. Nein, mir ging es nicht so. Theoretisch natürlich schon, aber praktisch war es nicht ganz so einfach. Es erschien mir immer noch alles wie ein Film, bei dem ich nach wie vor nur eine Nebenrolle spielte. So lange ich kaum etwas spüren oder sehen konnte, war das alles noch sehr weit entfernt. Meinem Freund ging es da nicht anders. Er bekam von all dem ja noch weniger mit. Mein Frauenarzt meinte zu mir, dass Männer, für die das Ganze sowieso sehr schlecht nachvollziehbar sei, auch meistens erst ihre Denkweise ändern, sobald ein sichtlich runder Bauch zu erkennen sei. Dann ist die Frau wirklich "schwanger" und wird plötzlich ganz anders wahrgenommen. Diese Erfahrung habe auch ich gemacht.

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Genauso war es auch auf der Arbeit. Ich arbeite überwiegend mit Männern zusammen und für sie war das Ganze lange Zeit nicht wirklich real. Sie wussten zwar von der Schwangerschaft, aber so lange nichts zu sehen war, war ich nach wie vor die "Alte". In ihren Augen demzufolge auch genauso belastbar wie vorher. Es wurde, gerade in den ersten Monaten, wenig Rücksicht auf mich genommen. Ich konnte die Aussage meines Arztes somit absolut bestätigen. Anfangs stellte das auch noch kein Problem dar. Aber mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft wurde es immer anstrengender.
Arbeit für drei

Bisher sah man mir auch in der 17. SSW leider noch nicht wirklich etwas an. Der Bauch war ein ganz kleines bisschen speckiger als sonst, mehr aber auch nicht. Von einem Schwangerschaftsbäuchlein also noch keine Rede. Innerlich hingegen spielten die Hormone oft PingPong mit mir. Zu meiner ohnehin schon ständigen Müdigkeit und Sensibilität kam oft noch der eigentliche Arbeitsstress hinzu, der mich zeitweise ziemlich auslaugte. Es gab Tage, an denen hätte ich ein ganzes Imperium alleine leiten können und es gab Tage, an denen mir selbst das Abrufen meiner Emails zu viel wurde. Die Arbeit musste trotzdem gemacht und die Projekte betreut werden. Gerade in den Projekthochzeiten lagen die Nerven ziemlich schnell blank. Worauf, wie schon gesagt, aber keiner wirklich Rücksicht nahm. So kam es auch immer mal wieder zu Zickereien und Streitereien zwischen mir und meinen Kollegen. Mein Fell war zu dieser Zeit leider etwas dünner als sonst und so nahm ich mir selbst die kleinsten Bagatellen sehr schnell zu Herzen. Nicht selten hatte ich das ein oder andere Tränchen im Auge, während ich hinter meinem Bürotisch saß.

Stress ahead!


© Thinkstock
Das belastete mich zunehmend. Leider konnte ich das nicht auf der Arbeit lassen und so nahm ich den Ärger auch noch mit nach Hause. Hier ging es dann gleich weiter, da die Laune natürlich im Keller war. Also hatte ich auch hier keinen Ausgleich. Es war wie ein Teufelskreis, der mir immer mehr zusetzte. Oft saß ich einfach nur fertig und erschöpft da. Zu dieser Zeit konnte ich meine Schwangerschaft überhaupt nicht genießen. Mir blieb keine Zeit, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Das machte mich oft sehr traurig. Außerdem machte ich mir Vorwürfe, weil ich mich nicht mit meinem "Kind" beschäftigte. Ich las keine Babybücher vorab, legte mich mit  keiner Spieluhr auf dem Bauch ins Bett oder machte Schwangerschafts-Yoga. Nichts. Ich hatte zu nichts Lust und ließ einfach Tag für Tag verstreichen, in der Hoffnung, dass auch wieder bessere Tage kommen würden.

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Alle um mich herum redeten immer wieder auf mich ein. Ich solle mich jetzt um mich kümmern und einen Gang runter schalten. Auch mein Freund versuchte mir das immer wieder begreiflich zu machen. Aber es fruchtete irgendwie nicht. Es wurde einfach nicht besser. Ohne es zu bemerken, fing ich an in eine Art Schwangerschaftsdepression zu fallen. Ich wollte plötzlich nicht mehr. Konnte mich nicht mehr freuen und alles wurde zu viel. Ich hatte Angst dem nicht gerecht zu werden, eine schlechte Mutter zu sein, weil ich es jetzt schon nicht hinkriege, alles unter einen Hut zu bekommen ...
Ist der Stress schlecht fürs Baby?
Nach ein paar Wochen raffte ich mich auf und hielt mit meinem Arzt Rücksprache, inwieweit sich der Stress und das Tief auf mein ungeborenes Kind auswirken könnte. Zu meiner Beruhigung erklärte er mir, dass der Stress nicht dem Baby, sondern hauptsächlich mir schaden würde. Beruhigung ist jetzt vielleicht der falsche Begriff, aber ihr wisst wie ich das meine. Mir zu schaden, ist weniger schlimm, als dem Baby zu schaden. Das war zumindest mein erster Gedanke. Das sehe ich heute auch anders und habe mittlerweile daraus gelernt. Letztendlich würden wir aber beide an den Folgen des Stresses zu knabbern haben. Beispielsweise wenn ich ein Magengeschwür durch das Ganze bekäme. (Jetzt mal vom Schlimmsten ausgegangen) 

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Aber der Stress geht nicht direkt auf das Baby über, wie ich anfangs dachte. Ich habe oft davon gelesen, dass viel Stress z.B. zu hyperaktiven Kindern führen kann. Aber hier kam auch ich immer wieder zu der Erkenntnis, dass die Leute wirklich viel schreiben, wenn der Tag lang ist. Fakt war aber dennoch, dass Stress nicht gut war und das aufhören musste. Ich musste aus diesem Tief wieder heraus und redete offen darüber, wie es mir geht. Zum Glück habe ich viele tolle Freunde und eine tolle Familie. Sie versuchten mich in der Zeit sehr zu unterstützen, ich wurde z.B. lecker bekocht, sie unternahmen lange Spaziergänge mit mir oder hörten mir einfach nur zu. Das half ungemein.

Als letztes sprach ich mit meinem Chef offen über die Situation. Ich machte klar, dass ich jetzt auf mich und das Baby achten müsse. Dieses Gespräch war wirklich notwendig und hatte auch den gewünschten Effekt. Nachdem ich offen mein Herz ausschüttete und erklärte, dass gerade alles zu viel für mich wurde, kam auch hier die Einsicht. Die Situation änderte sich nach und nach zum Positiven. So machte auch die Arbeit wieder Spaß und es konnte produktiv weitergehen. Im Endeffekt hätte ich schon viel früher etwas sagen müssen.

Ich wollte mich anfangs selbst nicht so in den Mittelpunkt drängen. Nicht dass am Ende noch der Eindruck entstehen könnte, dass ich meine Schwangerschaft als Ausrede benutze, um mich darauf auszuruhen. Das wollte ich tunlichst vermeiden, und so wartete ich leider bis es schlussendlich zu viel wurde. Im Endeffekt ein Fehler. Ich hätte mir selbst viel Stress und Ärger ersparen können.

Habt ihr auch solche "Tiefpunkte" in der Schwangerschaft erlebt? Ich freue mich auf eure Meinungen, Erfahrungen und Kommentare!

Alle Folgen meines Schwangerschaftstagebuchs findet ihr auf der Themenseite "Schwangerschaftstagebuch" hier bei familie.de
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Eure Daniela




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