Angst vor der Geburt? Was Sie tun können

Angst vor dem Ungewissen, den Schmerzen. Davor, dass es etwas schief geht. Wenn der Countdown zur Geburt läuft, sind diese Gefühle ganz normal. Hebamme Jana Friedrich gibt Tipps, wie Sie damit umgehen.


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Woher kommt die Angst? Und: Ist sie berechtigt?


Schwanger werden und Kinder zur Welt bringen ist das Natürlichste auf der Welt - sozusagen die Quintessenz des Lebens an sich. Und noch nie waren die äußeren Bedingungen für eine Geburt so gut wie heute in den westlichen Ländern. Trotzdem wird der Geburtsvorgang oft als ein unglaubliches Risiko wahrgenommen. Normale Geburten werden immer seltener, Ängste und Verunsicherungen wachsen. Dabei ist über die Jahre zu beobachten, dass das Sicherheitsbedürfnis proportional zum Bildungsniveau wächst. Aber ist die natürliche Geburt denn ein echtes Risiko? Vielleicht ...


„... das System belohnt die größtmögliche Sicherheit - nicht die größtmögliche Natürlichkeit bei der Geburt. ...”

von Jana Friedrich

Fakt ist, dass es die absolute Sicherheit niemals geben wird und nicht alle Sicherheitsvorkehrungen den Geburtsvorgang besser machen. Für Geburtshelfer gibt es allerdings juristische Konsequenzen, wenn sie sich nicht an die geburtshilflichen Standards halten. Das heißt, das System belohnt die größtmögliche Sicherheit - nicht die größtmögliche Natürlichkeit bei der Geburt. Vor dem Hintergrund wird immer häufiger Schema F bei der Entbindung angewandt, die individuellen Entscheidungskorridore der Frauen werden enger. Und führen immer öfter in den OP.  Nachgewiesen ist jedoch, dass mehr Kaiserschnitte nicht automatisch zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen führen*.

Aus meiner Arbeit in der Schwangerschaftsberatung kann ich bestätigen: Fragt man die Frauen nach ihren Wünschen zur Geburt, sagen die meisten: "Ich möchte erstmal alles so natürlich wie möglich haben." Wenig später kommen allerdings die ersten Bedenken: Angst vor Schmerzen, Sorge um die Gesundheit des Kindes, Angst um die eigene Unversehrtheit Versagensangst; Angst, etwas Unbekanntem ausgeliefert zu sein - und nicht zuletzt Angst vor dem Kontrollverlust. Wenn diese Sorgen auf die oben genannten Befürchtungen der Geburtshelfer prallen, wird eine natürliche Geburt immer unwahrscheinlicher, Interventionen rücken in den Fokus.

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Angst vor Geburtsschmerzen & Versagen

Was also tun?
Am besten im Vorfeld die Ängste und Unsicherheiten bestmöglich entkräften! Angst vor der Geburt zu haben, ist ganz normal. Schließlich weiß man nicht wirklich, wie es werden wird und was ganz genau auf einen zukommt. Wichtig ist, sich nicht von seinen Ängsten lähmen zu lassen. Erfahrungsgemäß verlieren Ängste ihren Schrecken, wenn man sie sich genauer ansieht.

Die häufigsten Ängste, von denen mir Schwangere erzählen, sind zum Beispiel der Geburtsschmerz und die Angst vor dem Versagen. Hier helfen beruhigende oder Mut machende Mantren, die man immer wieder aufsagt, bis sie verinnerlicht sind. Hier einige Anregungen für solch Positiv-Gedanken:

Positive Gedanken gegen die Angst
  • 1 / 5

    Ich bin stark!

  • 2 / 5

    Mein Körper ist dafür gemacht, eine Geburt zu meistern!

  • 3 / 5

    Ich kann das. Mein Körper kann das!

  • 4 / 5

    Mein Partner steht mir bei. Er stützt mich mental. Er glaubt an meine Kraft.

  • 5 / 5

    Ich glaube an meine Kraft!


In meiner 16-jährigen Arbeit als Hebamme habe ich immer wieder erlebt, dass Schwangere, die bewusst die klare Entscheidung treffen, der Kraft ihres Körpers zu vertrauen, den Schmerz sehr gut bewältigen. 
Angst vor Geburtsverletzungen

Ebenfalls weit verbreitet ist die Angst vor Verletzungen. Schürfungen und Risse kommen recht häufig bei der Geburt vor, jedoch sind Dammschnitte nur selten wirklich nötig. Der Dammriss klingt schlimmer als er eigentlich ist und verheilt in den meisten Fällen schnell und komplikationslos. Besonders wenige Verletzungen sind bei Wassergeburten zu beobachten. Wahrscheinlich, weil das warme Wasser entspannend auf die Muskulatur wirkt und zu einer guten Dehnung des Gewebes beiträgt. Vorbeugen kann man Dammverletzungen auch wunderbar mit einer Dammmassage. Der Damm wird dadurch weicher, dehnungsfähiger und deutlich besser durchblutet, was die Chance unbeschadet durch die Geburt zu kommen auf jeden Fall erhöht.

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Reden Sie über Ihre Ängste!

Für eine schöne Geburt sind völlige Hingabe und ein Loslassen wirklich hilfreich. Zu versuchen, die Kontrolle beim Geburtsvorgang zu behalten ist dagegen eher kontraproduktiv. Daher empfehle ich, das Geburtshelfer-Team so auszusuchen, dass man sich vertrauensvoll hingeben kann. Der Partner übernimmt den Job des "Aufpassers" und ist der Beschützer deiner Intimität. Falls die Offenheit dafür nicht reicht oder es sonst irgendwie nicht passt, rate ich es mutig und direkt anzusprechen. Manchmal ist es überraschend, wie leicht sich Ängste auflösen lassen, wenn man darüber redet.


„Angst vor der Geburt zu haben, ist ganz normal. Schließlich weiß man nicht wirklich, was ganz genau auf einen zukommt. Wichtig ist, sich nicht von seinen Ängsten lähmen zu lassen....”

von Jana Friedrich

Grundsätzlich finde ich es gut und richtig, Eventualitäten, die einen beschäftigen, einmal zu durchdenken. Es ist vollkommen in Ordnung, Ängste zu haben oder unsicher zu sein. Es kann hilfreich sein, die Sorgen auszusprechen oder aufzuschreiben. Dann lässt sich das Risiko abwägen und ein Masterplan für den Fall der Fälle entwickeln.

Hier ein Beispiel: Wenn die Geburt ungünstig verläuft und plötzlich ein Kaiserschnitt notwendig wird, dann werde ich: traurig sein; eine Narbe haben; in der selben Situation wie 30 Prozent aller deutschen Mütter sein, ich bin also nicht allein damit; sicher irgendwann meinen Frieden damit finden. Und so weiter…
Die Angst vor der Geburt loslassen

Wenn alle Szenarien durchgespielt sind, ist es gut, die Gedanken einfach wieder gehen zu lassen oder zu versuchen sie aktiv und bewusst wegzuschieben. Wenn das nicht gelingt, empfehle ich noch mal mit der Hebamme über das Thema zu sprechen. Auf dem Weg kann man etwas über die Ängste herausfinden und damit bis zur Geburt arbeiten.

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Buchtipp: Das Geheimnis einer schönen Geburt


Das Geheimnis einer schönen Geburt von Hebamme Jana Friedrich


Seit knapp vier Jahren teilt die Berliner Hebamme Jana Friedrich ihr
Wissen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt & Wochenbett ihrem Blog. Jetzt  gibt es ihr zweites eBook - "Das Geheimnis einer schönen Geburt" mit den besten Tipps und Anregungen aus sechzehn Jahren Berufspraxis als Hebamme. Dazu kommen fünf praktische Arbeitsblätter zum Ausdrucken. Mit dabei ist ein Geburtsplan, ein Fragebogen an die Klinik oder das Geburtshaus bzw. Hebammenpraxis und vieles mehr. "Das Tolle ist, dass es mit der richtigen Vorbereitung durchaus möglich ist, seiner persönlichen Traumgeburt sehr nahe zu kommen - oder sie genau so zu erleben wie man sie sich wünscht!“, so Jana Friedrich.

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* Rund 33 % der Kinder kommen in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt – maximal 15 % hält die WHO überhaupt für gerechtfertigt. Laut einer Studie (von Helmers & Schücking 2005) wünschen sich allerdings nur 3,8 % der Frauen primär einen Kaiserschnitt.



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