Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Wir geben hier einen kurzen Überblick über das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft. Erfahren Sie, welche Arbeiten erlaubt und welche verboten sind und wann das sogenannte individuelle Beschäftigungsverbot zur Anwendung kommt.


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Endlich: Nach 65 Jahren gibt es eine Neuregelung des Mutterschutzgesetzes. Das wird sich ändern.


Das allgemeine Beschäftigungsverbot im Überblick

Kurz und knapp: Das Beschäftigungsverbot ist ein Teil des Mutterschutzgesetzes (MuSchG). Sprich: Auch das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft schützt Ihre Gesundheit und die Ihres Babys - und zwar mit etlichen Gesetzespunkten. Darin sind ganz genau diejenigen Arbeiten festgelegt, die Schwangere nicht mehr ausüben dürfen. Vorwiegend sind das Tätigkeiten, die körperlich anstrengend sind, ein hohes Gefahrenpotential haben oder ein hohes Verletzungsrisiko bergen. Im Detail ist Folgendes gesetztlich verboten:

• Arbeiten, bei denen Schwangere schädlichen Einwirkungen von gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Strahlen, von Staub, Gasen oder Dämpfen, von Hitze, Kälte oder Nässe, von Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt sind.
• Arbeiten, bei denen Schwangere einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
• Arbeiten mit erhöhten Unfallgefahren, insbesondere der Gefahr auszugleiten, zu fallen oder abzustürzen.
• Arbeiten, bei denen regelmäßig schwere Lasten getragen werden müssen (regelmäßig 5 Kilo oder gelegentlich 10 Kilo)
• Arbeiten, bei denen Schwangere sich häufig strecken oder beugen oder bei denen sie dauernd hocken oder sich gebückt halten müssen.
• Arbeiten an Geräten und Maschinen mit hoher Fußbeanspruchung.
• allgemein die Arbeit am Fließband und Akkordarbeit.
• Arbeit an Sonntagen, Feiertagen und Nachtarbeit zwischen 20 und 6 Uhr. Ausnahmen bestehen in der Gastronomie, Krankenpflege, Landwirtschaft und im Showgewerbe.

Diese Tätigkeiten fallen von Anfang an unter das Beschäftigungsverbot für Schwangere. Einige andere Verbote greifen erst mit fortschreitender Schwangerschaft. So sind...

• nach dem dritten Monat Arbeiten auf Beförderungsmitteln (Taxen, Busse und Bahnen etc.) verboten und
• nach dem fünften Monat sind Arbeiten verboten, bei denen Sie ständig stehen müssen (max. vier Stunden täglich sind erlaubt).

Schwangere bei gefählricher Arbeit an der Säge


Sonderregelungen auch für Erzieherinnen

Natürlich, das Beschäftigungsverbot soll Schwangere schützen. Aber es liest sich auch wie eine lange Liste an "Das darfst du nicht". Verständlich, dass manche Frauen sich deswegen benachteiligt fühlen. Schließlich sind sie "nur" schwanger und deswegen nicht etwa arbeitsunfähig. Doch daran ist nicht zu rütteln. Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich an den Mutterschutz und damit auch an das Beschäftigungsverbot zu halten. Wenn es möglich ist, dann kann der Arbeitgeber seiner schwangeren Mitarbeiterin einen alternativen Arbeitsplatz anbieten - eben ein Platz fernab der genannten Gefahrenquellen. Oft sind das zum Beispiel Tätigkeiten in der Verwaltung.

Seit 2005 gilt außerdem die sogenannte EU-Biostoffverordnung. Sie ist vor allem für Schwangere im medizinischen Bereich, für Pflegepersonal und für Erzieher relevant. Denn laut der Verordnung sind auch Kitas, Kindergärten, Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Kliniken und Arztpraxes als Risiko-Arbeitsplatz einzustufen. Schwangere müssen einen ausreichenden Immunschutz nachweisen können, sonst bekommen sie Beschäftigungsverbot. Gerade typische Kinderkrankheiten wie Mumps. Masern, Röteln, Windpocken sind für das Ungeborene sehr gefährlich, erhöhen das Fehlbildungsrisiko, das Risiko für Früh-, Fehl- oder Totgeburten. Das heißt, auch ein genauer Blick in den Impfpass ist für das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft unter Umständen ganz entscheidend.

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Persönliches Beschäftigungsverbot mit ärztlichem Attest

Aber neben diesen allgemeinen Regelungen und Verboten wird auch auf die individuellen Bedürfnisse von Schwangeren eingegangen. Schließlich verläuft nicht jede Schwangerschaft genau gleich und die Schwangerschaftsbeschwerden können Frauen unterschiedlich stark belasten. Dann kann das persönliche Beschäftigungsverbot zum Tragen kommen. Schwangere haben die Möglichkeit, sich von ihrem Arzt eine Bescheinigung ausstellen zu lassen: Darin bestätigt er ihnen, ob und warum sie bestimmte Arbeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben dürfen.

Beispiele für ein individuelles Beschäftigungsverbot sind starke und lang anhaltende Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen, starke Rückenschmerzen vor allem gegen Ende der Schwangerchaft aber auch eine Überempfindlichkeit gegenüber starken Gerüchen, denen Sie auf der Arbeit permanent ausgesetzt sind.

Übrigens: Egal ob individuelles oder generelles Beschäftigungsverbot, Ihr Gehalt bekommen Sie weiterhin von Ihrem Arbeitgeber bezahlt. Sie sind also auch finanziell abgesichert, wenn Sie nicht mehr arbeiten dürfen.




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