Geburt ohne Hebamme: Ein trauriges Gedankenspiel

Wie wäre die Geburt ohne Hebamme verlaufen? Ein trauriges Gedankenspiel zu dem Bloggerin Perlenmama mit #ohneHebamme aufruft. Doch es könnte sich bewahrheiten, wenn die Krankenkassen an ihrem Kurs festhalten.


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Wie wäre die Geburt ohne Hebamme verlaufen? Es ist ein trauriges Gedankenspiel. Aber die aktuellen Entwicklungen machen es notwendig, sich darüber erneut Gedanken zu machen. Denn der Beruf Hebamme hat nach wie vor keine guten Zukunftsaussichten.

Um auf dieses wichtige Problem aufmerksam zu machen, hat die die Bloggerin Perlenmama Janina Weser zu einer Blogparade unter dem Hashtag #ohneHebamme aufgerufen. Sie selbst ist sich sicher, ohne ihre Hebamme hätte sie ihre zweite Geburt nicht geschafft: "Meine Hebamme hat mich auf so viele Art und Weisen stark gemacht. Sie arbeitete mit mir gemeinsam an der Traumabewältigung meiner ersten Geburt und schaffte es, mich selbstbestimmt durch die Schwangerschaft und Entbindung zu leiten. Ohne sie hätte ich mich wohl vor lauter Angst für einen Kaiserschnitt entschieden. Und das wäre keinesfalls selbstbestimmt gewesen, sondern angstbestimmt." Janinas Aufruf sind schon viele Mütter gefolgt. Missen, so der Mütter-Chor, möchte seine Hebamme keiner. Doch eben das könnte die traurige Realität werden.

Hier eine kleine Auswahl der #ohneHebamme-Artikel:

➤  "Ohne Hebamme wäre das für mich eine sehr traumatisierende Erfahrung gewesen. " ~ von Tante Emma via Der kleine Gemischtwarenladen
Warum ich meine Hebamme nicht missen möchte ~ von Beatrice Confuss
Mein Vergleich zwischen Beleg- u. Klinik-Hebamme ~ von Katha via Mamas Mäuse

Was passiert mit den Beleghebammen?


Die Situation für unsere Hebammen und damit letztendlich auch die Situation jeder Schwangeren wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschlechtern. Schon längst haben die exorbitant gestiegenen Versicherungsbeiträge freiberufliche Hebammen ins Aus gedrängt und auch die meisten Geburtsstationen bleiben chronisch unterbesetz. Kaum vorstellbar, dass die Situation noch viel schlechter werden soll. "Das ist so traurig und schade und einfach unverständlich. Es ist doch wirklich kein Beruf, der durch Maschinen oder Technologie ersetzt werden kann. Warum wird die Arbeit der Hebammen so belächelt? Warum als so unwichtig abgestempelt? Diese Entwicklung macht mich so traurig und ja, auch wütend.", sagt Janina.

Doch solche emotionalen Gründe sind für die versichernden Krankenkassen nur Nebensache. Halten sie an ihren aktuellen Plänen fest, bedeutet das in letzter Kosequenz, dass das Hebammen-Belegsystem in Kliniken abschafft wird. Alternativen, wie eine Festanstellung der Hebammen sind aber gerade für kleinere Krankenhäuser wirtschaftlich einfach nicht tragbar. Daher befürchtet der Deutsche Hebammen Verband (DHV), dass als Folge weitere Kreißsäle geschlossen werden müssen.

Zur besseren Einordnung: Insgesamt sind in Deutschland 1.838 Hebammen als Beleghebammen in Kliniken tätig. Besonders kritisch ist die Situation in Bayern. Hier ist ein Großteil der geburtshilflichen Versorgung nur über Belegsysteme gesichert – 78 Kliniken arbeiten ausschließlich mit Belegteams, nur 29 Kliniken mit angestellten Hebammen.
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...solche Schlagzeilen machen Angst. Aber es ist wichtig, darüber zu sprechen und zwar ohne Vorurteile.


„Das geht auf Kosten der Gesundheit von Müttern und ihren Kindern“, mahnt Martina Klenk Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V. Doch was bedeutet das für uns Frauen konkret? Sehr wahrscheinlich müssen wir uns weiterhin auf überfüllte Kreissäle einstellen. Wir werden auch nicht die Unterstützung von unserer Hebamme bekommen, die wir uns wünschen. Nicht aus böser Absicht, sondern einfach, weil Hebammen zu viele Geburten parallel betreuen müssen. Auch die Anfahrtswege zu den Kliniken können immer länger werden. Auf Sylt gibt es zum Beispiel bereits seit 2014 keine eigene Entbindungsstation mehr. Für die Geburt müssen Schwangere aufs Festland fahren.
Kurse für Notfall-Geburten gibt es schon

Eine Nachricht aus Schweden von Anfang des Jahres zeigt, wohin das im Extremfall führen könnte: Vorbereitungskurse für die Notfall-Entbindung im eigenen Auto. Das bieten die Hebammen Stina Näslund und Maria Dahlberg aus Sollefteå tatsächlich an. Und die Nachfrage ist groß! Denn die einzige Entbindungsstation der Gemeinde wurde wegen Sparmaßnahmen geschlossen. "Stellen Sie sich vor, es wären zwischen 120 und 200 Kilometer bis zu nächsten Entbindungsstation, es ist Winter und dunkel, das Handynetz ist schlecht und alles kann auf dem Weg passieren", erklärt Näslund gegenüber der schwedischen Nachrichtenseite The Local. Die Kurse sollen den Frauen zumindest ein wenig die Angst nehmen und darauf vorbereiten, was im Notfall zu tun ist.

Eine gruselige Vorstellung. Doch ganz davor verschließen können wir uns nicht. Es mag ein extremes Beispiel sein, aber es zeigt zumindest auf, was im Rahmen des Möglichen liegt. Und genau deswegen sind Aktionen wie #ohneHebamme so wichtig.

Vielleicht können sie zunächst im Großen noch nichts bewirken, aber sie schaffen Transparenz über ein wichtiges Problem. Janina: "Da ich aus erster Hand die Wichtigkeit von Hebammen erfahren konnte und welchen Unterschied sie machen, war es mir wichtig, meine Geschichte zu erzählen. Und ich bin mir sicher, dass es da draußen noch sehr viele solcher Geschichten gibt. Diese möchte ich erzählt wissen. Ich möchte, dass so gezeigt wird, wie wichtig Hebammen sind. Essentiell sogar. Ich hoffe, dass dies unsere Lobby und die der Hebammen stärkt." Und wir hoffen, dass wir auch einen kleinen Beitrad dazu leisten können, indem wir diese Geschichte mit euch teilen. Danke für die Aufmerksamkeit!

Wer sich an der Blogparade #ohneHebamme beteiligen möchte, der findet hier weitere Infos: Meine Geburt ohne Hebamme – Aufruf zur Blogparade #OhneHebamme.


* Pressemitteilung DHV, 09.03.2017, "Krankenkassen wollen Hebammen-Belegsystem in Kliniken abschaffen"





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