Doch es sind nicht nur die Hormone schuld daran, dass die Tränen in diesen Tagen so reichlich fließen. Auch die neue Situation trägt dazu bei, dass die Mutter labil ist: Das Baby fordert seine Mutter mit Haut und Haaren. Alle zwei bis vier Stunden meldet sich der Säugling und verlangt nach Nahrung. In der ersten Euphorie des Mutterseins hält die Frau dies zunächst gut durch, doch nach einigen Tagen macht sich der chronische Schlafmangel bemerkbar.
Das Wissen, dass dieser Zustand die nächsten Wochen oder gar Monate anhalten wird, trägt nicht gerade zur Entspannung bei. Und selbst wenn das eigene Baby selig schlummert, findet die Mutter häufig nicht die nötige Ruhe. Die fremde Umgebung des Krankenhauses, die Visiten, das schreiende Kind der Bettnachbarin und vor allem: Die vielen Besucher, die „nur mal kurz reinschauen“ wollen, um das Neugeborene zu begrüßen - das alles zerrt am Nervenkostüm der Wöchnerin.
Hinzu kommt das körperliche Unwohlsein: Der Bauch, den man noch vor wenigen Tagen stolz vor sich her schob, ist nun ein lascher Hautsack, und es dauert einige Zeit, bis er halbwegs wieder eine normale Form annimmt. Auch empfinden viele Frauen den blutigen Wochenfluss als sehr unangenehm. Wenn man all dies bedenkt, ist es eigentlich völlig verständlich, dass einer Mutter in den ersten Tagen die Tränen kommen - selbst wenn sie ein bezauberndes, kleines Baby in den Armen hält.
Viel tun kann (und muss) man gegen den Babyblues nicht. „Der Umgang mit diesen Gefühlen ist meist einfacher, wenn die Frau den Babyblues als etwas Normales und zur Geburt Dazugehöriges betrachtet“, meint der Frauenarzt Dr. Kai J. Bühling.
Was jetzt auch gut hilft: So früh es geht, mit leichter Rückbildungsgymnastik beginnen. Und zum Glück hat die Natur es so eingerichtet, dass wir die Strapazen der Geburt nach relativ kurzer Zeit wieder vergessen - und uns nach einigen Monaten vielleicht schon fast wieder vorstellen können, noch einmal ein Kind zu bekommen.

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