Folgende Punkte sprechen für einen Kaiserschnitt:
- Befindet sich das Baby unter der Geburt in Querlage, so kann es nicht auf normalem Wege geboren werden. In vielen Krankenhäusern werden auch die Babys in Beckenendlage per Kaiserschnitt geholt, obwohl sich hier eine Veränderung andeutet.
- Kommt es unter der Geburt zu einer Notlage für das Baby, z.B. durch eine Ablösung der Plazenta, den Vorfall der Nabelschnur oder andere Ursachen, so ist der Kaiserschnitt oft die rettende Lösung.
- Wenn bei einem Geburtsstillstand über mehrere Stunden mit viel Geduld alle verfügbaren Mittel ausgeschöpft wurden, kann es für das Kind ein Segen sein, nicht mit Gewalt durch den Geburtskanal gezerrt zu werden.
- Leidet die Mutter an einer HIV Infektion oder an einer akuten Herpesinfektion am Genitale, wird die Gefahr einer Ansteckung des Kindes durch den Kaiserschnitt vermindert.
Die Sterblichkeit von Babys rund um die Geburt konnte allerdings seit Ende der 80ger Jahre auch durch hohe Kaiserschnittraten nicht mehr weiter gesenkt werden.
Risiken fürs Baby beim Kaiserschnitt
- Vor allem beim geplanten Kaiserschnitt kommt es oft zu Anpassungsstörungen der Atmung des Neugeborenen. So müssen doppelt so viele Kinder auf die Neugeborenen - Intensivstation verlegt werden, wie nach vaginalen Geburten. Während einer normalen Geburt wird die fetale Lungenflüssigkeit - oft irrtümlich als Fruchtwasser in den Lungen bezeichnet - herausgedrückt. Außerdem wird kurz vor und während der Geburt ein Stresshormon ausgeschüttet, das zur Reifung der Lungen führt. Da dies beim Kaiserschnitt nicht geschieht, kann es dazu führen, dass dem Baby vorübergehend die Atmung schwer fällt.
- Kaiserschnittkinder haben häufiger langfristige gesundheitliche Probleme, wie Allergien oder Typ 1 Diabetes.
- Kaiserschnitt kann psychische Folgen für die Mutter haben: Ein weites Feld sind die emotionalen Folgen der abrupten Geburt durch den Kaiserschnitt. Nicht wenige Mütter haben das Gefühl, keine „richtige“ Geburt zustande gebracht zu haben und leiden darunter:
- Viele berichten von Schwierigkeiten beim Bindungsprozess zwischen Mutter und Säugling, dem Bonding.
Und wie sieht die Zukunft aus? Gynäkologen mutmaßen, dass zu einem gewissen Zeitpunkt wegen des emotionalen Erlebnisses ein Revival der natürlichen Geburt einsetzen wird. Und er schätzt, dass sich die Kaiserschnittquote auf Jahre hinaus bei 25 % einpendeln wird, weil sich einfach nicht mehr Frauen auf die Operation einlassen wollen.
Buchtipps
- Kaiserschnitt. Wie Narben an Bauch und Seele heilen können. Theresia M De Jong, Gabriele Kemmler
- Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht. Caroline Oblasser
- Kaiserschnitt und Kaiserschnittmütter. Brigitte Renate Meissner
- Es ist nicht egal, wie wir geboren werden. Risiko Kaiserschnitt. Michel Odent