Geschlecht des Babys: Ab wann kann man es bestimmen?

Wie und vor allem ab wann kann man im Ultraschall eigentlich das Geschlecht des Babys bestimmen? Und was ist dran an der Nub-Theorie? Die Antworten.


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Geschlecht bestimmen Ultraschall ab wann


© iStock
"Was wird es denn?" Eine beliebte Frage, die jede Schwangere wahrscheinlich einmal zu oft hört. Und auch darauf antworten kann, sofern sie das Geheimnis Preis geben will. Voraussetzung ist natürlich, dass die Mama zu den 80 Prozent der werdenden Eltern gehört, die das Geschlecht ihres Babys wissen möchten. Aus biologischer Sicht steht die Antwort auf die „Junge oder Mädchen?-Frage“ logischerweise ab dem Moment der Befruchtung fest. Aber die Eltern müssen sich in Geduld üben. Zwar kann ein erfahrener Frauenarzt bzw. Ultraschallspezialist schon relativ früh feststellen, ob eine Sie oder ein Er im Bauch heranwächst, verraten darf er es jedoch erst ab der 14. Schwangerschaftswoche (12. Woche nach Empfängnis) - so ist es im Gendiagnostik-Gesetz (GenDG) festgelegt. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass bei einem „unerwünschten“ Geschlecht ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen wird.


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Wann erfahre ich, ob es ein Junge oder Mädchen wird?


Die wenigsten Paare dürften wirklich schon in der 14. SSW eine Antwort auf die Geschlechterfrage von ihrem Arzt bekommen. Warum? Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle – zum einen muss der Nachwuchs mitspielen – gerne wird dem Ultraschallkopf dann der Rücken zugewandt oder die Beinchen an den Körper gezogen. Und so der Blick in den Schritt verwehrt. Nicht selten ist sich aber auch der Arzt relativ sicher – und schweigt trotzdem. Das ist verständlich. Denn wenn aus dem vorhergesagten Jungen ein paar Wochen später bei der nächsten Untersuchung doch noch ein Mädchen wird, ist die Verwirrung groß. Und das Vertrauen in den Arzt im Zweifel angeschlagen. In den meisten Fällen erfahren die Eltern also erst ab der 16. Schwangerschaftswoche, ob sie in den kommenden Wochen über Mädchen- oder Jungennamen nachdenken müssen.
Nub-Theorie - was dahinter steckt
Immer öfter liest man von einer ominösen Methode, mit der schon beim Ersttrimester-Screening eindeutig bestimmt werden kann, ob ein Mädchen oder ein Junge auf dem Weg ist. Die Rede ist von der sogenannten Nub-Theorie, die es bereits seit den 90er Jahren gibt. Das besagt sie: Zu Beginn der Embryonalentwicklung haben beide Geschlechter einen kleinen Stummel, der sich später verschieden weiterentwickelt. Bei Jungen entstehen aus dem Nub (engl. Stummel) Penis und Hodensack, bei einem Mädchen Klitoris und Schamlippen. Im ersten Schwangerschaftsdrittel kann dieser kleine Stummel dazu dienen, eine Geschlechtsprognose abzugeben. Dabei besteht die Kunst darin, im Ultraschall anhand des Winkels vom Nub zur Wirbelsäule zu bestimmen, ob es sich um Klitoris oder Penis handelt. Auch Länge und Form spielen dabei eine Rolle.

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Nub-Theorie - eine gesicherte Methode?

Stellt sich die Frage: Wem nützt diese Theorie und ist sie seriös? „Sie kann zwar einen vorsichtigen Hinweis auf das Geschlecht geben, allerdings sollte man sich in keinem Fall darauf verlassen.“, so die Antwort von PD Dr. Heling, Experte der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). „Für uns Ärzte hat das keine medizinische Relevanz.“, ergänzt er. Auch Dr. Heling weist ausdrücklich darauf hin, dass vor der 14. SSW kein Arzt oder Labor den Eltern Aussagen über das Babygeschlecht mitteilen dürfe.

Ein weiterer Unsicherheits-Faktor: In der Ultraschalldiagnostik kommt es in erster Linie auf das Können und die Erfahrung des Arztes an. Ein Gynäkologe oder gar Pränataldiagnostiker, der eine qualifizierte Ausbildung hat, kann die Ultraschallaufnahmen professioneller und belastbarer beurteilen. Ein Gynäkologe ohne Ultraschall-Zertifizierung mit einer kleinen Praxis wird vermutlich den Nub und seine Lage hingegen nicht ausreichend deuten können. Das Ergebnis der Diagnostik wäre nicht vertrauenswürdig - weitergeben dürfte er es ohnehin nicht. Was übigens wenige Menschen wissen: Es ist leichter gesagt als getan, einen erfahrenen und gut ausgebildeten Arzt zu finden, wenn es um Ultraschall geht. Denn in Deutschland gibt es bisher keine einheitlichen Standards, die für die Qualifikation gelten. Allerdings können sich Ärzte bei der DEGUM (Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin) zertifizieren lassen. Dafür sind je nach den verschiedenen Stufen (DEGUM I, II und III) Prüfungen und Erfahrungsnachweise notwendig. Leider hat nur ein kleiner Teil der niedergelassenen Ärzte in Deutschland diese Zertifizierung.

➤ Verzeichnis aller DEGUM-zertifizierten Ärzte in Deutschland

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Warum ist das Babygeschlecht überhaupt wichtig?

Die Mehrheit aller Eltern entscheidet sich bewusst dafür, das Geschlechts-Geheimnis schon während der Schwangerschaft zu lüften. Nur die wenigsten wollen sich überraschen lassen. Doch warum ist das so? Kritiker schieben es auf den allgemeinen Kontrollzwang der heutigen Gesellschaft. Befürworter halten es für ein ganz natürliches Bedürfnis werdender Eltern, sich ein genaueres Bild von ihrem Baby machen zu können. „Die Fantasie spielen zu lassen und sich das Leben mit dem Kind vorzustellen, ist eine wunderbare Möglichkeit für werdende Eltern, sich ganz bewusst mit ihrer neuen Rolle auseinanderzusetzen“, sagt die Diplom-Psychologin Saskia zur Nieden. Aber sie gibt auch ganz klar zu bedenken, dass Eltern keine falsche Erwartungshaltung entwickeln sollten, denn: „Eine Erwartung kann es in dieser Hinsicht gar nicht geben, sondern allenfalls eine Hoffnung.“

Bei aller Vorfreude ist die Schwangerschaft natürlich auch eine Zeit von Sorgen und Ängsten, von denen die meisten die Gesundheit des Babys und die bevorstehende Geburt betreffen. Da das so ist und auch so sein muss, sagt Saskia zur Nieden, sind Gedankenspiele, die sich um das Geschlecht des Kindes drehen, ab einem gewissen Zeitpunkt ohnehin nachrangig. Entscheidend sei allein der positive Blick und die große Freude auf den Nachwuchs.

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