Tabubruch - Hayden Panettiere spricht über postpartale Depression

++ Update: Panettiere wieder wegen Depression in ärztlicher Behandlung.++
Hayden Panettiere litt an einer postpartalen Depression: Diese Bombe ließ die Schauspielerin am Montag platzen. Und auch andere Mütter brechen jetzt das Schweigen über ein Tabuthema, das viele Frauen betrifft. Danielle Haines bewegt das Netz z. B. mit diesem Foto.


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Auf dem Weg zum Muttersein hat sich Hayden Panettiere irgendwie selbst verloren. Auch noch eineinhalb Jahren nach der Geburt ihrer Tochter leidet die Schauspielerin an einer postpartalen Depression. Deswegen ist sie jetzt wieder in ärztlicher Behandlung. Schon Ende letzten Jahres brach sie öffentlich das Schweigen über ihre Krankheit und endete mit dem Aufruf: "Wir müssen mehr darüber sprechen". Diesem Aufruf sind wir damals gefolgt und erzählen hier die Geschichte zweier Mütter, die, sofern ihre Lebenswelten auch seien, in gleichem Maße für ihren Mut zu bewundern sind. Sie haben das Wort stellvertretend für alle betroffenen Mütter ergriffen, um endlich öffentlich über ein Tabuthema zu sprechen.

Zwei Mütter, eine Geschichte

Eine Mutter hält ihr drei Tage altes Baby in den Armen. Sie weint. Freudentränen sind es nicht. „Ich war nur noch ein Häufchen Elend!“, schreibt Danielle Haines unter ihr Foto. So stellen wir uns junges Mutterglück nicht vor. Elend. Keiner hat einem erzählt, dass man sich elend fühlen wird. Glück, unendliches Glück – das sollen Mütter nach der Geburt doch empfinden. Wo also ist das strahlende Lachen?

This is a picture of me 3 days postpartum. I was so raw and so open, I was a fucking mess. I loved my baby, I missed...

Posted by Danielle Haines on Samstag, 12. September 2015

Mit ihrem Foto hat Haines das Schweigen der Mütter gebrochen. Denn dass viele Frauen das Wochenbett eher durchleiden als durchleben, darüber wird immer noch nicht gerne gesprochen. Leid widerspricht dem romantischen „Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende“-Gedanken, der in unserem Unterbewusstsein umherwabert. Aber die ungeschönte Wahrheit ist: Nach der Geburt ist alles anders! Der Körper tut Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Milch produzieren zum Beispiel – oder eben nicht. Dann quälen einen entweder geschwollene Brüste und wunde Nippel oder der Gedanke, als Mutter zu versagen, weil das Stillen nicht klappt. Untenrum wird ohnehin alles nie mehr wie vorher sein. Das weiß und spürt man. Wir empfinden Angst und Bedauern, große Liebe und Freude – alles gleichzeitig. Was für ein Durcheinander. Es ist schon schwer sich dabei nicht selbst zu verlieren und dann soll man sich in dieser Zeit auch noch in seiner neuen Rolle als Mutter finden?

Hayden Panettiere gesteht postpartale Depression


Manche finden ihre Mutter-Rolle schnell und gehen darin auf. Bei anderen dauert es länger und manche verlieren sich auf der Suche wirklich selbst und rutschen in eine Wochenbettdepression. Doch sollte man sie deswegen nicht verurteilen – in ihnen allen steckt letztlich eine gute Mutter. Sie brauchen einfach nur die Hilfe lieber Menschen, um wieder zu sich zu finden. Und zuzugeben, dass man Hilfe braucht, ist keine Form von Schwäche. Auch wenn uns die Leistungsgesellschaft gerne anderes glauben macht.

Auch deswegen sind wir immer noch so ergriffen und gleichzeitig dankbar, wenn auch idealisierte Hollywood-Größen plötzlich Schwäche zeigen. Die Schauspielerin Hayden Panettiere hatte erst im Oktober letzten Jahres in einer TV-Show die große Bombe platzen lassen. Sie leidet seit der Geburt ihrer Tochter im Dezember 2014 – Vater ist der Boxer Vladimir Klitschko – unter einer postpartalen Depression und is deswegen jetzt auch in Behandlung.


Panettiere: “Es gibt viele Menschen da draußen, die denken, dass so etwas nicht existiert, dass es nicht wahr sein kann. Dass es irgendwelche Hirngespinste sind oder nur die Hormone. Sie tun es als nichtig ab. Aber so eine Depression ist etwas, das du nicht kontrollieren kannst. Es ist wirklich schmerzhaft und wirklich beängstigend und Frauen brauchen dann viel Unterstützung.“ Und weil sie das alles am eigenen Leib erfahren hat, ist ihr diese Botschaft so wichtig: „Wir müssen unbedingt mehr darüber reden. Frauen müssen wissen, dass sie nicht alleine sind und dass es ihnen irgendwann besser gehen wird.“

Auch Danielle Haines sagt, sie sei froh, dass ihre Schwester dieses Foto gemacht habe. In einem Moment, in dem sie so verletzlich und emotional gewesen sei. „Mein Wochenbett war letztendlich doch magisch. Es war nicht leicht. Aber ich hatte die notwendige Unterstützung. Ich wurde daran erinnert, dass alle Mütter vor mir diese Phase des Mutterseins erlebt haben, überlebt haben und dass ich es garantiert auch schaffen werde.“
"Wir müssen mehr darüber reden"

Panettiere und Haines, der Hollywoodstar und der Normalo, zwei Mütter: Sie haben mit ihrer Offenheit so vielen Müttern neuen Mut gegeben, auch ihr „dunkles Geheimnis“ endlich auszusprechen. Haines Foto wurde in den vergangenen Monaten oft kommentiert. Frauen erzählen ihre eigenen Geschichten und bedanken sich für das ehrliche Foto.

Ja, wir sollten mehr darüber reden. Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

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