Experteninterview zum Thema Fruchtbarkeitsbehandlungen
Maren Weidner, Ärztin und Beraterin bei Pro Familia, über die Belastungen einer Fruchtbarkeitsbehandlung
Ahnen Paare zu Beginn, welche psychische Belastung auf sie zukommt?
Maren Weidner: Ich würde sagen: nein. Viele wollen das auch vorher gar nicht wissen. Die meisten verdrängen zum Beispiel regelrecht, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Behandlung am Ende zum Kind führt, realistisch betrachtet nicht sehr groß ist.
Aber vielleicht ist dieses Verdrängen am Anfang auch eine sinnvolle Strategie, um genügend Kraft und Optimismus zu bewahren, die Sache überhaupt zu beginnen.
Was ist der größte Stressfaktor?
Das Warten. Etwa zwischen Embryotransfer, dem Test und der möglichen Blutung, wenn es nicht zu einer Schwangerschaft gekommen ist. Und natürlich nimmt die Belastung mit jedem gescheiterten Versuch zu. Immer wieder eine so große Enttäuschung zu verarbeiten, ist ein seelischer Kraftakt. Was für viele Paare auch noch hinzukommt, ist die Scham, nicht auf natürlichem Wege ein Kind bekommen zu können. Ich bin immer wieder erstaunt, wie derb unter Männern immer noch über dieses Thema geredet wird.
Ist es sinnvoll, sein Umfeld zu informieren?
Es gibt gute Gründe dafür, aber auch viele dagegen! Es entspannt einerseits, wenn man nichts verheimlichen muss und zum Beispiel offen sagen kann, warum man mehrfach in der Woche am Arbeitsplatz fehlt. Anderseits ist dann aber alles öffentlich, der Erwartungsdruck nimmt zu - das Paar steht unter ständiger Beobachtung.
Verändert sich die Partnerschaft?
Das ist ganz unterschiedlich. Es hängt zum Beispiel davon ab, ob sich beide Partner gleich stark ein Kind wünschen. Die Auseinandersetzung darüber kann sehr schmerzhaft sein. Aber selbst wenn völlig Einigkeit herrscht: Allein die Tatsache, dass ein Paar nicht auf natürlichem Wege schwanger wird, stellt schon eine Krise dar, die bewältigt werden muss.
Wie kann man sich während dieser anstrengenden Prozedur am besten entspannen?
Man sollte gut für sich sorgen und in sich horchen, was einem wohltut: Sport, Yoga, Akupunktur oder vielleicht Massagen. Es kann aber auch ein neues Hobby sein. Alles, was einem hilft, sich unversehrt zu fühlen, ist jetzt richtig. Und man sollte sich bloß nicht unter Druck setzen, besonders entspannt zu sein, nur um leichter schwanger zu werden. Die Psyche hat nämlich einen weit geringen Einfluss auf diese Vorgänge, als man zeitweise angenommen hatte. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind in der Regel rein körperlich.

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