Lotusgeburt


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Bei der Lotusgeburt handelt sich nicht, wie man erwarten könnte, um eine Geburtsstellung, sondern um den Verzicht auf die Abnabelung nach der Geburt. Weder der stolze Papa noch die Hebamme oder der Arzt dürfen die Nabelschnur abklemmen oder durchtrennen. Stattdessen wartet man darauf, dass sich die Verbindung zwischen Kind und Plazenta von allein löst. Das ist in der Regel zwischen dem dritten und zehnten Tag nach der Geburt der Fall.


Um das Infektionsrisiko dabei gering zu halten, wird die Plazenta nach der Geburt gereinigt, in Mulltücher gewickelt und in einem Tongefäß aufbewahrt. Nach etwa 24 Stunden wird sie mit jeder Menge Salz eingerieben und mit Kräutern bestreut. So wird sie konserviert, schließlich handelt es sich hierbei um totes Gewebe. Das Einsalzen muss im Laufe der Zeit einige Male wiederholt werden. Im Internet finden sich mittlerweile sogar Anbieter sogenannter Lotusbags, also kleiner Stofftaschen, in denen die eintrocknende Plazenta verstaut werden kann.

Lotusgeburt als sanfter Start ins Leben


Für das noch ungeborene Baby ist die Plazenta lebenswichtig. Sie ist die Verbindung zwischen Mutter und Kind, versorgt das Kleine mit Nährstoffen und schützt es vor Schadstoffen. Nach der Geburt verliert sie diese Funktion, wir vom mütterlichen Körper ausgestoßen und stirbt ab. Um die Plazenta und ihre Rolle während der Schwangerschaft zu wertschätzen, gibt es verschiedenste Bräuche. Am bekanntesten ist sicherlich der, das tote Organ im Garten zu vergraben und ein Bäumchen darauf zu pflanzen. In den letzten Jahren wurden aber auch der Verzehr der eigenen Plazenta und die Verarbeitung zu homöopathischen Globuli (wieder) aktuell.

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Und nun wird auch die Lotusgeburt zum vorsichtigen Trend. Verfechterinnen der Lotusgeburt schwören, dass die Kinder dank der Prozedur entspannter und gesünder wären. Das abrupte Durchtrennen der Nabelschnur würde ein erstes Trauma für das Kind darstellen und bereits kurz nach der Geburt unbewusste Verlustängste schüren. Und was sagt die Wissenschaft? Die kann dem ganzen Ritual nur zwei Vorteile abgewinnen: Zunächst kann die Nabelschnur in aller Ruhe auspulsieren. Und zweitens: Da es keine Nabelschnurdurchtrennung gibt, gibt es auch keine Nabelwunde, die sich infizieren könnte. Gleichzeitig warnen Mediziner jedoch davor, dass dafür das absterbende Gewebe der Plazenta ein neues Infektionsrisiko darstellt. Dass die Kinder, die eine Lotusgeburt erleben durften, insgesamt gesünder seien, ist bisher nicht bewiesen.

Lotusgeburt from Esther on Vimeo.


Trotzdem bleibt die Entscheidung für oder gegen eine Lotusgeburt einzig und allein Sache der Mutter. Wenn Sie sich für eine Lotusgeburt entscheiden, informieren Sie sich umfassend über das Vorgehen (z.B. unter www.lotusgeburt.de), um Ihr Kind keinem unnötigen Risiko auszusetzen. Informieren Sie außerdem Ihre Hebamme und das Krankenhaus bzw. das Geburtshaus, damit die Verantwortlichen auf Ihre Wünsche vorbereitet sind.


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